Zeitzeugnis
Zeitzeugenaussage Werner Dietzel
Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von Werner Dietzel.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Werner Dietzel
- Rolle
- Zeitzeuge
- Ort
- Kahla / Walpersberg
- Zeitraum
- 1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
- Herkunft
- Deutschland
Überlieferung und Kontext
Angaben Dietzel, Werner, Lendenstreichstraße 22, 07318 Saalfeld, 03671/641037
Er verweist auf Kreisjahrbuch Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 2000, S. 151 — 155 und des
Gemeindegeschichtsbuch
Telefonat 03.11.07
Nach seinem Kenntnisstand waren in der Landwirtschaft vor allem Franzosen im Einsatz, eventuell
eine oder einige wenige polnische Frauen. Von den Franzosen ist seines Wissens keiner gestorben,
die Toten auf dem Friedhof waren allesamt Insassen des REIMAHG-Lagers. Von ihnen liegen dort
mindestens 17 beerdigt (Foto), dazu kommen eventuell 1 bis 3 weitere, deren Kreuze nicht auf dem
Foto sind. Es sind allessamt Personen die im Lager Kaulsdorf verstarben und von ihren Kameraden
beerdigt wurden. Diese errichteten wohl auch die einfachen Holzkreuze und hielten jeweils eine
einfach religiöse Zeremonie ab, eine Trauerfeier — ohne fremde Geistliche. Die Polen trugen ein
gelbes Schild (Raute) mit dem P, die Ukrainer ein weißblaues mit der Aufschrift OST.
Er ist heute 74 und war damals 11 bis 12 Jahre
Telefonat am 07.11.07
Die Arbeit konnten sich außerhalb der Arbeit relativ frei bewegen. Sie gingen oft ins Dorf, um zu
betteln oder anderswie Essen zu bekommen - sie boten dafür an, Holz zu hacken und ähnliches,
doch nach seiner Erfahrung nahmen die Leute das kaum an, weil sie nicht wollten, dass sie mit
Arbeitern gesehen würden (Kontakte waren verboten), man gab den Arbeitern aber öfters etwas —
zum Beispiel legte man ein Stück Brot draußen hin. Die Arbeiter hatten auch etwas Geld, kauften
abernur selten etwas, einige interessierten sich für Veranstaltungen die es gab. Generell hatten sie
wenig Scheu vor den Deutschen oder ins Dorf zu gehen, insbesondere die Ukrainer seien recht
selbstbewußt gewesen. Nach seiner Erinnerung und Kenntnis wurden die Leute nicht regelmäßig
geschlagen, ein paar Mal sei aber jemand vom Dorfpolizisten abgeführt worden — unklar warum
und wozu. Die Arbeiter marschierten in Gruppen unter OT-Aufsicht, wobei die einfachen OT-Leute
keine Waffen hatten, die höheren Chargen hatten Pistolen, starke Bewachung gab es nicht. Es
waren eindeutig mehr Männer als Frauen, und die Männer waren in Baracken einquartiert. In der
der Schule waren zunächst Männer und Frauen, dann nur Frauen. An die genaue Zahl erinnert er
sich nicht, wohl 30 plus (Polinnen), wohl keine Frauen verstorben. Es gab junge Männer und
Frauen und alte Männer unter den Zwangsarbeitern, doch alle waren relativ im arbeitsfähigen Alter
— keine Kinder erinnerlich. Ihr Arbeitstag endete (im Winter) vermutlich um ca. 16/17 Uhr, früh
ging es noch vor 7 Uhr los (er betont auch die Deutschen hätten oft ähnlich lange gearbeitet),
Sonntag war offenbar frei. Die Arbeiter hätten üblicherweise Holzschuhe getragen (er gibt an, diese
seien auch in der Industrie verwendet worden, keine speziellen Zwangsarbeiterkleidung),
vermutlich einheitlich ausgeteilt (die Schuhe waren alle gleich — dunkles Leder mit dicker
Holzsohle). Was ihre übrige Kleidung anging, waren sie sehr unterschiedlich bekleidet — einige
ziemlich schlecht, andere vergleichsweise gut, einige wenige hatten im Winter wattierte Jacken oder
grobe Mäntel mit Leder außen und Fell innen, aber oft mit Rissen, die meisten hatten ganz normale
Kleidung.
Er vermutet, dass die Ukrainer Freiwillige gewesen seien könnten, eventuell auch ein Teil der
Polen.
Die Eintragungen im Gemeindebuch sind im Kern bereits zwischen 1975/80 entstanden.
Namen und Schlagwörter
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)