Zeitzeugnis
Zeitzeugenaussage Vladimir Kibkalo
Fragebogen und Brief über Deportation, Zwangsarbeit und Rückkehr.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Vladimir Kibkalo
- Rolle
- Zwangsarbeiter
- Ort
- Walpersberg
- Zeitraum
- 1944
Überlieferung und Kontext
• Kibkalo, Vladimir Markìânovič, Fragebogen vermittelt von Ukraïns’kij Nacìonal’nij Fond
„Vzaėmorozumìnnâ ì Primirennâ“ pri Kabìnetì Ministrìv Ukraïni [Ukrainische Nationale
Stiftung „Verständigung und Aussöhnung“ beim Ministerkabinett der Ukraine].
Kibkalo, Vladimir Markijanovič
Kibkalo, Vladimir Markìânovič
Кибкало Володимир Маркіянович (Name laut Ukr. Stiftung, er selber und der ITS schreiben
seinen Vornamen Владимир)
26.06.07
Ich bin geboren am 8. Mai 1927 im Dorf Solonzej (heute Rudenkova), Oblast Poltavsk. Beim
Umzug zum Bruder meines Vaters nach Moldawien, in die Stadt Bolgrad, im Frühjahr 1943,
wurden wir alle zusammen von einem deutschen Kommandanten mit Dolmetscherin verhaftet. Wir,
das waren meine Mutter Anna Nikolaevna, mein Vater Markijan Kondrat'evič, meine Schwester
Alexandra Markianovna und ich. Wir und fünf oder sechs Vortreiber geleiteten eine große
Viehherde nach Rumänien. Unsere Aufgabe bestand darin, die Kühe zu melken. Uns allen wurde
versprochen, dass man uns gehen lassen würde, wenn die Herde nach Rumänien gebracht worden
sei. Wir überquerten den Fluss Prut, über die Städte Kagul, Adgut (?) und Vasluj kamen wir in die
Stadt Berlad (verm. Birlud? in Rum.), wo das Vieh an ein Fleischkombinat übergeben wurde.
Danach übernahm uns die rumänische Gendarmerie. Wir wurden zum Bahnhof getrieben, wo ein
Transport mit Güterwaggons stand, in denen sich Menschen aus den verschiedensten Ländern
befanden, unter Bewachung von Rumänen und deutschen Offizieren. Man hatte uns alles
weggenommen, was wir bei uns trugen, und ließ nur Kleidung und einige Decken. Wir wurden in
die Waggons eingesperrt. Bei uns waren Bulgaren, Jugoslawen und Tschechen. Die Fahrt ging in
unbekannte Richtung. In der Stadt Wien erkannten wir, dass wir in Österreich waren. Weiter ging es
über Chemnitz und Weimar, wo das Etappengefängnis und die Verteilung waren. Meine Schwester
wurde zur landwirtschaftlichen Arbeit gebracht, aber Vater, Mutter und mich schickte man nach
Kahla. In Kahla kamen wir in einem Güterwaggon an. Drei bis vier Tage verbrachten wir im Feld
unter freiem Himmel neben dem Werk, danach wurden wir ins Baulager II gebracht. Anfangs waren
wir in diesem Lager II untergebracht, später wurden wir ins Baulager III verlegt. Dies wird
bekräftigt durch ein einzelnes Schreiben, das mir aus Arolsen geschickt wurde am 21. Februar
2003. In diesem Dokument ist mein Geburtsdatum mit 1929 angegeben. Meine Eltern verringerten
mein Alter, da sie wussten, dass Minderjährigkeit mich von der harten Arbeit befreit, aber das half
nichts. Ich arbeitete genauso wie die Erwachsenen. Eine Kopie des Dokuments liegt bei. Wir lebten
im Lager in einer Baracke mit zwei-etagigen hölzernen Pritschen. Anstelle von Matratzen gab es
Holzwolle. Es war sehr kalt, und das Licht wurde mit Eintreten der Dunkelheit abgeschaltet.
Geheizt wurde die Baracke mit einem eisernen Ofen, doch das Brennholz reichte nicht. Es gab
einen Behälter mit Wasser. Der Abort war auf der Straße. Kissen und Decken wurden nicht
ausgegeben. Jeder bedeckte sich mit dem, was er hatte. Arbeitskleidung wurde nicht ausgegeben.
Statt Schuhwerk hatten wir hölzerne Schuhleisten. Auf unsere Kleidung wurden die Buchstaben
„OST“ aufgenäht. Beim Ende der Arbeit mit Ausweis erhielten wir eine Marke/ Talon für die
morgige Ernährung. Das Essen war schlecht und wurde zweimal am Tag ausgegeben. Zur Portion
gehörten 200 Gramm Brot mit rohem Hackfleisch -Pferdefleisch mit Kümmel, oder eine Scheibe
verschimmelter Käse (oder Schimmelkäse?), man sagte, das sei Schweizer Käse, und im Schimmel
sei Penicilin enthalten. Wir erhielten auch Suppe mit Kohlrüben und Kohlrabi.
Weckruf war um 6 Uhr, und um 7 waren wir schon bei der Arbeit. Der Arbeitstag ging 17 Uhr zu
Ende. Am Sonnabend arbeiteten wir bis 14 Uhr, und sonntags hatten wir frei. Die Entfernung vom
Lager zum Werk betrug ungefähr 2 Kilometer, aber als wir in ein anderes Lager verlegt wurden,
mussten wir zum Werk einen Kilometer mehr gehen. Wir wurden auf dem Weg zur Arbeit von den
Lagerwachen begleitet. Es gab keinen Appell, nur als wir eintrafen zur Arbeit wurden die
„Einwohner“ abgezählt. Es gab keine feste Norm bei der Arbeit. Die Arbeit wurde vom Brigadier
kontrolliert, einem deutschen Invaliden, der einteilte wer was zu machen hatte. Im Wesentlichen
war die Arbeit unter Tage. Meister und Ingenieure waren Deutsche. Sie waren streng, streng zu uns
wie auch zu ihren Landsleuten. Besonders schlimm war die Entlüftung der Tunnel nach
Sprengungen. Die Luftkompressoren wurden eingeschaltet, und wir mussten die Schläuche zum
Ende der Sprengung ziehen, damit von dort die Gase hinausgetrieben wurden. Es gab Fälle von
Vergiftungen durch dieses Gas. Während der Arbeitszeit war es nicht möglich, sich auszuruhen, die
ganze Zeit gab es etwas zu erledigen. Meines Wissens wurde die Arbeit überhaupt nicht bezahlt.
Ein Mal fuhren wir nach Jena ins Werk Zeiss, um Sand zu verladen. Meine Schwester war schon
seit dem Etappengefängnis zur Landwirtschaft eingeteilt worden. Nach vier Monaten wurde sie zu
uns abkommandiert, mit dieser Bitte wandten wir uns an die Verwaltung des Lagers. Verbindung
mit der Heimat war nicht möglich, es gab keinen Briefwechsel. Die Italiener in anderen Lagern
erhielten vom Roten Kreuz Pakete, in der Hauptsache Tabakwaren. Kontakte mit den Arbeitern
anderer Lager gab es nur bei der Produktion, mit Tschechen, Polen, Italienern und Jugoslawen. Die
Arbeiter wurden nicht gleich behandelt. Der Unterschied bestand darin, dass Italiener, Polen,
Jugoslawen und andere Nationalitäten an den (Werkzeug)Maschinen arbeiteten, an Betonmischern,
als Lokführer der unterirdischen Loks und ähnliches – und wir, die Ukrainer, Russen und
Weißrussen arbeiteten als Tunnelgräber und Hilfsarbeiter. Die schwerste Arbeit fiel uns zu. Bei der
Produktion hatte man Umgang mit Menschen anderer Nationalität, wenn es möglich war, ihre
Sprache zu verstehen, aber im Lager unterhielten wir uns mit Tschechen und Polen, deren Sprache
verständlicher war. In unserem Lager gab es viele Ehepaare, und Familien mit Kindern, aber Kinder
unter 10 Jahre habe ich nicht getroffen. Die Kinder räumten auf Bitten ihrer Eltern die Baracken
und ringsum auf. Zur Arbeit wurden sie nicht gezwungen. Viele der Familien kamen aus Polen,
besonders aus Polen, nach dem Aufstand.
Die Wachen im Lager waren aus Belgien oder Frankreich. Es gab auch andere, aber ich weiß nicht,
von wo. Sie waren meiner Meinung nach grob und frech, was daran lag, dass sie die Sprache nicht
verstanden. Von Denunzianten ist mir nichts bekannt, doch es ist möglich, dass es welche gab. Über
Korruption weiß ich nicht. Einmal bemerkte ich, wie man jemanden aus irgendeinem Grund zum
Lagereingang, zur Pförtnerloge, brachte und dann in einem Auto wegfuhr, wohin, weiß ich nicht.
Meine Eltern beschützen mich, dass ich nichts derartiges erleben musste. Bei kleineren
Übertretungen war es den Wächtern innerhalb des Lagers erlaubt, zu schlagen und zu stoßen. Die
deutschen Arbeiter und die Lagerverwaltung verhielt sich uns gegenüber schlecht, die Forderung
der Verwaltung uns gegenüber waren hart. In der Hauptsache gab es Missverständnisse aus
Unkenntnis und weil man die Sprache nicht verstand.
Es gab Kontakte mit der örtlichen Bevölkerung. Die Frauen aus den nahen Siedlungen wandten sich
an die Lagerleitung, damit diese ihnen erlaube Arbeiter an freien Tagen mitzunehmen, als Hilfe auf
dem Hof. Aus einer Familie wurde nur einer als Arbeiter genommen, damit sie nicht fliehen. Ich
habe Glück gehabt. Einmal forderte mich eine deutsche Frau aus der Siedlung Dienstadt mit Name
Lisa Verter (so geschrieben, M.B.) an und zeigte auf mich. Da ich minderjährig war, wurde meine
Arbeit in der Siedlung mit meinem Eltern vereinbart. So kam ich zu dieser Arbeitgeberin. Am
Sonnabend nach 14 Uhr und am Sonntag kam die Arbeitgeberin um mich mit sich mitzunehmen
und gab mir die Aufgabe die Pferde zu pflegen, ebenso die Kühe, und andere Aufgaben auf dem
Hof. Später erhielt ich einen Passierschein und konnte selber zur Arbeit gehen. Die Arbeitgeberin
war recht gut zu mir und zufrieden, dass ich mit der Arbeit fertigwurde, da ich ja ebenfalls auf dem
Dorf großgeworden war. Die Arbeitgeberin versorgte mich gut, und als sie erfuhr, dass meine
Familie im Lager war, gab sie mir für Mutter, Vater und Schwester sogar zwei bis drei Butterbrote
mit. In der Familie von Frau Lise waren drei Kinder – Tochter Anne-Luise, 17 Jahre, Edit, 14 Jahre,
und Sohn Klaus, 5 Jahre, und ein Großvater mit 80 Jahren. Ich schreibe die Geschichte kurz auf:
Im Lager ging das Gerücht um, die Deutschen würden die Gefangenen erschießen. Ende April sagte
die Arbeitgeberin, dass wir aus dem Lager fliehen müssten. Als ich fragte, wie und wohin flüchten,
antwortete sie – zu mir. Sie hatte alles geplant. Sie gab mir eine Kneifzange dafür, dass ich eine
Öffnung in den Zaun schneiden konnte, der das Lager umgibt, und um drei Uhr nachts flüchtete
meine gesamte Familie. Die Arbeitgeberin erwartete uns an vereinbartem Platz. Dann führte sie uns
zu sich und verbarg uns in der Scheune auf dem Heuboden. Dort saßen wir zehn Tage und Nächte
„wie Mäuse“. Die Arbeitgeberin versorgte uns, aber als die amerikanischen Truppen kamen,
wurden wir von ihnen mit Marschverpflegung versorgt. Danach siedelte sie uns nahe zu ihrem haus
um in eine Scheune für Hühner, die wir später vollendeten. Dort lebten wir bis September 1945.
Dann forderten uns unsere KGB'ler auf, in die Heimat zurückzufahren. Die Arbeitgeberin versorgte
uns mit anständiger Kleidung und Schuhen, gab uns Lebensmittel auf den Weg mit, und ein Fahrrad
mit Karren. So erreichten wir Dresden und von dort die Heimat. Ich kann nicht aufhören zu
bewundern, wie diese Frau ihre Familie riskierte, um uns zu retten. Ewig ist ihr Gedenken. Erst im
Jahr 1995 entschloss ich mich diese Familie ausfindig zu machen. Den Familiennamen hatte mir
nicht gemerkt, deshalb entschied ich mich an den Bürgermeister von Kahla zu schreiben. Ich
schrieb, wie ich konnte – ich hatte doch etwas die deutsche Sprache gelernt, wie diese Siedlung zu
finden sei und auch das Schild auf dem Haus „Otto Verter“. Ich wusste, dass so die Straße hieß,
aber dies erwies sich als Familienname des Großvaters. Ich erhielt vom Bürgermeister einen Brief
darüber, dass dort Klaus Verter mit Familien lebte. Ich schrieb Herrn Klaus und erhielt von ihm
einen Brief mit einem Foto des Hofes. Auf dem Foto sieht man einen Teil des Hühnerhauses, wo
wir beinahe 5 Monate lebten (Kopie des Fotos liegt bei). Der Großvater und die Arbeitgeberin
waren nicht mehr am Leben, die Töchter Anne-Lisa und Edit waren verheiratet und lebten in der
Nähe (Adressen liegen bei).
Die örtliche Bevölkerung verhielt sich uns gegenüber unterschiedlich. Die einen hassten uns, andere
waren teilnahmsvoll, aber das waren wenige. Körperliche Misshandlungen durch die Bevölkerung
habe ich nicht beobachtet, aber ich erinnere mich an einen Vorfall: An einem Sonntag arbeitete ich
eine Zeit lang bei der Arbeitgeberin, und kehrte dann zum Lager zurück. Am Ausgang der Siedlung
traf ich einen deutschen Gendarm. Er überprüfte meinen Passierschein und sah, dass ich 10 bis 15
Minuten zu spät ins Lager kommen würde. Er schrie mich laut an, und sah, dass ich an meiner Brust
irgendetwas hatte (die Arbeitgeberin hatte mit Butterbrote für meine Verwandten gegeben). Der
Deutsche riss mir mein Hemd auf und die Butterbrote fielen auf die Erde. Er zertrampelte alle und
hat mich getreten. Ich begann wegzulaufen, schreiend, dass ich den Passierschein bei mir habe. Er
versuchte mir mit dem Ruf „Halt!“ hinterherzulaufen, aber er hatte an einem Bein eine Prothese.
Menschliches Verhalten zeigte sich bei der Bevölkerung wenig, selten teilten sie Zigaretten und
Essen. Hilfe trat nicht zutage. Über andere Fluchten als die meiner Familie ist mir nichts bekannt.
Im Lager und bei der Produktion gab es Krankenreviere, wo man bei kleineren Körperverletzungen
Hilfe fand. Dort sah ich das erste Mal wie man statt mit Binden mit Pflaster eine Wunde zugeklebt
hat. Über die Lazarette weiß ich nichts. Die Gefangenen gingen notgedrungen in jedem Zustand zur
Arbeit, denn wenn sie nicht arbeiten gingen, erhielten sie nicht ihre Marken fürs Essen. Über die
Sterblichkeit weiß ich nichts. Es gab keine Toten unter meinen Verwandten und Bekannten. Meine
Eltern erlaubten nicht, dass ich woanders hinging, selbst in die Nachbarbarracken. Solange wir im
Lager waren, wurden keine Arbeiter irgendwohin weggetrieben. Was nach unserer Flucht geschah,
weiß ich nicht. Im Augenblick des Eintreffens der amerikanischen Truppen versteckten wir uns bei
der Arbeitgeberin. Die Ernährung war ungenügend, aber physisch waren wir wieder hergestellt,
schon davon, dass wir in Freiheit waren. Über Verhaftungen unter dem Personal weiß ich nicht. Im
September 1945 kehrten wir in die Heimat zurück. Die Heimat empfing uns feindselig, denn wir
galten als Verräter an ihr. Auf der Arbeit oder an Lehranstalten unterzukommen war schwierig, aber
mit der Zeit kam alles in Gang. Mutter und Vater lebten in Solonzej (heute Rudenkovka), Oblast
Poltavsk. Meine Schwester heiratete und lebte in Estland in Talinn. Ich selber heiratete ebenfalls
und verbrachte mein Leben in Vinniza. Jetzt lebe ich mit Ehefrau, Kindern, Enkelin und ihrem
Mann und Urenkeln. Die zweite Tochter lebt für sich mit ihren Kindern. Meine Eltern und
Schwester leben nicht mehr. Ich kann sehr viel und ausführlich erzählen. Das Schreiben fällt mir
schwerer, als das Erzählen, aber ich weiß nicht, ob diese Informationen für Sie von Interesse sind.
Ich wünschte, in einer Zeitung der Stadt Kahla zu schreiben, und dem Bürgermeister der Stadt und
der Familie Verter -Frau Anne-Luise, Frau Edit und Herr Klaus – zu danken, aber ich weiß nicht an
welche Zeitung ich schreiben soll und an welche Adresse. Wenn es Ihnen möglich wäre, mir dabei
zu helfen, wäre ich Ihnen sehr dankbar. Ich träume davon, und würde sehr gerne diese Familie
besuchen und ihnen persönlich danken, dafür, dass sie, ihr eigenes Leben riskierend, mich und
meine Familie gerettet haben, aber leider habe ich nicht die Möglichkeit dazu. Herr B., Sie könne
sich an mich wenden mit jeder Frage. Wenn Sie in der Ukraine sind lade ich Sie ein, meine Familie
zu besuchen.
Meine Adresse...
• Kibkalo, Vladimir Markìânovič, Brief vom 03.11.2007, Kontakt vermittelt von Ukraïns’kij
Nacìonal’nij Fond „Vzaėmorozumìnnâ ì Primirennâ“ pri Kabìnetì Ministrìv Ukraïni
[Ukrainische Nationale Stiftung „Verständigung und Aussöhnung“ beim Ministerkabinett
der Ukraine].
Nachtrag (Briefkontakt) 3.11.07
Unsere Kleidung wuschen wir selber in kaltem Wasser ohne Seife. Arbeitssicherheit gab es für uns
nicht, es wurde auch keine Sicherheitsausrüstung ausgeteilt (nur die Holzschuhe). Unsere Arbeit,
nach den Explosionen die Tunnel zu entlüften, war gefährlich – es wurde ein Kompressor
eingeschaltet und wir mussten einen Schlauch ca. 30 m ans Schachtende tragen um das Gas aus
dem Tunnel zu entfernen. Als kleinster habe ich dies am häufigsten gemacht. Dies war gefährlich,
besonders wenn die Konzentration groß war, aber wir mussten es trotzdem machen. Einige fielen
bewusstlos um und wurden aus den Stollen gebracht.
Eine übergeordnete Organisation des Alltags gab es nicht, jede Familie oder jeder Arbeiter
organisierte ihren Alltag wie sie konnten. Arbeitervertreter oder ähnliches gab es nicht, jeder war
für sich allein. Die Solidarität war sehr gering. Unsere Bewachung war sehr „großzügig“, für jede
Baracke 1-2 Mann, besonders Belgier in Uniform aber ohne Abzeichen. Sie haben uns auch zur
Arbeit und zurück begleitet. Die Regeln im Lager waren sehr streng, besonders was Verdunklung
und Verhalten der Arbeiter anging.
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett_ocr.pdf