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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Francois Muylaert

Befragungsprotokoll über Verhaftung, Lager, Zwangsarbeit und Krankenstation.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Francois Muylaert
Rolle
Zwangsarbeiter
Ort
Kahla
Zeitraum
1944
Herkunft
Belgien

Überlieferung und Kontext

Mündlicher Befragungsprozess 3. Juni 1949 ist vor uns erschienen Guillaume P., Staatskommissar, assistiert von Herrn Joseph Offermanns, Protokollführer. Der unten Benannte erklärt uns Folgendes: Francois MUYLAERT, geb. am 22.7.1918 in Molenbeck St. Jean, wohnhaft in Molenbeck, 119, Rue des Quatre Vents. Ich wurde am 3. Mai 1944 als Widerständler festgenommen und in Louvain für einige Tage interniert. Dank des Eingreifens des Polizeibeamten Cuvelier, an den ich 7000 Francs bezahlt hatte, wurde ich provisorisch freigelassen. Ich wurde ein zweites Mal am 4.8. gefangen genommen und am 8.8. in das Lager von Kahla geschickt. Ich war Teil des ersten Konvois, der in dieses Lager ging. Bei unserer Ankunft hatte das Lager nur 2 Baracken, der Rest war gerade im Aufbau begriffen. Es gab keine Stacheldrahtzäune, diese wurden 3 Monate später errichtet. Anfangs gab es bewaffnete Zivilwachen, die später durch Sa-Männer des Volksturms, belgische SS, ersetzt wurden. Der erste Konvoi enthielt Belgier und Franzosen. Man ließ uns eine Rede hören, die von Mr. Lints übersetzt und in der uns gesagt wurde, dass wir für 3 Monate bestraft würden und wir daraufhin ein anderes Regime haben werden. Wir erhielten einen Ausweis, der uns praktisch zu nichts diente. Nach einiger Zeit konnte einige sonntags rausgehen und sich in einem Umkreis von 2 bis 3 km aufhalten. Was mich betrifft, ich bin niemals raus gegangen, um mir die Sorgen zu ersparen, und aufgrund der Müdigkeit, die aus der Zwangsarbeit resultierte. Ich war mehrere Male auf der Krankenstation des Lagers, die in letzter Instanz von einem belgischen Arzt namens De Bruyn geleitet wurde. Ich habe mich über ihn nicht beklagen können, obwohl die Versorgung vollkommen nutzlos war. Ich wurde 2 Tage lang in den Bunker geschickt, weil ich Feuer gemacht habe. S. 22 Die Bestrafungen fanden generell in Lager 0 statt. Ich habe die letzten 2 Monate, März und April, auf der Krankenstation des Lagers verbracht und einige Tage vor der Befreiung des Lagers im Krankenhaus in Hummelschein, das in einem Schloss, einige Kilometer vom Lager entfernt, eingerichtet war. Das Lager E von Kahla lag in einem Tal am Rand eines kleinen Baches, 1 oder 2 km vom Berg entfernt, wo eine unterirdische Fabrik war. Das Lager bestand aus etwa 15 Baracken. Ich nenne Ihnen als Zeugen: Mr. Lints, der der Übersetzer des Arztes war, Herr Vaes, der im Büro des Lagers arbeitete, Herr Presper Troch, Rue des Etangs noirs in Brüssel, Herr Léon van den Bossche, wohnhaft in Rue de Nivenu in Brüssel, Herr Joseph Deceoler, verstorben, wohnhaft Avenue Jean de Brug. Ich versichere eidesstattlich, dass die vorliegenden Aussagen wahrheitsgemäß und vollständig sind. S. 23

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett_ocr.pdf