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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Mario Cocalotto

Bericht über Festnahme, Stollenarbeit, Lageralltag und Befreiung.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Mario Cocalotto
Rolle
Zwangsarbeiter
Ort
Kahla; Walpersberg; Stollen
Zeitraum
1944 bis April 1945
Herkunft
Italien

Überlieferung und Kontext

Herr Mario Cocalotto, geboren am 08.12.1903 in Sant Albano Stura, wohnhaft in Garessio, Via Vittorio Emanuele 50, erzählt folgendes: Ich wurde von den Deutschen in der Firma Lepetit am 28.Juli 1944 früh festgenommen. Ich gehörte der Gruppe an, die nicht unbedingt notwendig für den Betrieb war und entweder erschossen oder deportiert werden sollten. Ich bat das Kommando, dass mir dieses Schicksal erspart bleiben soll, da ich zwei Kinder im Alter von drei Jahren und von wenigen Monaten habe. Für die Erschießung waren 15 Personen vorgesehen, 14 Arbeiter und der Fleischer Giacomo Odello. Diese Zahl wurde reduziert auf fünf und meine Angst wurde geringer. Sie erfasste mich jedoch wieder im Mailänder Gefängnis San Vittore. Von Savona bis zur deutschen Grenze wurden wir von etlichen Faschisten begleitet. Einer von ihnen war im Lager als Dolmetscher tätig. Dieser Italiener war aus Savona. Er benahm sich absolut nicht gut. Er war ungerecht und gewalttätig. Ich wurde sofort zur Arbeit in die Stollen der REIMAHG geschickt. Man erklärte mich als Tischler obwohl ich von dieser Arbeit absolut keine Ahnung hatte. Mir ging es aber ganz gut, Dank eines älteren deutschen Vorarbeiters. Er kam nach Kahla mit einem Zug von einem Ort in der Nähe. Er brachte auch ständig Nachrichten über den Kriegsverlauf mit dem Hinweis der größten Verschwiegenheit. Öfters brachte er auch etwas zu essen mit. Wir mussten die Holzverkleidung innerhalb der Stollen anbringen, aber auch Sockel für die Maschinen anfertigen. Ich erhielt eine leidliche Bezahlung. Davon kaufte ich Zigaretten und diese setzte ich in Brot um. Wir mussten 15 Tage in Nachtschicht und 15 Tage in Tagesschicht arbeiten. Zwischen den beiden Schichten war ein Ruhetag. Ich begab mich an diesen Tagen auf das Land um dort zu arbeiten, damit ich ein paar Kartoffeln oder auch Rüben erhielt. Auf dem Lande befanden sich wenige Wachmannschaften und die Polizei kam nur im Falle eines Unfalls oder zu Kontrollzwecken. Eines Tages sah ich wie die Toten aus dem Lager auf einem Wagen nach dem Friedhof von deutschen Zivilisten weggebracht wurden. Die Menschen, die während der Arbeit starben, wurden an bestimmten Stellen im Freien begraben. Eines Tages haben wir uns um einen Italiener versammelt, der in der vorhergegangenen Schicht verstorben ist. Ein Mailänder, der in seiner Heimatstadt Küster war, sprach das Gebet, die Deutschen lachten aber über unseren Respekt vor einem Toten. Das Essen war wenig und schlecht. Etwas Bier oder Limonade konnten wir in der Gastwirtschaft kaufen, wir fanden auch etwas Unterstützung in den Häusern oder auch auf dem Lande vor. Zum Schlafen hatten wir Pritschen. Woanders war es zum Teil noch schlechter, da schlief man zeitweilig auf dem Fußboden. Ohne weiteres waren unsere Erfahrungen nicht angenehm und auch keinem Menschen zu wünschen. Quelle: Renzo Amedeo: Ogni contrada e Patria di Rebelli, Milano 1964, Seite 80 - 83.

Quellen und Nachweise

  1. Bericht Mario Cocalotto im Quellenbestand Zwangsarbeiter; Renzo Amedeo: Ogni contrada e Patria di Rebelli, 1964