Walpersberg Logo
Luftbild des Walpersbergs nach den Demontagen und Sprengungen, 26. Mai 1953

Juli 1945 bis 1949

Besatzerwechsel

Ein verlassenes Rüstungswerk. Tausende Menschen. Eine neue Besatzungsmacht.

Die Amerikaner gingen. Sowjetische Soldaten, Ingenieure und Verwaltungsoffiziere übernahmen den Walpersberg – und entschieden, was untersucht, abtransportiert oder zerstört werden sollte.

· KahlaКала · demontierende Einheit Luftbild: 26. Mai 1953 · © GDI-Th

Der Moment des Wechsels

Die Amerikaner gehen

Am verließen die letzten US-Soldaten Kahla. Am trafen sowjetische Vorauskommandos ein. Ein gesondertes Übergabeprotokoll für den Walpersberg ist in der bislang ausgewerteten Überlieferung nicht belegt.

3. Juliletzte US-Truppen verlassen Kahla
4. Julisowjetische Vorauskommandos übernehmen

Der Berg war nicht leer

Menschen zwischen Heimkehr und Demontage

Warten auf HeimkehrMehr als 1.200 ausländische Männer und Frauen befanden sich noch in der Region.
Leben in den BarackenIm Oktober lebten dort etwa Flüchtlinge und Vertriebene.
Arbeit an der DemontageIm Herbst arbeiteten Menschen aus der Region am Werk.
Drei Lebenssituationen näher ansehen
Juli/August 1945

Warten auf die Heimkehr

Für ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter bedeutete Heimkehr zugleich Kontrolle und Misstrauen; viele durchliefen Filtrationslager.

Oktober 1945

1.200 Menschen in den Baracken

Kommunale und sowjetische Stellen mussten Versorgung und Lebensbedingungen verbessern; erst im März 1946 wurden die Lager geräumt.

Herbst 1945

Arbeit am zerlegten Werk

Die Arbeit war begehrt, weil sie besser bezahlt wurde – und gefürchtet, weil sie schwer war.

Porträt des sowjetischen Gardesergeanten Boris I. Labasow, aufgenommen in Kahla 1946
Ein Gesicht der Besatzungszeit. und wurde . Seine Aufgabe vor Ort ist nicht überliefert. Das Porträt steht für Soldaten einer Armee, die Deutschland vom Nationalsozialismus mit befreit hatte und in Thüringen nun zur Besatzungsmacht wurde.

Eine Akte nennt die zuständige Einheit

Die Kennung

Sowjetische Demontageliste

Кала — подземный авиационный завод
Gustloff-Werke-Raimag · 75213-T

Kahla · unterirdisches Flugzeugwerk · demontierende militärische Einheit

14. Juni 1946

Medwedew und fünf Namenlose

ließ in Kahla an Einzelaufträgen arbeiten. Sie rekonstruierten unter anderem Zeichnungen und technisches Wissen; ein eigenes Konstruktionsbüro bestand dort nicht.

Russischsprachiger Dokumentenauszug mit dem Eintrag zu Ingenieur Medwedew und REIMAHG in Kahla
Die REIMAHG-Stelle im Original.Der Bericht nennt , und Arbeiten an Zeichnungen und technischem Wissen.

Befehl, Verwaltung und Arbeit vor Ort

Wer gehörte zur sowjetischen Struktur?

Das Organigramm ist eine Rekonstruktion aus mehreren Quellen. Es zeigt keine lückenlose Befehlskette, sondern drei miteinander verbundene Bereiche, die sich für Kahla und den Walpersberg belegen lassen.

Sowjetische BesatzungsmachtSowjetische Militäradministration und Streitkräfte
Militärischer Raum
in Kahla stationiert; der Name des damaligen Regimentskommandeurs ist in den ausgewerteten Quellen noch nicht genannt
Angehöriger des Regiments; am 5. Mai 1946 in Kahla fotografiert
BesatzungsverwaltungSMA Thüringen
Chef der Sowjetischen Militäradministration in Thüringen
lokale militärische Verwaltung; im Befehl Nr. 006 vom 3. August 1945 genannt
Technische AuswertungArbeit am Objekt Kahla
leitete technische Einzelaufträge; ein eigenes Konstruktionsbüro bestand nicht
rekonstruierten Zeichnungen und technisches Wissen; ihre Namen sind bislang nicht überliefert
Wer befahl, prüfte und sprengte?
Gebiet übernehmen

8. Gardearmee

Die zeigt den militärischen Rahmen des Einmarschs. Sie belegt den Weg zur Zonengrenze, aber noch nicht die Übergabe des Walpersbergs selbst.

Objekt erfassen

Technischer Bereich und SMA Thüringen

Das Werk erscheint in sowjetischen Listen und Berichten. Damit ist klar: Kahla wurde nicht nur militärisch besetzt, sondern auch technisch erfasst.

Technik ausbauen

Luftfahrtministerium und Fachleute

Sowjetische Fachleute interessierten sich für Maschinen, Pläne und Wissen. Genannt werden unter anderem und deutsche Spezialisten.

Werk sprengen

Pioniertruppen und Spezialteile

Abbau und Sprengung waren nicht dasselbe. Wer Maschinen ausbaute, muss nicht dieselbe Einheit gewesen sein, die später Sprengungen vorbereitete.

Arbeiten kontrollieren

SMAD und Liquidierungskontrolle

Ein geheimer Bericht belegt für die zweite Jahreshälfte 1948 eine Kontrolle der laufenden Liquidierungsarbeiten in Kahla. Gleichzeitig entstanden Standortkarten, Lagepläne und Angaben zum technischen Zustand ehemaliger Rüstungswerke.

Erst bergen, dann zerstören

Was vom Werk abtransportiert wurde

Ausrüstung698 erfasste Ausrüstungsstücke
Materialinsgesamt 1.476 Tonnen
Maschinendarunter 320 Werkzeugmaschinen

Für die sowjetische Seite waren es Reparationsgut und technisches Wissen. Für die umliegenden Gemeinden konnten dieselben Baracken, Rohstoffe und Bauteile ein Dach, Brennstoff oder Arbeit bedeuten.

Kein einzelner Sprengtag

Der Plan wird kleiner – die Wirkung bleibt gewaltig

Bis Zürich messbarNoch in 438 Kilometern Entfernung wurde die Explosion vom 1. Februar 1947 registriert.
18. Juni 1946Der Befehl aus Berlin

ordnete die Zerstörung erst nach vollständiger Demontage und Abtransport an. Für „Raimag“ bei Kahla setzte die Liste den 31. Dezember 1946 als Frist – eine Sollvorgabe, kein Nachweis der tatsächlichen Sprengung.

Befehl Nr. 001426 Thüringer ObjekteAusführung durch Pioniertruppen
1. Februar 1947Die messbare Sprengung

Eine starke Explosion bei Großeutersdorf wurde sogar an entfernten Messstationen registriert. Das zeigt, wie groß einzelne Sprengungen gewesen sein konnten.

Jena 15,7 kmLeipzig 116 kmGöttingen 140 kmZürich 438 km
1. Juni 1948Der Großplan ist nicht erledigt

Noch 1948 galt REIMAHG als nicht vollständig zerstört. Geplant waren Sprengungen an Eingängen und in regelmäßigen Abständen im Stollennetz.

rund 100.000 m2 WerkflächeSprengpunkte etwa alle 40 mim Oktober 1948 ca. 35 Prozent Vorbereitung
Sommer 1948Der Sprengplan wandert nach Moskau

Der geplante Umfang wurde bis nach Moskau gemeldet. Kosten, Material und Ausführung waren also keine reine Entscheidung vor Ort.

18. Juni 1948: Nr. 178/ш10. Juli 1948: Nr. 419925./26. Juli 1948: Nr. 4425 und 4440
Anfang 19491.600 Bomben als Problem

Eine Akte nennt 1.600 Flugzeugbomben am Objekt. Sie sollten für Sprengarbeiten dienen, waren aber gefährlich und schwer zu transportieren.

150- und 500-kg-BombenTransport problematischVorschlag: Vernichtung in den Stollen
Frühjahr 1949Die reduzierte Lösung

Am Ende sollte offenbar nicht jeder Hohlraum zerstört werden. Wichtiger waren Zugänge, Lüftungsschächte und ausgewählte Räume.

Zugänge verschließenBewetterung zerstörenwichtige Räume entwerten
Historische Aufnahme einer schwer zerstörten Außenanlage am Walpersberg nach den sowjetischen Sprengungen
Die Sprengung blieb nicht unter Tage. Die Aufnahme zeigt die zerstörten Betonmassen von Bunker 1 am Walpersberg. Die genaue Aufnahmezeit ist bislang nicht gesichert. Sammlung des Vereins · Datierung offen

Die Oberfläche als Quelle

Was zwischen 1945, 1953 und heute sichtbar wird

Nicht nur Stollen wurden angegriffen. Auch Startbahn, Zugänge, Schächte und Außenanlagen veränderten das Gesicht des Berges. Zwei Griffe im Bild öffnen den Blick von 1945 über 1953 bis zum aktuellen Luftbild, abgerufen 2026.

Luftbildzustand 1945
Luftbildzustand am Walpersberg vom 26. Mai 1953
Aktuelles Luftbild des Walpersbergs, abgerufen 2026
1945Werkzustand
1953nach Demontage und Sprengungen
2026aktuelles Luftbild
Was das Bergschadensgutachten von 1988 noch festhielt
belegt

Mundlöcher

Viele Eingänge am Nord- und Südhang waren verschüttet, zugesprengt oder nur noch als Mulden zu erkennen.

belegt

Trichterketten

Das Gutachten beschreibt Reihen von bis zu sieben Trichtern an oberflächennahen Bereichen.

bis 10 m breit / 4,5 m tief

wahrscheinlich

Q 23 / Q 24

Zwischen Q 23 und Q 24 könnte eine gezielte Sprengung einen großen Einbruch verursacht haben.

ca. 18 m breit / 8 m tief

belegt

Wetterschacht

Der Wetterschacht im Nordosten war beschädigt. Der Entlüftungsturm stand schief und war teilweise verschüttet.

wahrscheinlich

Stollen E

Der Eingang zu Stollen E war wahrscheinlich zusammengeschossen. Über Tage blieb eine Pinge sichtbar.

ca. 10 m breit / 3 m tief

ungeklärt

Ostfeld

Im Ostfeld ist die Ursache unklar: ältere Bergbauspuren, Sprengungen und spätere Einbrüche überlagern sich.

Quellenlage: Ursache nicht eindeutig

Der Abzug ohne Datum

Die sowjetische Verfügung endet nicht an einem Tag

1949

Im ersten Halbjahr wurden am unterirdischen Flugzeugwerk noch Arbeiten über abgerechnet. Damit ist sowjetische Tätigkeit belegt – nicht aber die genaue Art der Arbeiten oder ihr exaktes Ende.