Zeitzeugnis
Boguslaw Michalski – Bibra
Gestapohaft nach Weimar, ehe die Familie sie dort freibekommen konnte. Danilo kam später nach Drackendorf, nach dem Krieg arbeitete er als Dolmetscher für die Rote Armee und kam mehrfach mit Offizieren zur Jagd, vor den sich die Werthers etwas fürchteten, es kam jedoch ihrer Aussage nie zu Zwischenfällen. Frau Werther weiß nicht mehr, wie viele Ausländer der REIMAHG im Ort zur Arbeit eingesetzt wurden (für ihren Hof wurde zu den zwei Nicht-REIMAHG-Leuten später noch in seiner „Freizeit“ V. Kibkalo abgestellt). Ihre Mutter verbarg später in den letzten Tagen des Krieges Herrn Kibkalo und seine Familie (Eltern und Schwester) auf ihrem Hof. Sie glaubt sich zu erinnern dass die Mutter von V.K. Sehr krank war und möglicherweise verstarb. Die Schwester, die sie Schurka nannten, hätte ein oder mehrere Kinder gehabt, aber die seien während des Transportes nach Deutschland herausgeholt und umgebracht (?), sie hätte deshalb psychische Probleme gehabt wenn sie Kinder sah. ( Anmerkung: Sie äußerte die Vermutung, der Vater des/ der Kinder habe vielleicht für die Deutschen gekämpft – dies ist aber nur eine Vermutung, es ist nicht auszuschließen, auch die Familien von Kollaborateuren waren vor dem deutschen Terror keineswegs sicher. Diese Dinge wie auch der eventuelle Tod seiner Mutter wurden seitens Herrn Kibkalos nicht angesprochen, deshalb bin ich mir unsicher, ob sie so stimmen, denn ich halte es für unwahrscheinlich, dass er sie verschwiegen hätte (einen eventuelle Dienst des Mannes/ Geliebten seiner Schwester für die Deutschen vielleicht, aber den Tod ihrer Kinder oder seiner Mutter?). M.B. Nach ihrer Beschreibung lebte man nach dem Krieg recht gut miteinander, so lange die Kibkalos untergebracht waren auf ihrem Hof. Ein Onkel von V.K. Habe mit einer Pfarrersfrau zusammengelebt. Die Amerikaner waren in Dienstädt mit einer Truppe präsent, man hatte Angst vor ihnen, doch Zwischenfälle blieben aus. Nach der Befreiung haben zum Teil die ehemaligen polnischen Gefangenen geplündert – sie durchsuchten die Häuser (sie hätten in ihrem Haus Fotoapparat und ihre Uhr mitgenommen u.ä.). Sie fällten teilweise die Kirschbäume und aßen die Früchte. In Dienststädt wurde ihres Wissens der Ortsbauernführer verhaftet, aber wegen REIMAHG wohl keiner. Nach dem Krieg besichtigte sie mit einigen anderen Mädchen das Sauckel-Haus, das nach ihrer Erinnerung (und dem was man sich erzählte) sehr reich eingerichtet war. Soweit sie weiß wurde das alles von den Großeutersdorfern geplündert, die teilweise sogar mit Pferdegespannen zum Komplex hochfuhren um abzutransportieren was es gab. • Michalski, Bogusław, Fragebogen vermittelt von der Fundacja "Polsko-Niemieckie Pojednanie" [Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“]. Bogusław Michalski I. Vor der Deportation 1. Wann wurden Sie geboren und wer gehörte zu Ihrer Familie? Ich wurde am 21.03.1927 geboren. Zu meiner Familie gehörten meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester. II. Deportation 2. Wann und unter welchen Umständen sind Sie Zwangsarbeiter geworden? Ich wurde durch deutsche Bahnpolizei 1943 in Mołodeczno (heute Weißrussland) verhaftet und ich wurde zu SD übergeben. 3. Wie sah der Transport nach Kahla aus? Welche Bedingungen herrschten während des Transportes? Wir wurden mit einem Viehwagen erst von Mołodeczno nach Frankfurt am Main, dann nach Kassel, Essen und nach Kahla ohne Essen und Trinken transportiert. III. Ankunft in Kahla und im Arbeitslager REIMAHG 4. Können Sie sich erinnern, in welches Lager Sie zuerst gekommen sind? Wurden Sie weiter transportiert? Ich war erst halbes Jahr in Gumperda. In altem Kino schliefen ca. 250 Menschen auf Stroh. Danach wurden ca. 2500 Menschen ins Lager in Bibra transportiert, in dem wir Stubenarrest für Sicherungsfabrik bauten. 5. Welche Unterkunft gab es im Lager? Wie war die Unterkunft? Es gab Hochbetten mit Stroh. Wasser gab es draußen. Die Baracken waren alt. 6. Gab es in der Baracke genügend Brennmaterial, Decken und andere Sachen? In welchem Zustand waren diese? Brennmaterial sammelten wir selbst. Eine Decke und ein Kissen mit Stroh gefüllt. 1 7. Welche Nahrung gab es im Lager? War das Essen abwechslungsreich? Wie und wann wurde das Essen verteilt? 300 Gramm Brot täglich plus Malzkaffee plus einen Esslöffel Zucker für ganze Woche plus ein Liter Suppe zum Mittag. Die Nahrung war immer gleich. IV. Zwangsarbeiter in der REIMAHG 8. Wann und wie begann Ihr Tag? Wie lange brauchten Sie bis zur Arbeitsstelle? Wie sah der Früh- und Abendappell aus? Es gab keine Appelle, nur Versammlung vor der Arbeit. Die Arbeit war vom 6 Uhr am Morgen bis 18 Uhr (in zwei Schichten). Der Weg zur Arbeit dauerte 30 Minuten. 9. Zu welcher Abteilung bei REIMAHG gehörten Sie? Änderten sich in dieser Zeit die Aufgaben? Die Arbeit hieß einen Tunnel in einem Berg graben. Das war immer gleiche Arbeit bis der Tunnel fertig war. 10. Wie stark war der mit der Arbeit verbundene Stress bzw. Druck? Der Stress war sehr groß. Meine Arbeit wurde immer durch einen Meister und einen Wachmann kontrolliert. 11. Welchen Eindruck machten die deutschen bzw. ausländischen Brigadiere? Wie behandelten die ausländischen Vorarbeiter die Zwangsarbeiter aus dem eigenem Land? Die Brigadiere waren Deutsche, die ca. 70 Jahre alt waren und relativ gut zu uns waren. 12. Welche Entlohnung bekamen Sie? Konnten Sie etwas dafür kaufen? Es gab kein Lohn. V. Alltag im Lager 13. Konnten die Zwangsarbeiter persönlichen Kontakt zu den anderen Gefangenen haben? Konnten Sie sich frei bewegen? 2
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Boguslaw Michalski
- Rolle
- Zwangsarbeiter
- Ort
- Bibra
- Zeitraum
- 1944
Überlieferung und Kontext
Namen und Schlagwörter
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett_ocr.pdf