
Von der Trauer zur Erinnerung
Das Gedenken am Walpersberg hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt. Auf das private Erinnern von Überlebenden und Angehörigen folgten in der DDR staatlich geprägte Formen des Gedenkens. Nach 1990 entwickelte sich daraus ein offener, bürgerschaftlicher Umgang mit der Geschichte – getragen von Forschung, Begegnungen und Bildungsarbeit, die Erinnerung lebendig hält.
Ab 1949 wurden an ehemaligen Lagern erste Gedenksteine aufgestellt. Überlebende, Angehörige und Menschen aus der Region trugen dazu bei, dass sich daraus eine lokale Erinnerungstradition entwickelte. Frühere improvisierte Zeichen sind möglich, für die bisherige Datierung 1946 liegt jedoch noch kein ausreichend genauer Beleg vor.
Auf Gräberfeldern in Großeutersdorf, Hummelshain und Kahla entstanden nach dem Krieg Gedenksteine für die Toten. In Kleindembach wurden slowakische Opfer umgebettet; 1958 wurde am neuen Massengrab ein Stein gesetzt. Die bisher genannte Zahl von mehr als 1.000 dokumentierten Namen wird hier nicht ohne gesonderten Beleg wiederholt.
Seit den 1950er Jahren besuchten einzelne ausländische Gäste die Stollen und Gedenkorte. Veröffentlichungen, lokale Initiativen und Kontakte zu ehemaligen Zwangsarbeitern bereiteten eine breitere öffentliche Erinnerung vor. Die Formen privaten, kirchlichen und politischen Gedenkens sind noch genauer zu unterscheiden.
Zum 20. Jahrestag der Befreiung entstand am Südhang des Walpersbergs ein offizielles Denkmal: ein schlichter Obelisk, Kranzniederlegungen und erstmals internationale Delegationen wie Viktor Proost oder František Štammler prägten die neue Gedenkkultur.
Wegen der erneuten militärischen Nutzung des Walpersbergs wurde das Mahnmal verlegt. Im Mai 1974 entstand im Leubengrund auf dem Gelände des ehemaligen Lagers VI eine neue Gedenkstätte. Die Kosten von gut 80.000 Mark trug die Nationale Volksarmee. Bis 1989 war der Ort ein Zentrum der lokalen öffentlichen Gedenkkultur.
Bis 1989 prägten Veranstaltungen im Leubengrund die lokale öffentliche Erinnerung. Ehemalige Zwangsarbeiter wirkten teilweise mit. Das Gedenken hielt die Geschichte präsent, wurde in der DDR aber zugleich politisch und propagandistisch instrumentalisiert.
Nach 1990 veränderte sich die Erinnerungskultur. Die staatlich vorgegebene Deutung verlor ihre Grundlage; zugleich hielten engagierte Einwohner, der Landkreis, ehemalige Zwangsarbeiter und ihre Angehörigen die Gedenktradition aufrecht. Der Schwerpunkt verlagerte sich schrittweise zu internationaler Begegnung und quellenkritischer Aufarbeitung.
Schüleraustausche, Begegnungswochen und Projekte mit Belgien, Italien und der Ukraine machten den Walpersberg zu einem europäischen Lernort. Digitale Archive und Publikationen begleiteten die Zusammenarbeit.
Zum 70. Jahrestag der Befreiung kamen 2015 Überlebende, Angehörige, internationale Delegationen sowie politische und zivilgesellschaftliche Vertreter zusammen. Zeitzeugeninterviews und Begegnungsprojekte wurden dokumentiert und in die weitere Bildungsarbeit aufgenommen.
Im April 2022 wurde die Städtepartnerschaft zwischen Kahla und Castelnovo ne’ Monti beurkundet. Sie entwickelte sich aus langjährigen Kontakten, Gedenkveranstaltungen und Schülerbegegnungen zur Geschichte der aus Italien nach Kahla verschleppten Menschen.
Heute verbindet die Erinnerungsarbeit jährliche Gedenkfeiern, internationale Kontakte, Ausstellungen, Führungen, Zeitzeugeninterviews und digitale Vermittlung. Die einzelnen digitalen Angebote werden fortlaufend erweitert und sollten jeweils mit ihrem Veröffentlichungsstand dokumentiert werden.
Erinnerungsorte
Erinnerungsorte
Ergänzend zur Timeline bündeln wir Orte, an denen lokale Gruppen, Angehörige und der Verein Erinnerungsarbeit leisten. Sie finden eine Liste mit Kurzinfos sowie eine Karte mit anklickbaren Markierungen.
