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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Z. P. Gulyaev

Fragebogenbericht über Verschleppung und Arbeit bei der REIMAHG.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Z. P. Gulyaev
Rolle
Zwangsarbeiter
Ort
Kahla
Zeitraum
April 1945
Herkunft
UdSSR

Überlieferung und Kontext

• Gulâevoj, Z. P., Fragebogen vermittelt von der Belorusskij Respublikanskij Fond „Vzaimoponimanie i Primirenie“ [Belarussischen republikanischen Stiftung "Verständigung und Aussöhnung"]. Гуляевой (вa?) З. П. Gulâevoj, Z. P. Ich bin geboren am 1. Juli 1926 in einer Bauernfamilie in Кобыляки, Rayon Orscha, Obl. Vitebsk. Die Deutschen haben 1943 unser Haus verbrannt, und wir wohnten bei Nachbarn. Mein Vater ist im Krieg umgekommen, er war 36 Jahre alt und wurde 1941 eingezogen – und kam nicht zurück. Ich habe mich oftmals versteckt, doch am 13. April 1943 (oder 44 – unklar was sie meinte) wurde ich um 4 Uhr früh aus dem Bett geholt. Am 14. April transportierte man uns mit dem Güterzug nach Deutschland, Freienorla in Thüringen. Dort arbeitete ich zwei Monate am Bau der Straße zum Werk. Ich war im Lager Freienorla, und auf der anderen Seite von Orla war das Männerlager Stern. Ich habe dann Arbeit in der Küche vom Lager Stern erhalten, ich habe Arbeitskleidung erhalten – normale Arbeitskleidung. Man hat uns einmal in der Küche zu Essen gegeben und dann haben wir uns selber etwas ausgedacht/ ausgeteilt/ organisiert. Wir waren alle jung, 20 Mädchen in einem Zimmer mit zweistöckigen Betten. Wir warteten auf die Befreiung, weinten und hatten Angst. Das Werk lag ca. 2 bis 3 Kilometer vom Werk entfernt. Appelle gab es nicht. Unsere Arbeit wurde von den Köchen beaufsichtigt und kontrolliert. Die Vorgesetzten verhielten sich normal. Für unseren Lohn konnten wir Kwass trinken (vermutlich Bier M.B.). Ich habe nur in der Küche gearbeitet, das war genug Arbeit. Wir haben Gemüse geputzt, Geschirr und die Fußböden gesäubert, Müll weggetragen – das Essen wurde von zwei Köchen zubereitet. Wir waren jung und arbeiteten gut, da wir Angst hatten geschlagen zu werden. Es gab keine Verbindung mit der Heimat, ich habe einmal ein Päckchen erhalten. Wir durften uns nicht frei bewegen. Kontakt zu Arbeitern anderer Nationalitäten hatten wir nicht, in der Küche arbeiteten Mädchen aus Weißrussland und 2 Russinnen. Kinder gab es im Lager nicht – wir waren selber noch Kinder. Welcher Nationalität die Wachen waren weiß ich nicht, sie haben es nicht berichtet. Denunzianten gab es unter uns nicht. Ob Teile der Verpflegung oder Post unterschlagen wurden weiß ich nicht. Briefe gab es sehr selten. Zeugin von Misshandlungen wurde ich einmal, das Opfer war ein junger Bursche. Unser Lager war nur eine Hälfte des Gebäudes, in der anderen waren die Männer. Einmal habe ich gesehen, wie ein junger Mann mit der Peitsche geschlagen wurde, aber weshalb weiß ich nicht. An Regeln des Lagers und Richter erinnere ich mich nicht. Die deutschen Arbeiter und Lagerverwaltung verhielten sich uns gegenüber normal. Mit der örtlichen Bevölkerung hatten wir keine Kontakte. Es gab auch Deutsche, die Gefangene human behandelten und ihnen halfen. Fluchten aus dem Lager gab es nicht. Bei Kriegsende liefen wir auseinander wie wir konnten und haben uns später wiedergefunden. Bis August waren wir in unserem Lager, dann hat uns unsere Armee zurück in die Heimat gebracht. Von Verhaftungen unter dem Lagerpersonal weiß ich nichts. Zu Hause hat man uns verachtet und gab uns keine Arbeit. Ich hatte 1941 die 8. Schulklasse beendet, und nach dem Krieg die Fachschule und arbeitete dann auf einer Tierfarm, dann war ich auf einer Fachschule für Automechanik in Rostov am Don und arbeitete dann 40 Jahre im System. Ich heiratete und hatte zwei Kinder. Mein Mann ist 1972 tragisch umgekommen. Mein Sohn erkrankte mit 18 Jahren und ist Invalide, er wohnt bei mit. Ich bin 81 Jahre alt und krank und sehr schwach – ich entschuldige mich für meine schlechte Schrift, ich schreibe drei Tage schon und wünschen Ihnen viel Erfolg in der Wissenschaft.

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett_ocr.pdf