Zeitzeugnis
Zeitzeugenaussage Giovanni Maltagliati
Schriftliches Interview über Festnahme, Deportation, Arbeit und Rückkehr.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Giovanni Maltagliati
- Rolle
- Zwangsarbeiter
- Ort
- Kahla
- Zeitraum
- 1945
- Herkunft
- Italien
Überlieferung und Kontext
• Maltagliati, Giovanni, Fragebogen vermittelt von Giuseppe Zanoni, Comune di Robecco
sul Naviglio.
Material erhalten von Guiseppe Zanoni, Mayor Comune di Ribecco sul Naviglio Provincia di
Milano Il Sindaco, abgeschickt 15. September 2008
Interviev mit GIOVANNI MALTAGLIATI Jahrgang 1926
Fragebogen
1. Wann wurden Sie von den Deutschen festgenommen und unter welchen Umständen?
Ich wurde während der Nazi-faschistischen Vergeltungsaktion vom 20. und 21. Juli 1944 in
Robecco su Naviglio festgenommen worden, in einem kleinen Dorf nahe Magenta, das
damals ca. 3.000 Einwohner hatte.
Beschreibung des Hergangs.
Am Nachmittag des 20 Juli 1944 machte sich eine Gruppe von Soldaten, bestehend aus drei
Deutschen und einem italienischem Faschisten auf, ein Lager von Stoffen zu beschlagnahmen, das
ein Mailänder Geschäftsmann in einem Bauernhof versteckt hatte. Dieses wurde von einigen
Partisanen bewacht. Es kam zu einer Schießerei, bei der ein deutscher Feldwebel und der Partisan
Luigi Valenti verletzt wurden. Ersterer wurde von seinen Leuten nach Abbiategrasso gebracht,
starb aber bereits auf dem Weg dorthin. Der zweite wurde vom Dorfarzt, Dottor de Bonis und
seinem Assistenten don Magni behandelt und daraufhin, schon im Sterben, in eine Hütte gebracht,
die die Bauern für ihre Feldarbeit nutzten, in der Nähe eines Gutshofes namens “Tangola”. Auf
dem Rückweg wurden Arzt und Assistent von den Deutschen angehalten, die ins Dorf
zurückgekehrt waren. Nachdem sie don Magni gedroht hatten, ihn an die Wand zu stellen, weil er
den Aufenthaltsort des Verwundeten nicht preisgeben wollte, erklärte der Arzt, wohin sie den
Partisanen gebracht hatten. Dort angekommen begannen die Deutschen, einige Bauern der
"Tangola" zu verhaften, und dann holten sie Luigi Valenti aus der Hütte und brachten ihn,
zusammen mit seinem Vater, dem Bruder und der Schwester, die ihm zuvor zu Hilfe geeilt waren,
und brachten ihn dorthin, wo das Gefecht stattgefunden hatte. Nach einer kurzen Besprechung
erschossen die Soldaten seinen Vater Enrico und seinen Bruder Angelo und warfen ihre Leichen
zusammen mit dem inzwischen toten Luigi in die Hütte, die in der Zwischenzeit in Brand gesteckt
worden war. Die Vergeltungsaktion der Deutschen war jedoch noch nicht beendet, da die deutsche
Kommandantur den SS und der Legioni Muti eine neue Attacke auf Robecco befohlen hatte Am
folgenden Tag, um 10.30, kehrten die Deutschen und die Faschisten mit Verstärkung ins Dorf
zurück, verteilten Maschinengewehre auf dem Kirchplatz und an allen Zugängen und zwangen alle
Männer des Dorfes dazu, zum Hauptplatz zu kommen. Daraufhin teilten sie sie in zwei Gruppen; in
einer Gruppe die Alten, in der anderen diejenigen, die sie für arbeitstauglich hielten. Nach einigen
Stunden, als schon mehrere Häuser in Brand gesteckt worden waren, verkündete der deutsche
Anführer des Strafkommandos sein Urteil und fünf Bürger (Castellari Giovanni, Locatelli Mario,
Pellegatta Ermanno, Pellegatta Luigi e Staurengo Angelo) wurden von einem
Erschießungskommando exekutiert. Weitere sechzig Bürger wurden aber auf einen LKW geladen
und deportiert. Zunächst kamen sie in das Lager in San Vittore, und dann, am 9. August, wurden
sie ins Konzentrationslager von Kahla Weimar geschickt. Dort mussten sie die Stollen ausheben in
langen Arbeitsschichten von 12 Stunden, und bekamen dafür eine Schüsselchen Suppe und ein
Stück Brot. Aufgrund des Mangels und der ihnen zugefügten Gewalt kamen neun von ihnen nicht
mehr zurück. Unter den Deportierten war auch ich.
2. Beschreiben Sie bitte den Transport von Italien nach Kahla. Können Sie sich an
Zwischenstopps während der Reise erinnern? Wie waren die Transportbedingungen?
Am Abend des 21. Juli wurden wir nach Mailand gebracht, in das Gefängnis von San
Vittore und dort blieben wir 20 Tage lang. Am 9. Augut verließen wir Mailand (Scalo
Farini) in einem Viehtransport in Richtung Deutschland. In jedem Waggon befanden
sich 25 personen unter Überwachung eines bewaffneten deutschen Soldaten. In den
Waggons gab es nur etwas Stroh zum Schlafen. Wir hatten einen Beutel mit Brot, den
uns unsere Verwandten in Mailand am Tag unserer Abreise mitgegeben hatten. Dann
hielten wir vor dem Brenner, zwischen Bolzano und Bressanone (Brixen, Anm. I.S.). Sie
ließen uns in der Nähe einer Obstplantage aussteigen, damit wir uns erleichtern konnten.
Zwei meiner Mitgefangenen, Cereghini, und ein anderer, der nicht aus Robecco kam,
konnten fliehen. Als unser deutscher Bewacher das bemerkte, begann er wie verrückt in
den Obstgarten zu schießen. Ein weiterer Halt kam nach München. Wir kamen nachts in
Nürnberg an, während einer Bombardierung, wir waren im Dunkeln in den Waggons
eingeschlossen. Nach vier Tagen, gegen Abend, kamen wir nach Weimar. Zum ersten
Mal gaben sie uns ein Abendessen: Suppe und Brot; wir schliefen auf Pritschen. tags
darauf wurden wir nach Kahla gebracht. Das Arbeitslager hieß "Rosengarten".
3. Erinnern Sie sich, wann Sie nach Kahla gekommen sind und in welchem Lager der
REIHMAG sie zuerst untergebracht wurden? Wurden Sie später in ein anderes Lager
gebracht?
Anfangs waren wir in einer Garage für Busse untergebracht. Wir waren 133
Personen und blieben 40 Tage lang dort. Dann brachten sie uns 3 km von Kahla
entfernt in das Lager von Reiseneck in ein Gebäude, das vielleicht einmal ein Theater
gewesen war, denn ich erinnere mich an Kulissen, die auf die Wand gemalt waren.
Das Gebäude befand sich neben einer Brauerei.
Als ich 1977 zusammen mit einigen Mitgefangenen wieder dorthin kam, habe ich
diesen Ort wiedergesehen; die ehemalige Schlafstätte war nun ein Bierlokal.
4. Wie war der Zustand der Unterbringung im Lager? Gab es Decken und Kohle oder Holz
zum Heizen? Und wenn es welches gab, war es genug?
Unsere Feldbetten waren Stockbetten, vier übereinander, es gab einen Strohsack zum
Schlafen und wir hatte eine Decke. Ich erinnere mich, dass wir völlig verlaust waren.
In der Baracke gab es in einer Ecke einen Ofen, aber er wurde fast nie eingeheizt. Wir
schliefen in der Kälte. Draußen, neben der Baracke, gab es eine große Tonne, in die
wir Holz legten und Feuer machten, um uns zu wärmen und etwas zu kochen, zum
Beispiel Kartoffelschalen, die wir in den Abfällen der Deutschen fanden. Zum
Kochen stellten wir einen Eimer Wasser aufs Feuer mit Kartoffelschalen und Resten
von roten Rüben.
5. Wurden Decken oder Kleidungsstücke an die Gefangenen verteilt, und wenn ja, in
welchem Zustand waren diese? Gab es die Möglichkeit, die eigenen Kleider zu waschen?
Wir hatten nur unsere eigene Kleidung. Ab und zu wurde desinfiziert, dann wurden
auch die Kleider desinfiziert. Um uns vor der Kälte zu schützen trugen wir
Zementsäcke, in die wir Löcher hineingeschnitten hatten für Kopf und Arme.
darüber zogen wir unsere Kleider.
6. Erinnern Sie sich an die Art der Verpflegung, die im Lager verteilt wurde? Wie groß war
die tägliche Ration ungefähr? Änderte sich diese Menge im Laufe der Zeit?
Anfangs und etwa zwei Monate lang verteilten sie jeden Tag einen Laib Brot von 1,5
Kg, der durch drei geteilt wurde. Wir schnitten das Brot sehr aufmerksam, damit alle
Teile gleich wurden. Wir aßen einmal am Tag. Wir bekamen jeden Tag eine Suppe
aus Kohl und Kartoffeln, manchmal auch ein Stückchen Butter oder Margarine oder
ein Löffelchen Zucker oder Marmelade. Die Tagesration wurde geringer im Lauf der
Zeit: der gleiche Laib Brot zu 1,2 Kg musste durch acht geteilt werden.
7. Wann begann die Arbeit und wann war sie zuende? Gab es Appelle morgens und abends
und was geschah dabei?
Die Appelle waren jeden Morgen und Abend im Hof, bei jedem Wetter. Manchmal
bemerkte man, dass jemand beim Morgenappell fehlte, und fand ihn dann auf seiner
Pritsche, tot.
Geweckt wurden wir morgens um fünf. Um sechs marschierten wir los, in Reih und
Glied, und gingen etwa 4km zu Fuß zur Arbeit. Wir gruben an einem Stollen und
arbeiteten 12h täglich, in Schichten. Die erste Schicht begann um 7.00 und endete um
18.00; die zweite Schicht begann um 18.00 und endete um 7.00 des nächsten Tages.
Wir arbeiteten 2 Wochen in der einen Schicht, dann zwei Wochen in der anderen.
Während der Arbeitszeit wurde nicht gegessen. Ich erinnere mich, dass die Wachen
um Mitternacht zum Essen gingen und wir die Zeit nutzten, um kleine
Tauschgeschäfte zu machen, z.B. ein Stückchen Brot gegen eine Zigarette. Es
arbeiteten mehr als 13.000 Personen in den Stollen..
8. Ging man in überwachten Kolonnen zur Arbeit? Wendeten die Wachen Gewalt an?
Ja, wir waren immer bewacht. Wir gingen in Kolonnen zur Arbeit. Gewalt wurde
selten angewendet.
9. Gab es Ruhetage? Wurden Feiertage eingehalten?
Anfangs, in den ersten drei oder vier Monaten, hatten wir jeden dritten Sonntag frei.
An Ostern und Weihnachten wurde nicht gearbeitet. Ich erinnere mich, dass wir am
Hl. Abend zusätzlich zu unserer Ration noch etwas bekamen: Pudding, eine Scheibe
Gänsesalami und Marmelade.
10. Inwieweit wurden die Arbeiten überwacht? Gab es jemanden, der die Arbeiter antrieb?
Gab es Arbeitspläne? Und was geschah, wenn diese nicht eingehalten wurden?
Die Arbeit wurde täglich von deutschen Wachen kontrolliert. Die Gefangenen
wurden angetrieben, den Tagesplan zu erfüllen, der darin bestand, die Wand des
Stollens mit Dynamit zu sprengen und dann 125 Wagen mit Erde und Steinen pro
Schicht hinauszuschaffen. Der Schichtplan musste unbedingt eingehalten werden: es
gab eine sehr strenge deutsche Wache, der uns für nichts und wieder nichts prügelte,
mit einer Schaufel, und uns mit Fußtritten traktierte. Alle nannten ihn "das wilde
Tier".
11. I lavoratori hanno ricevuto degli abiti con protezione contro gli infortuni (caschi, guanti,
stivali, ecc.)? Il lavoro era sicuro? Sono successi degli incidenti?
Wir waren überhaupt nicht geschützt. Manchmal wurde jemand beim Ausheben der
Stollen verletzt oder unter Geröll begraben. Eines Tages gab es einen Einbruch im
Tunnel und Filippo Alemanni wurde am Kopf verletzt, aber niemand konnte sich als
verletzt melden, denn sonst hätte er nicht die täglich Essensration bekommen.
12. Le guardie del lager erano costituite esclusivamente da tedeschi o vi erano anche delle
guardie straniere (fiamminghi, belgi o altri)? In caso di risposta affermativa, può dire di
quale nazionalità erano? Le guardie straniere tenevano un comportamento diverso dai
tedeschi?
Die Wachen waren nur Deutsche. Ihr Vorgesetzter wurde "Führer" genannt.
13. Per i prigionieri era possibile uscire dal lager? Fino a che punto c’erano dei controlli?
Qual era la nazionalità dei guardiani e come si comportavano con i prigionieri?
Man konnte nur mit einer Genehmigung das Lager verlassen. Die Kontrollen waren
streng, die Wachen alle Deutsche.
Manche Frauen, die in der Nähe des Lagers lebten, und deren Männer im Krieg
waren, baten die zuständigen Deutschen um ein paar Arbeitskräfte, die ihnen beim
Holzhacken oder der Kartoffel- und Rübenernte halfen. Einige von uns wurden zum
Helfen geschickt. An diesen Tagen gaben uns die Frauen gut zu Essen und so gaben
wir unsere Essenration an die Kameraden aus unserer Stadt. Die Arbeit an diesen
Tagen wurde jedoch nicht bezahlt.
14. Era in contatto con internati di altre nazionalità, ad esempio al lavoro? Quale era
l’impressione che aveva di loro?
Es gab Russen, Franzosen, Polen, Belgier, ecc. Wir arbeiteten zusammen und hielten
auch solidarisch zusammen.
15. Aveva l’impressione che certi gruppi d’internati venissero trattati peggio o meglio di altri?
Vielleicht wurden die Franzosen besser behandelt.
16. Pagavano un salario e, in caso di risposta affermativa, era sufficiente per comprarsi
qualcosa?
Alle 14 Tage bekamen wir einen Lohn bezahlt, der ausreichte für einen Laib Brot
oder zwei bis drei Zigaretten.
17. Esisteva uno scambio di merce fra gli internati e fra gli internati e la popolazione civile?
In caso di risposta affermativa, che cosa e come si scambiava?
Es gab keinerlei Warenaustausch zwischen den Gefangenen und der Bevölkerung.
Innerhalb der Gefangenen gab es einen kleinen Tauschmarkt. Dieser fand während
der Nachtschicht statt, um Mitternacht, wenn die Wachen zum Essen gingen. Dann
tauschten wir Essen, Zigaretten und manchmal Kleidungsstücke.
18. Quale era in generale la reazione dei civili tedeschi al fatto che vi fossero presenti degli
internati (piuttosto l’indifferenza o l’ostilità)?
Ich denke, sie tolerierten uns. Manche alten Frauen baten uns um Hilfe bei der
Feldarbeit und gaben uns dafür zu Essen. Sie hatten Angst, sich durch den Kontakt
zu den Gefangenen zu kompromittieren und hielten daher die Beziehung auf Distanz.
Einer von uns, Sangalli Italo (von Beruf Schneider), konnte die schwere Arbeit nicht
mehr machen, da er einen Leistenbruch (oder Bandscheibenvorfall? nicht eindeutig,
I.S.) hatte. Er wurde zu einer Familie geschickt für Schneiderarbeiten; er nähte
Uniformen für die Soldaten und die Wachen. Dieser wohnte und aß bei dieser
Familie.
19. Ha visto maltrattamenti o persone uccise? Chi erano le vittime e chi i colpevoli?
Ja, einer aus unserer Stadt, Lissandrin Gerardo wurde getötet, weil bei einer
Durchsuchung ein Klappmesser bei ihm gefunden wurde. Diese Messer hatte er ein
paar Tage zuvor auf dem Schwarzmarkt eingetauscht und er benützte es, um Brot zu
schneiden. Er wurde mit ebendiesem Messer getötet, damit alle sehen konnten,
welche Strafen ihnen blühten.
Ich erinnere mich, dass eines Tages ein uns nicht bekannter Deportierter derart
verprügelt wurde, dass er nicht mehr laufen konnte. Die Wachen ließen uns in der
Nähe unserer Baracke deponieren. Ein deutscher Wachhabender stieg auf seinen
Brustkorb und hüpfte so lange auf ihn, bis der Ärmste starb. Vom Eingang einer
Kneipe lachte eine junge Frau. Auch andere Deutsche ringsum amüsierten sich über
die Szene.
Es kamen regelmäßig Nazis in die Lager mit Pistolen und bedrohten uns mit dem Tod.
Sie schüchterten uns ein, um Komplotte oder Aufstände seitens der Gefangenen zu
unterbinden.
20. Per quali reati e come si punivano i prigionieri? Sa qualcosa sui campi penitenziali? (per
es. Il “Lager 0”) Può descrivere questo lager e quello che vi succedeva ?
Man wurde für den Besitz von Messern oder von jedem anderen Werkzeug, das als
Waffe dienen konnte, bestraft. Ebenfalls wenn man versuchte, Kartoffeln au den
umliegenden Feldern zu stehlen oder wenn man den Anordnungen nicht gehorchte
(auch wenn jemand zu schwach war, um zu gehorchen).
Cavallazzi Mario war eines Tages derart ausgehungert, dass es die Kolonne verließ,
um von einer Frau ein Stück Brot in Empfang zu nehmen. Er wurde geschlagen und
durfte nicht schlafen. Nach der Schicht von 12h musste er weitere 12h die Toiletten
und die Baracke putzen. Diese Strafe sollte drei Tage dauern, er hielt aber nur zwei
Tage lang durch, am dritten Tag brach er vor Erschöpfung zusammen. Während der
Arbeit versteckte er sich in einem dunklen Winkel, aber der Wachhabende bemerkte
es, suchte ihn und entdeckte ihn. Daraufhin schlug er mit der Schaufel auf ihn ein.
Man trug ihn, schon im Sterben, in die Baracke zurück, aber er überlebte nicht.
Ich erinnere mich auch, dass eines Tages im Stollen der Alarm klingelte, weil das
Licht ausgegangen war. Filippo Alemanni nutzte die Gelegenheit um auf der Suche
nach Essen hinauszuschlüpfen, aber er wurde entdeckt. Er wurde blutig geschlagen
und in einen Käfig mit einigen Hunden gesperrt. Um zu Essen musste er mit den
Hunden um ihr Futter kämpfen. Er wurde ständig gebissen. Als man ihn in die
Baracke zurückbrachte, zeigte er bereits Anzeichen von geistiger Umnachtung.
21. Come si comportavano i capomastri tedeschi ed i lavoratori tedeschi con i prigionieri?
Die Meister gaben Befehle und wollten, dass sie sofort ausführt wurden, egal, wie
der Zustand des Gefangenen war. Sie wendeten auch Gewalt an, damit ihre
Anordnungen befolgt wurden.
22. C’erano dei tedeschi che trattavano bene i prigionieri e che prestavano loro aiuto?
Es gab einen Deutschen, einen Zimmermann, der uns jeden Tag Mut machte
durchzuhalten und sagte, dass Befreiung durch die Russen nahe sei. Er sagte: "Haltet
durch, bald seid ihr frei." Er war der einzige, der uns Mut machte und uns
Nachrichten über den Krieg mitteilte.
23. Aveva l’impressione che vi fosse un sentimento di solidarietà fra gli internati? Vi era il
pericolo di essere denunciati da altri internati?
Unter uns Internierten halfen wir uns gegenseitig, so weit das möglich war. Wenn wir
etwas zu Essen ergattern konnten, teilten wir es mit den Barackennachbarn. Ich
glaube nicht, dass es unter den Gefangenen Spione gab. Wir waren alle in der
gleichen Lage und versuchten uns gegenseitig zu helfen.
24. Vi erano tentativi di fuga da alcuni internati? Come venivano puniti i rifugiati?
Von den Leuten aus meiner Baracke hat niemand versucht zu fliehen.
25. Vi erano tentativi di reclutare degli internati per i fascisti italiani, le guardie o altri gruppi
da parte dei tedeschi?
Nein, nicht dass ich wüsste.
26. Ha avuto contatti con giovani tedeschi, forse in uniforme (i cosiddetti “Giovani di Hitler”,
la Hitlerjugend), durante il lavoro o al di fuori del lavoro? E se sì, come si comportavano
questi ragazzi?
Eines Tages hatten wir mehr Hunger gelitten als sonst und Luigi Magna und ich
gingen gegen Abend heimlich zu einer alten Frau, die in der Nähe des Lagers wohnte,
um etwas Brot oder ein paar Kartoffeln zu bekommen. Die Dame war gewöhnlich
sehr hilfsbereit, aber an diesem Abend verjagte sie uns jedoch, und sagte, sie sei von
Polizisten gerügt worden. Beim Verlassen des Hauses sahen wir in der Tonne im Hof
einige Rote Rüben und nahmen ein paar. Dann gingen wir zum Tor hinaus und
wurden von ein paar Hitlerjungen von ca. 15 oder 16 Jahren mit einem Schlagstock
attackiert und schlimm geschlagen.
27. Si ricorda com’era l’assistenza medica? Che cosa sa sugli ospedali da campo del lager?
Eines Tages kam ich mit hohem Fieber von der Arbeit und es wurde Typhus
diagnostiziert. Ich kam etwa 2 Monate ins Lazarett (vom 25. Januar bis zum 19. März)
und wurde mit Injectionen und Tabletten versorgt.
Siehe Krankenlisten
28. Quanto alta era la mortalità nei lager? Sa dove seppellivano i morti?
Es starben etwa 20-25 Personen pro Tag in den sieben Lagern rings um Kahla.
Morgens kam ein Lastwagen vorbei und die Toten wurden wie Baumstämme
verladen. Ich weiß nicht, wo sie begraben wurden.
29. Era nel lager insieme a vicini di casa o conoscenti? In caso di risposta affermativa, quanti
di loro sono sopravvissuti a questo trattamento disumano?
Wir waren 35 aus dem gleichen Dorf. Neun starben im Lager.
30. Che cosa è successo nel Suo lager nelle ultime settimane di guerra?
Man konnte bemerken, dass sich etwas änderte. Die Kontrollen waren nicht mehr
so streng und an einigen Tagen brachten sie uns nicht zur Arbeit. Eines Morgens
weckten sie uns und sagten, wir sollten möglichst wenig mitnehmen, da uns ein
langer, mühsamer Marsch bevorstünde. Wir gingen ein Stück und hielten für eine
kurze Pause. Müde wie wir waren, schliefen wir ein. Als wir aufwachten, waren die
Deutschen verschwunden.
31. Si ricorda del fatto che i tedeschi cacciassero alcuni degli internati dal lager con forza
poco prima della liberazione? Faceva per caso parte di questi internati? Come si è svolta
questa azione?
Nicht dass ich wüsste.
32. Si ricorda di avvenimenti particolari nel lager (visite di persone importanti,
bombardamenti, decollo di un aereo dalla pista)? Li può descrivere?
Ja, einmal kam Hermann Goering zu Besuch. Dafür ließen sie uns Tannen entlang
einer Strasse pflanzen und eine Hügelspitze planieren, denn sie sollte eine Startbahn
V1 und V2 werden.
Wir gruben Stollen aus, die ca. 40 km lang waren. Dort wurden Maschinen für die
Waffenproduktion aufgestellt. Die Waffenindustrie wurde in den Stollen aufgebaut,
wo sie vor Bombardierungen geschützt waren.
33. Aveva la possibilità di rimanere in contatto con la Sua famiglia con pacchi e lettere? Sa
se le lettere ed i pacchi subivano dei controlli e venivano eventualmente derubati?
Die Briefe wurden zum Teil zensiert, die Pakete wurden kontrolliert und nicht
immer fanden wir alles darin, was uns unsere Verwandten geschickt hatte. Von
etwa 15 Paketen, die meine Eltern geschickt hatten, erhielt ich nur fünf.
34. Come si è svolta la Sua liberazione? Quale era il Suo stato di salute a questo punto?
Die Befreiung kam am 11. April 1945, als wir keine Deutschen mehr sahen und
verstanden, dass wir frei waren. In Gruppen marschierten wir los in Richtung
München, mit Mitteln des Zufalls, und bettelten in den Häusern um Essen. Auf den
Schultern hatten wir einen Stab mit einem Beutel, der eine Decke enthielt. Unser
Gesundheitszustand war prekär.
Quali erano le condizioni dopo la liberazione ad opera degli americani e come si
comportarono i civili tedeschi?
Einige der Leute aus meinem Dorf waren sehr schwach und konnten nicht mehr
weiter laufen. Sie blieben stehen. Einige Tage später kamen amerikanische Soldaten
und gaben ihnen Brot, Dosenfleisch, Butter, Schokolade, Tee, Kekse, Marmelade
und Zigaretten. Sie aßen gierig.
Die deutschen Zivilisten waren zunächst ängstlich, weil sie sich nicht
kompromittieren wollten, dann aber versuchten sie, uns zu helfen.
Rossi Oreste ging in ein Haus, um um etwas Brot zu bitten, eine Frau verjagte ihn
unfreundlich, aber als er nur wenige Schritte entfernt war, rief sie ihn zurück und
gab ihm etwas zu Essen. Im Haus war ein junger Soldat noch in Uniform, ihr Sohn,
und er hatte die Mutter überzeugt, keine Angst zu haben.
35. È venuto a sapere se delle ex-guardie o altre persone sono state arrestate dopo l’avvento
degli americani?
Ich weiß von nichts.
36. Quando è tornato in Italia?
Ich kehrte am 5. Mai 1945 zu Fuß und einigen zufälligen Verkehrsmitteln nach Hause
zurück. Ich war mehr als tausend Kilometer zu Fuß gegangen. Auch meine Kameraden
kamen an den folgenden Tagen nach Hause: wir hatten uns in Gruppen aufgeteilt und hatten
unterschiedliche Straßen eingeschlagen.
Herr Maltagliati Giovanni dankt Ihnen herzlich ud freut sich, dass ein junger Deutscher wie
Sie sich für sein Schicksal im Konzentrationslager interessiert. Er sagt, er habe dadurch die
Möglichkeit gehabt, sich an diese Tage zu erinnern und ein schriftliches Zeugnis zu
hinterlassen. Er grüßt Sie herzlich.
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett_ocr.pdf