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Zeitzeugnis

Andre Cools – Walpersberg / Kahla

«Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» «Dann brachten uns die Deutschen nach Etterbeek, von wo aus wir in einem Passagierzug, in der dritten Klasse, abfuhren. In Schaerbeek hatten wir einen Unfall. Das endgültige Reiseziel war Kahla. » «Am 12. August erreichten wir Kahla. Begleitet von Soldaten liefen wir vom Bahnhof zum Lager E. Einen Teil unseres Gepäcks mussten wir mit uns nehmen; der Rest wurde später mit dem Laser gebracht. Wir waren glücklich; weil wir später hörten, dass die Gruppen, vor und nach uns, nach Tabak und Essen durchsucht wurden; sie konnten nur ihre Kleidung behalten.» «Als wir im Lager E ankamen, standen dort nur drei Baracken, in denen 1350 Männer Schutz finden mussten. Wir schliefen mit 54 anderen Männern in einem Raum; wir waren gezwungen unsere Koffer mit ins Bett zunehmen. Diejenigen, die keinen Platz fanden - die Mehrheit - schlief draußen.» «Ein Raum einer Baracke maß sechs bis acht Meter und beinhaltete zwölf Stockbetten. So konnten 24 Männer hier Platz finden. In dem Raum, in dem ich war als das Lager komplett errichtet wurde, bauten wir einen Schornstein aus Lehmerde. Dort war noch etwas Platz für einen, aber er stand noch nicht.» «Der 15. August war mein erster Arbeitstag. Am Morgen mussten wir nach Kleineutersdorf, um unsere Ausweise zu bekommen; am Nachmittag wurden wir zur Arbeit geschickt.» «Meine erste Aufgabe war es Fichten zu sägen, Erde zu ebnen und Baracken an der Stelle zu bauen wo später Lager 3 stehen sollte. Zu dieser Zeit arbeitete ich für die „Arbeitsgemeinschaft Jena". In diesen Tagen bekamen wir am Nachmittag nur eine Schüssel voll Suppe; aber das dauerte nur fünf Wochen.» «Im Dezember (um Weihnachten) war ich bei der Firma Keimbetonwerke zur Konstruktion großer Bunker, die unter einem Berg lagen, angestellt. Ich arbeitete dort bis Ende Februar.» «Mit Keimbeton verbinde ich, dass wir dort gezwungen waren 36 Stunden am Stück Beton zu gießen; Sauckel kam und die Arbeit musste gemacht werden. Unsere Schicht arbeitete von 7 bis 19 Uhr, von 19 bis 7 Uhr und von 7 bis 19 Uhr. Weil wir zwei Tage gearbeitet hatten, bekamen wir zwei Essenskarten. Aber als wir das Lager nach 36 Stunden erreichten, war kein Essen mehr da und wir warteten einen weiteren Tag auf unseren Liter Suppe und die 150 Gramm Brot.» «Sie behandelten uns schlechter als Tiere.» «Dann arbeitete ich drei Tage für die Firma Bohm. In diesen Tagen kam ein SS-Mann zu mir und sagte: "Ich sehe, du bist ein Handwerker und ich suche einen Zimmermann." So kam ich zur Firma „Bishop-Fishers-Coditz-Tode". Hier musste ich Bögen hämmern, um die Tunnel zu stützen.» «Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» Andre Cools An einem sonnigen Tag im Juli komme ich gegen 9 Uhr bei Andre Cools in Wingene an. Obwohl er immer noch viel Arbeit auf seinem Land zu erledigen hat, nimmt er sich Zeitfür mich. Andre denkt, dass es höchste Zeit ist, dass einige Zeugenaussagen über die Arbeiterlager von Kahla aufgeschrieben werden; die Tausenden von Toten sollten nicht vergessen werden. «Ich hatte für nun mehr als 18 Monate im Untergrund gelebt. Auch von mir wurde verlangt Zwangsarbeit in Deutschland zu leisten. Wie auch immer, ich ging nicht nach Deutschland. In diesen 18 Monaten schlief ich überall, nur nicht zu Hause.» «Bis zum 6. August. Ich erinnere mich immer noch sehr gut daran; es war die Nacht von Sonnabend auf Sonntag. Ich kam gegen 22.30 Uhr nach Hause ( nach Eegern, nahe Tielt); um 23.30 Uhr war der ganze Platz umstellt und ich wurde festgenommen. Zu dieser Zeit lebte ein Faschist in unserer Nachbarschaft, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich verraten hatte.» Nach dem Krieg hörte Andre, dass der Mann tot war. Die Bestrafung Gottes würden wir sagen. «Sie brachten mich zum Gefängnis in Tielt. Von da aus transportierten sie mich den darauf folgenden Donnerstag nach Roeselaere, wo ich versuchte zu entkommen. Eine Frau und ihre Tochter, die in unserer Nachbarschaft gelebt hatten, besuchten mich und brachten einige Frauenkleider mit. Es war geplant, dass ich in diesen Kleidern fliehe, aber irgend jemand schlug Alarm, so dass es sehr schwierig war zu entkommen.» «Außer den Kleidern brachten sie mir auch 14 Kilogramm Tabak und eine Schuhbox gefüllt mit Zigarillos. Das rettete mir mein Leben in Kahla.» «In Roeselaere blieb ich vom 9. bis zum 11. August.» In Belgien erzählte ein deutscher Wachmann den Gefangenen, dass sie in die Umgebung von Weimar gebracht werden würden, in den Thüringer Wald, und dass es dort sehr schön wäre. Wie auch immer, ich bekam davon nichts mit, sagte Andre. «Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» «Bei dieser Arbeit hatten wir einen deutschen Aufseher, der ohne einen Grund anfing Leute zu schlagen; von allen wurden die Russen am meisten geschlagen. Einmal versuchte er mich zu schlagen, aber er traf mich nicht und verletzte sich an seinem Lkw, der hartes Gestein transportierte. Ich fürchtete Vergeltung; wir mussten diesen Wachmann loswerden. Ein wenig später musste das Gerüst, das die Tunnel stützte, abgenommen werden. Ich hatte mich mit einer schweren Spitzhacke versorgt und bei einem „Unfall" fiel sie mir aus der Hand, gerade als der Wachmann vorbei kam. Die Spitzhacke fiel auf seine Schulter. Wir sahen ihn nie wieder und er tat mir nichts, denn ich hatte immer noch alle meine Werkzeuge. Ich konnte mich glücklich schätzen.» «Was wir in Kahla erlebten grenzte an Unglaublichen.» «Ich besaß 14 Kilo Tabak und eine Box voll Zigarillos. Sie retteten mich und trotzdem wog ich bei der Befreiung nur noch 46 Kilogramm, 51 bei meiner Rückkehr.» Bei seiner Abreise nach Kahla wog Andre 74 Kilogramm. Trotz des Tabaks, den er gegen Brot tauschen konnte, verlor er 28 Kilo in nur acht Monaten. Andre misst 1. 73 m. «Wenn man von seiner Ration leben musste, war man verloren. Wir bekamen nur einen Liter Wassersuppe und 150 Gramm Brot am Tag. » «In der Fabrik versuchte ich Tabak gegen Brot zu tauschen. In diesem Moment kam ein Lkw, um Beton zu liefern. Man musste seine Bitte äußern. Ich rauchte gerade eine Pfeife; so kroch ich in die Fahrerkabine und zündete die Pfeife so an, dass er den Tabak riechen konnte. Und ja, er rauchte auch, hatte aber keinen Tabak dabei. So konnte ich einmal mehr Tabak gegen Brot tauschen. Er gab mir ein ganzes Brot.» «In unserem Raum in der Baracke teilte ich das Essen. Es geht nicht, dass eine Person Essen hat, während die anderen hungern. Einmal konnte ich einige Brotkarten für Zivilisten bekommen, mit denen ich im Dorf Brot bekam. Auf dem Rückweg sah ich die Polizei näher kommen. Ich flüchtete in die Büsche; in diesem Moment befand ich mich bereits im Wald hinter Lager E. Dort rutschte ich aus, fiel und landete hinter der Baracke, in der ich schlief. Gerade als ich die Baracke betreten wollte, bemerkte ich, dass die Wachen ihre Runden drehten. Ich fand auf dem Dach der Baracke Schutz, an der Seite des Waldes. Meine Kameraden sagten, dass ich Nachtschicht hätte. Jeder war froh, dass es vorüber war und unser Raum konnte Brot und Würstchen essen.» Je länger wir dort waren, desto mehr Tote waren zu beklagen. Die schweren Wintermonate, der Mangel an Nahrung und Hygiene, die langen Arbeitstage und die Misshandlungen waren die Hauptgründe dafür. «Jemand der Typhus bekam, war in fünf Tagen tot. Man sah wie ein kräftiger Bursche zu einem Nichts wurden. » Andre Cools

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Andre Cools
Rolle
Zwangsarbeiter (Belgien)
Ort
Walpersberg / Kahla
Zeitraum
Dez. 1944 – Feb. 1945

Überlieferung und Kontext

«Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» «Dann brachten uns die Deutschen nach Etterbeek, von wo aus wir in einem Passagierzug, in der dritten Klasse, abfuhren. In Schaerbeek hatten wir einen Unfall. Das endgültige Reiseziel war Kahla. » «Am 12. August erreichten wir Kahla. Begleitet von Soldaten liefen wir vom Bahnhof zum Lager E. Einen Teil unseres Gepäcks mussten wir mit uns nehmen; der Rest wurde später mit dem Laser gebracht. Wir waren glücklich; weil wir später hörten, dass die Gruppen, vor und nach uns, nach Tabak und Essen durchsucht wurden; sie konnten nur ihre Kleidung behalten.» «Als wir im Lager E ankamen, standen dort nur drei Baracken, in denen 1350 Männer Schutz finden mussten. Wir schliefen mit 54 anderen Männern in einem Raum; wir waren gezwungen unsere Koffer mit ins Bett zunehmen. Diejenigen, die keinen Platz fanden - die Mehrheit - schlief draußen.» «Ein Raum einer Baracke maß sechs bis acht Meter und beinhaltete zwölf Stockbetten. So konnten 24 Männer hier Platz finden. In dem Raum, in dem ich war als das Lager komplett errichtet wurde, bauten wir einen Schornstein aus Lehmerde. Dort war noch etwas Platz für einen, aber er stand noch nicht.» «Der 15. August war mein erster Arbeitstag. Am Morgen mussten wir nach Kleineutersdorf, um unsere Ausweise zu bekommen; am Nachmittag wurden wir zur Arbeit geschickt.» «Meine erste Aufgabe war es Fichten zu sägen, Erde zu ebnen und Baracken an der Stelle zu bauen wo später Lager 3 stehen sollte. Zu dieser Zeit arbeitete ich für die „Arbeitsgemeinschaft Jena". In diesen Tagen bekamen wir am Nachmittag nur eine Schüssel voll Suppe; aber das dauerte nur fünf Wochen.» «Im Dezember (um Weihnachten) war ich bei der Firma Keimbetonwerke zur Konstruktion großer Bunker, die unter einem Berg lagen, angestellt. Ich arbeitete dort bis Ende Februar.» «Mit Keimbeton verbinde ich, dass wir dort gezwungen waren 36 Stunden am Stück Beton zu gießen; Sauckel kam und die Arbeit musste gemacht werden. Unsere Schicht arbeitete von 7 bis 19 Uhr, von 19 bis 7 Uhr und von 7 bis 19 Uhr. Weil wir zwei Tage gearbeitet hatten, bekamen wir zwei Essenskarten. Aber als wir das Lager nach 36 Stunden erreichten, war kein Essen mehr da und wir warteten einen weiteren Tag auf unseren Liter Suppe und die 150 Gramm Brot.» «Sie behandelten uns schlechter als Tiere.» «Dann arbeitete ich drei Tage für die Firma Bohm. In diesen Tagen kam ein SS-Mann zu mir und sagte: "Ich sehe, du bist ein Handwerker und ich suche einen Zimmermann." So kam ich zur Firma „Bishop-Fishers-Coditz-Tode". Hier musste ich Bögen hämmern, um die Tunnel zu stützen.» «Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» Andre Cools An einem sonnigen Tag im Juli komme ich gegen 9 Uhr bei Andre Cools in Wingene an. Obwohl er immer noch viel Arbeit auf seinem Land zu erledigen hat, nimmt er sich Zeitfür mich. Andre denkt, dass es höchste Zeit ist, dass einige Zeugenaussagen über die Arbeiterlager von Kahla aufgeschrieben werden; die Tausenden von Toten sollten nicht vergessen werden. «Ich hatte für nun mehr als 18 Monate im Untergrund gelebt. Auch von mir wurde verlangt Zwangsarbeit in Deutschland zu leisten. Wie auch immer, ich ging nicht nach Deutschland. In diesen 18 Monaten schlief ich überall, nur nicht zu Hause.» «Bis zum 6. August. Ich erinnere mich immer noch sehr gut daran; es war die Nacht von Sonnabend auf Sonntag. Ich kam gegen 22.30 Uhr nach Hause ( nach Eegern, nahe Tielt); um 23.30 Uhr war der ganze Platz umstellt und ich wurde festgenommen. Zu dieser Zeit lebte ein Faschist in unserer Nachbarschaft, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er mich verraten hatte.» Nach dem Krieg hörte Andre, dass der Mann tot war. Die Bestrafung Gottes würden wir sagen. «Sie brachten mich zum Gefängnis in Tielt. Von da aus transportierten sie mich den darauf folgenden Donnerstag nach Roeselaere, wo ich versuchte zu entkommen. Eine Frau und ihre Tochter, die in unserer Nachbarschaft gelebt hatten, besuchten mich und brachten einige Frauenkleider mit. Es war geplant, dass ich in diesen Kleidern fliehe, aber irgend jemand schlug Alarm, so dass es sehr schwierig war zu entkommen.» «Außer den Kleidern brachten sie mir auch 14 Kilogramm Tabak und eine Schuhbox gefüllt mit Zigarillos. Das rettete mir mein Leben in Kahla.» «In Roeselaere blieb ich vom 9. bis zum 11. August.» In Belgien erzählte ein deutscher Wachmann den Gefangenen, dass sie in die Umgebung von Weimar gebracht werden würden, in den Thüringer Wald, und dass es dort sehr schön wäre. Wie auch immer, ich bekam davon nichts mit, sagte Andre. «Anfang April sah ich, wie sie 27 tote Männer in die Todesbaracke brachten.» «Bei dieser Arbeit hatten wir einen deutschen Aufseher, der ohne einen Grund anfing Leute zu schlagen; von allen wurden die Russen am meisten geschlagen. Einmal versuchte er mich zu schlagen, aber er traf mich nicht und verletzte sich an seinem Lkw, der hartes Gestein transportierte. Ich fürchtete Vergeltung; wir mussten diesen Wachmann loswerden. Ein wenig später musste das Gerüst, das die Tunnel stützte, abgenommen werden. Ich hatte mich mit einer schweren Spitzhacke versorgt und bei einem „Unfall" fiel sie mir aus der Hand, gerade als der Wachmann vorbei kam. Die Spitzhacke fiel auf seine Schulter. Wir sahen ihn nie wieder und er tat mir nichts, denn ich hatte immer noch alle meine Werkzeuge. Ich konnte mich glücklich schätzen.» «Was wir in Kahla erlebten grenzte an Unglaublichen.» «Ich besaß 14 Kilo Tabak und eine Box voll Zigarillos. Sie retteten mich und trotzdem wog ich bei der Befreiung nur noch 46 Kilogramm, 51 bei meiner Rückkehr.» Bei seiner Abreise nach Kahla wog Andre 74 Kilogramm. Trotz des Tabaks, den er gegen Brot tauschen konnte, verlor er 28 Kilo in nur acht Monaten. Andre misst 1. 73 m. «Wenn man von seiner Ration leben musste, war man verloren. Wir bekamen nur einen Liter Wassersuppe und 150 Gramm Brot am Tag. » «In der Fabrik versuchte ich Tabak gegen Brot zu tauschen. In diesem Moment kam ein Lkw, um Beton zu liefern. Man musste seine Bitte äußern. Ich rauchte gerade eine Pfeife; so kroch ich in die Fahrerkabine und zündete die Pfeife so an, dass er den Tabak riechen konnte. Und ja, er rauchte auch, hatte aber keinen Tabak dabei. So konnte ich einmal mehr Tabak gegen Brot tauschen. Er gab mir ein ganzes Brot.» «In unserem Raum in der Baracke teilte ich das Essen. Es geht nicht, dass eine Person Essen hat, während die anderen hungern. Einmal konnte ich einige Brotkarten für Zivilisten bekommen, mit denen ich im Dorf Brot bekam. Auf dem Rückweg sah ich die Polizei näher kommen. Ich flüchtete in die Büsche; in diesem Moment befand ich mich bereits im Wald hinter Lager E. Dort rutschte ich aus, fiel und landete hinter der Baracke, in der ich schlief. Gerade als ich die Baracke betreten wollte, bemerkte ich, dass die Wachen ihre Runden drehten. Ich fand auf dem Dach der Baracke Schutz, an der Seite des Waldes. Meine Kameraden sagten, dass ich Nachtschicht hätte. Jeder war froh, dass es vorüber war und unser Raum konnte Brot und Würstchen essen.» Je länger wir dort waren, desto mehr Tote waren zu beklagen. Die schweren Wintermonate, der Mangel an Nahrung und Hygiene, die langen Arbeitstage und die Misshandlungen waren die Hauptgründe dafür. «Jemand der Typhus bekam, war in fünf Tagen tot. Man sah wie ein kräftiger Bursche zu einem Nichts wurden. » Andre Cools

Namen und Schlagwörter

  • Betonbau
  • Zwang
  • Schichtarbeit
  • Untertage

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen.pdf – Cools