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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Boguslaw Michalski

Fragebogenbericht über Deportation, Lager und Zwangsarbeit.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Boguslaw Michalski
Rolle
Zwangsarbeiter
Ort
Bibra
Zeitraum
1944
Herkunft
Polen

Überlieferung und Kontext

• Michalski, Bogusław, Fragebogen vermittelt von der Fundacja "Polsko-Niemieckie Pojednanie" [Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“]. Bogusław Michalski I. Vor der Deportation 1. Wann wurden Sie geboren und wer gehörte zu Ihrer Familie? Ich wurde am 21.03.1927 geboren. Zu meiner Familie gehörten meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester. II. Deportation 2. Wann und unter welchen Umständen sind Sie Zwangsarbeiter geworden? Ich wurde durch deutsche Bahnpolizei 1943 in Mołodeczno (heute Weißrussland) verhaftet und ich wurde zu SD übergeben. 3. Wie sah der Transport nach Kahla aus? Welche Bedingungen herrschten während des Transportes? Wir wurden mit einem Viehwagen erst von Mołodeczno nach Frankfurt am Main, dann nach Kassel, Essen und nach Kahla ohne Essen und Trinken transportiert. III. Ankunft in Kahla und im Arbeitslager REIMAHG 4. Können Sie sich erinnern, in welches Lager Sie zuerst gekommen sind? Wurden Sie weiter transportiert? Ich war erst halbes Jahr in Gumperda. In altem Kino schliefen ca. 250 Menschen auf Stroh. Danach wurden ca. 2500 Menschen ins Lager in Bibra transportiert, in dem wir Stubenarrest für Sicherungsfabrik bauten. 5. Welche Unterkunft gab es im Lager? Wie war die Unterkunft? Es gab Hochbetten mit Stroh. Wasser gab es draußen. Die Baracken waren alt. 6. Gab es in der Baracke genügend Brennmaterial, Decken und andere Sachen? In welchem Zustand waren diese? Brennmaterial sammelten wir selbst. Eine Decke und ein Kissen mit Stroh gefüllt. 7. Welche Nahrung gab es im Lager? War das Essen abwechslungsreich? Wie und wann wurde das Essen verteilt? 300 Gramm Brot täglich plus Malzkaffee plus einen Esslöffel Zucker für ganze Woche plus ein Liter Suppe zum Mittag. Die Nahrung war immer gleich. IV. Zwangsarbeiter in der REIMAHG 8. Wann und wie begann Ihr Tag? Wie lange brauchten Sie bis zur Arbeitsstelle? Wie sah der Früh- und Abendappell aus? Es gab keine Appelle, nur Versammlung vor der Arbeit. Die Arbeit war vom 6 Uhr am Morgen bis 18 Uhr (in zwei Schichten). Der Weg zur Arbeit dauerte 30 Minuten. 9. Zu welcher Abteilung bei REIMAHG gehörten Sie? Änderten sich in dieser Zeit die Aufgaben? Die Arbeit hieß einen Tunnel in einem Berg graben. Das war immer gleiche Arbeit bis der Tunnel fertig war. 10. Wie stark war der mit der Arbeit verbundene Stress bzw. Druck? Der Stress war sehr groß. Meine Arbeit wurde immer durch einen Meister und einen Wachmann kontrolliert. 11. Welchen Eindruck machten die deutschen bzw. ausländischen Brigadiere? Wie behandelten die ausländischen Vorarbeiter die Zwangsarbeiter aus dem eigenem Land? Die Brigadiere waren Deutsche, die ca. 70 Jahre alt waren und relativ gut zu uns waren. 12. Welche Entlohnung bekamen Sie? Konnten Sie etwas dafür kaufen? Es gab kein Lohn. V. Alltag im Lager 13. Konnten die Zwangsarbeiter persönlichen Kontakt zu den anderen Gefangenen haben? Konnten Sie sich frei bewegen? Es gab keinen Kontakt miteinander. Wir durften uns nur innerhalb von Lagergelände bewegen, weil das umzäunte und kontrolliert war. 14. Haben Sie bemerkt, dass manche Gruppen von Zwangsarbeitern besser behandelt wurden als andere? Alle wurden gleich behandelt. VI. Verhalten von Vorarbeitern, Amtsträgern und Zivilpersonen. 15. Erinnern Sie sich an die Wachleute bzw. Wärter? Welche Nationalitäten hatten sie? Wie haben sie sich verhalten? Ich erinnere mich an die Wachleute und Wärter. Die Wärter waren die Ukrainer, die pochodzenia aus Deutschland und die Wachleute waren die Deutschen. 16. Gab es im Lager Denunziationsgefahr von Seiten der anderen Zwangsarbeiter? Es gab keine Denunziationsgefahr. 17. Waren Sie Zeuge von Misshandlungen bzw. eines Mordes? Erinnern Sie sich an Opfer? Wer waren die Täter? Ich war ein Zeuge von Misshandlungen und ich weiß von einigen Morden, aber ich sah nichts. Ich erinnere mich an Opfer. Die Täter waren SS-Soldaten. 18. Wie haben sich die deutschen Vorarbeiter und Arbeiter Ihnen gegenüber benommen? Die deutschen Arbeiter und Vorarbeiter verhielten sich gut uns gegenüber. 19. Hatten Sie Kontakt zu Zivilpersonen? Wie benahmen sie sich? Gab es Tauschhandel mit der Außenwelt? Einzigen Kontakt zu Zivilpersonen hatten wir auf dem Weg zur Arbeit. Sie bewarfen uns mit dem Tierkot und beschimpfen uns. 20. Gab es Ausbrüche aus dem Lager? Welche Strafen gab es dafür? Ich weiß nichts von Ausbrüchen. VII. Gesundheitsfürsorge und Todesfälle 21. Was passierte im Fall von Krankheit bzw. Körperverletzung? Welche Erfahrungen haben Sie mit der Gesundheitsfürsorge gemacht, besonders mit dem Krankenhaus? Ich hatte keine Gesundheitsfürsorge im Lager. 22. Wissen Sie etwas über Todesfälle im Lager? Es gab Todesfälle. Ich weiß nicht, was sie mit Leichen weiter machten. Ich verlor weder einen Freund noch jemandem aus meiner Familie nicht. VIII. Befreiung 23. Haben die Deutschen Sie in den letzten Kriegstagen aus dem Lager evakuiert? Wenn ja, wie sahen die Marschumstände aus? Ein Monat vor die Kriegende wurde unsere Fabrik bombardiert und wir wurden evakuiert. Marschumstände waren furchtbar: Menschen schleppten Ackerwagens mit Unterlagen und Nahrung. 24. Wo wurden Sie befreit? In welchem körperlichen Zustand waren Sie damals? Wir wurden in der Nähe von Wajda durch den Amerikanern befreit. IX. Rückkehr in die Heimat 25. Wann kamen Sie nach Polen zurück? Rückkehr in die Heimat im Juni 1945 (Nowowilwjka). 26. Welche Fragen waren für Sie wichtig. Möchten Sie noch etwas dazu sagen? Alle Fragen waren wichtig und schwer. Mein Aufenthalt im Lager war ein Albtraum. Ich glaubte nie, dass ich nach Hause zurück komme.

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett_ocr.pdf