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Zeitzeugnis

Philemon Loddewijckx – Walpersberg / Kahla

«Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «In einem Lagerhaus, in welchem Arbeitstische standen, mussten wir das Schweißen lernen. Dort sind wir etwa sechs Wochen geblieben.» «Nach diesem Zeitabschnitt schickte man uns in Tunnel um Rohrleitungen für Druckluft, Elektrizität und Gas zu legen. » Auf dem Walpersberg garantierten unterschiedliche Arbeitsschichten die Kontinuität der Arbeit. Zuerst wurde ein gesamtes Labyrinth von Korridoren durchbohrt und die Trümmer wurden aufgeräumt. Die nächste Arbeitsschicht musste Mörtel an die Wände sprühen, nach welchen die Gruppe, in welcher Philemon arbeitete, die Pipelines bauen musste. «Ich habe in den Tunnel immer geschweißt. Wir begannen an der Stelle 0, nach welcher wir 1, 2 und 3 erledigten.» «Sobald die ersten Rohrleitungen fertig gestellt waren, mussten wir testen, ob keine Löcher in ihnen sind. Besonders wenn diese Pipelines für Gas vorgesehen waren, sind diese Tests von sehr großer Bedeutung gewesen. Einmal führten wir einen Test mit Seife durch. Wenn Bläschen aus den Rohrleitungen vordrangen, mussten wir die Löcher flicken. Es kostete uns viele Wochen Zeit, diese Arbeit fertig zu stellen.» «Die Halle, in der die Flugzeuge gebaut wurden, musste ebenfalls mit Rohrleitungen versorgt werden. Das ist die unheimlichste Zeit gewesen, die ich je erlebt habe: Es war der harten Arbeit und dein Mangel an gutem und gesundem Essen zuzuschreiben, dass wir alle bereits recht schwach waren; und in diesen extremen Zustand mussten wir trotzdem über hohe Leitern klettern. Ich band mich stets mit einem Seil an den Leitern fest.» Für einen Tag wurde Philemon für einen anderen Job eingesetzt. «An einem Tag, einem Sonntag, arbeitete ich an der Spitze des Walpersberges. Alle Truppen mussten bei der Konstruktion der Startbahn mithelfen. Wir erklommen den Berg mit Hilfe einer Zahnradbahn und mussten die abgesägten Bäume den Berg hinab transportieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Konstruktionsarbeiten bereits eine Verspätung von einigen Wochen, aber die Deutschen erwarteten zu Weihnachten eine Fertigstellung der Startbahn. So wurde jede einzelne Arbeitskraft ausgerufen, um auszuhelfen.» Die Lebensmittelportionen, welche die Arbeiter in Kahla erhielten, waren zu gering um damit zu überleben. «Wir bekamen Wassersuppe und ein Stück Brot.» «Die erste Schüssel Wassersuppe, die ich bei unserer Ankunft in Kahla erhielt, habe ich nicht angerührt. Sie war voll von Kartoffelschalen; ich habe nur kurz probiert und gab sie dann schließlich einem russischen Mitgefangenen. Das war das erste und letzte Mal, dass ich einen Teil meines Essens weggab.» Philemon Loddewijckx «Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «Je drei Männer erhielten einen halben Laib Brot; etwas weniger als 200 Gramm pro Person. Je länger unsere Zeit in Deutschland andauerte, um so weniger Brot bekamen wir.» «Anfangs bekamen wir gelegentlich ein Stück Wurst, etwas Marmelade oder Butter; wie auch immer... das hat nicht lange angedauert.» «Nur ein einziges Mal, an Weihnachten, bekamen wir einige Pellkartoffeln und einen Leib Weißbrot, uns war beinahe zum Feiern zumute.» «Wenn man wirklich mit den winzigen Portionen, die von den Deutschen zugeteilt wurden, überleben sollte, wäre man vorher schon tot gewesen. Ich zögerte also nicht, zu versuchen, mir zusätzliches Essen zu organisieren. » «Die Tunnel, in welchen wir arbeiteten, hatten Durchgänge zu anderen. In einem dieser Durchgänge befanden sich hölzerne Trennwände. An diesem Platz lagerten die Deutschen Kartoffeln für ihre Küche. Einmal habe ich 20 Kartoffeln gestohlen: Wenn man den Sand von der hölzernen Platte entfernt hatte, konnte man die Kartoffeln erreichen. Ich habe mich niemals getraut, mehr als 20 Stück zu stehlen - aus Angst erwischt zu werden.» «In einem Rohr, welches ich von einer Seite geschlossen hatte, bereitete ich die Kartoffeln vor. Ich erwärmte das Rohr mit einem Lötkolben bis es glühte' und die Kartoffeln fertig waren.» «Unser Gruppenverantwortlicher war ein guter Mensch. Einige Male nahm er uns mit in das Cafe im Zentrum von Kahla, wo die Deutschen zum Essen hingingen.» In Lager E ist es eher ein Kampf ums Überleben gewesen. «Das Leben in Lager E war die Hölle. Die Unglücklichen, die krank geworden sind, hatten keine Chance. Nur einer, unter einer großen Anzahl von Kranken, wurde wieder gesund. Personen vom Lager selektierten die Kranken in Baracken. Etwa die Hälfte der Menschen, die in Lager E leben mussten, ist gestorben. Im Laufe der Monate fielen immer mehr Menschen dem Tod zum Opfer.» «Ich kann mich glücklich schätzen, nicht ernsthaft krank geworden zu sein. Das einzige unbedeutende Problem, mit dem ich leben musste, war ein Geschwür am Kehlkopf, welches aber im Jenaer Krankenhaus entfernt wurde.» «Man hatte Anspruch auf einen Krankenschein, mit welchem man nach Jena fahren konnte.» Glücklicher Weise war die Befreiung nah. Philemon Loddewijckx «Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «Um den 10. April sammelten die Deutschen diejenigen zusammen, die noch laufen konnten. "Der Volkssturm" würde diese wegbringen. Zusammen mit zehn anderen Männern konnte ich durch den Zaun fliehen und wir konnten verschwinden, bevor sich die Kolonne in Bewegung setzte.» Oberhalb von Kahla verlief eine Hochspannungsleitung. Bei der Arbeit fragte Philemon einmal, wohin dieses Hochspannungskabel verlaufe. Sie schien von Leipzig nach Frankfurt zu führen. Zu dieser Zeit hatte Philemon noch immer die Absicht aus dem Lager E zu flüchten, diese Hochspannungsleitung sollte ihm als Kompass dienen. Wie auch immer, in der Zwischenzeit erlebte er, wie viele seiner Mitgefangenen, die bei Fluchtversuchen erwischt worden waren, in Lager 0 gesteckt wurden, welches einem Bunker glich. Viele von ihnen kamen völlig verändert heraus und lebten nicht mehr sehr lange. Dies führte Philemon zurück zur Realität. Aber dieser spezielle Tag im April prägte sich für immer sehr intensiv in seinem Gedächtnis ein. «Hinter dem Lager rannten wir durch ein Feld von Kohlrübensamen, die Hochspannungs- leitung führte uns in Richtung Eichenberg, Dienstädt, Gumperda und Milda, wo wir Wälder anstrebten. Letztendlich haben wir bis zum Morgengrauen in einem Tannenwald gelegen. » «Am nächsten Tag bewegten wir uns bis zum Rand des Waldes und hörten Schüsse von Panzern, die bis Mitternacht andauerten.» «Kurz nach 12 Uhr sahen wir einige Panzer neben einem Kornfeld. Einige von uns steuerten auf sie zu. Es waren Amerikaner. Wir erzählten ihnen, dass sich drei von uns noch im Wald versteckt hielten und fragten, ob wir sie holen könnten. Warum auch immer, es wurde uns verboten. Die Amerikaner wussten nicht genau, wer wir waren und wollten nicht das Risiko eingehen, dass wir Verräter sein könnten.» «Sie brachten uns in die Kirche von Milda, wo bereits das gesamte Dorf versammelt war. Gegen 11 Uhr Abends schlief ich am Altar ein.» «In dieser Nacht wachte ich durch das Geschrei einer Frau auf, die gerade ein Mädchen geboren hatte.» «In der Kirche bekamen wir einige Würstchen und wir setzten unsere Wanderung nach Weimar, Eisenach und Eisfeld fort. In der Nacht mussten wir die Strasse verlassen und schliefen auf einen Bauernhof.» «Letztendlich wurden wir per Auto in eine Kaserne in Frankfurt gebracht. In Wiesbaden nahmen wir den Zug nach Jambers; wir wurden in Frachtcontainer transportiert, in welchen wir unter starker Kälte litten. In unserer Abteilung waren viele unterschiedliche Menschen: Frauen, die freiwillig in Deutschland arbeiteten, aber auch Kinder ...» Philemon Loddewijckx

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Philemon Loddewijckx
Rolle
Zwangsarbeiter (Belgien)
Ort
Walpersberg / Kahla
Zeitraum
1944/45

Überlieferung und Kontext

«Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «In einem Lagerhaus, in welchem Arbeitstische standen, mussten wir das Schweißen lernen. Dort sind wir etwa sechs Wochen geblieben.» «Nach diesem Zeitabschnitt schickte man uns in Tunnel um Rohrleitungen für Druckluft, Elektrizität und Gas zu legen. » Auf dem Walpersberg garantierten unterschiedliche Arbeitsschichten die Kontinuität der Arbeit. Zuerst wurde ein gesamtes Labyrinth von Korridoren durchbohrt und die Trümmer wurden aufgeräumt. Die nächste Arbeitsschicht musste Mörtel an die Wände sprühen, nach welchen die Gruppe, in welcher Philemon arbeitete, die Pipelines bauen musste. «Ich habe in den Tunnel immer geschweißt. Wir begannen an der Stelle 0, nach welcher wir 1, 2 und 3 erledigten.» «Sobald die ersten Rohrleitungen fertig gestellt waren, mussten wir testen, ob keine Löcher in ihnen sind. Besonders wenn diese Pipelines für Gas vorgesehen waren, sind diese Tests von sehr großer Bedeutung gewesen. Einmal führten wir einen Test mit Seife durch. Wenn Bläschen aus den Rohrleitungen vordrangen, mussten wir die Löcher flicken. Es kostete uns viele Wochen Zeit, diese Arbeit fertig zu stellen.» «Die Halle, in der die Flugzeuge gebaut wurden, musste ebenfalls mit Rohrleitungen versorgt werden. Das ist die unheimlichste Zeit gewesen, die ich je erlebt habe: Es war der harten Arbeit und dein Mangel an gutem und gesundem Essen zuzuschreiben, dass wir alle bereits recht schwach waren; und in diesen extremen Zustand mussten wir trotzdem über hohe Leitern klettern. Ich band mich stets mit einem Seil an den Leitern fest.» Für einen Tag wurde Philemon für einen anderen Job eingesetzt. «An einem Tag, einem Sonntag, arbeitete ich an der Spitze des Walpersberges. Alle Truppen mussten bei der Konstruktion der Startbahn mithelfen. Wir erklommen den Berg mit Hilfe einer Zahnradbahn und mussten die abgesägten Bäume den Berg hinab transportieren. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Konstruktionsarbeiten bereits eine Verspätung von einigen Wochen, aber die Deutschen erwarteten zu Weihnachten eine Fertigstellung der Startbahn. So wurde jede einzelne Arbeitskraft ausgerufen, um auszuhelfen.» Die Lebensmittelportionen, welche die Arbeiter in Kahla erhielten, waren zu gering um damit zu überleben. «Wir bekamen Wassersuppe und ein Stück Brot.» «Die erste Schüssel Wassersuppe, die ich bei unserer Ankunft in Kahla erhielt, habe ich nicht angerührt. Sie war voll von Kartoffelschalen; ich habe nur kurz probiert und gab sie dann schließlich einem russischen Mitgefangenen. Das war das erste und letzte Mal, dass ich einen Teil meines Essens weggab.» Philemon Loddewijckx «Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «Je drei Männer erhielten einen halben Laib Brot; etwas weniger als 200 Gramm pro Person. Je länger unsere Zeit in Deutschland andauerte, um so weniger Brot bekamen wir.» «Anfangs bekamen wir gelegentlich ein Stück Wurst, etwas Marmelade oder Butter; wie auch immer... das hat nicht lange angedauert.» «Nur ein einziges Mal, an Weihnachten, bekamen wir einige Pellkartoffeln und einen Leib Weißbrot, uns war beinahe zum Feiern zumute.» «Wenn man wirklich mit den winzigen Portionen, die von den Deutschen zugeteilt wurden, überleben sollte, wäre man vorher schon tot gewesen. Ich zögerte also nicht, zu versuchen, mir zusätzliches Essen zu organisieren. » «Die Tunnel, in welchen wir arbeiteten, hatten Durchgänge zu anderen. In einem dieser Durchgänge befanden sich hölzerne Trennwände. An diesem Platz lagerten die Deutschen Kartoffeln für ihre Küche. Einmal habe ich 20 Kartoffeln gestohlen: Wenn man den Sand von der hölzernen Platte entfernt hatte, konnte man die Kartoffeln erreichen. Ich habe mich niemals getraut, mehr als 20 Stück zu stehlen - aus Angst erwischt zu werden.» «In einem Rohr, welches ich von einer Seite geschlossen hatte, bereitete ich die Kartoffeln vor. Ich erwärmte das Rohr mit einem Lötkolben bis es glühte' und die Kartoffeln fertig waren.» «Unser Gruppenverantwortlicher war ein guter Mensch. Einige Male nahm er uns mit in das Cafe im Zentrum von Kahla, wo die Deutschen zum Essen hingingen.» In Lager E ist es eher ein Kampf ums Überleben gewesen. «Das Leben in Lager E war die Hölle. Die Unglücklichen, die krank geworden sind, hatten keine Chance. Nur einer, unter einer großen Anzahl von Kranken, wurde wieder gesund. Personen vom Lager selektierten die Kranken in Baracken. Etwa die Hälfte der Menschen, die in Lager E leben mussten, ist gestorben. Im Laufe der Monate fielen immer mehr Menschen dem Tod zum Opfer.» «Ich kann mich glücklich schätzen, nicht ernsthaft krank geworden zu sein. Das einzige unbedeutende Problem, mit dem ich leben musste, war ein Geschwür am Kehlkopf, welches aber im Jenaer Krankenhaus entfernt wurde.» «Man hatte Anspruch auf einen Krankenschein, mit welchem man nach Jena fahren konnte.» Glücklicher Weise war die Befreiung nah. Philemon Loddewijckx «Die Zeit in Kahla war kein richtiges Leben gewesen, sondern eher ein Kampf ums Überleben.» «Um den 10. April sammelten die Deutschen diejenigen zusammen, die noch laufen konnten. "Der Volkssturm" würde diese wegbringen. Zusammen mit zehn anderen Männern konnte ich durch den Zaun fliehen und wir konnten verschwinden, bevor sich die Kolonne in Bewegung setzte.» Oberhalb von Kahla verlief eine Hochspannungsleitung. Bei der Arbeit fragte Philemon einmal, wohin dieses Hochspannungskabel verlaufe. Sie schien von Leipzig nach Frankfurt zu führen. Zu dieser Zeit hatte Philemon noch immer die Absicht aus dem Lager E zu flüchten, diese Hochspannungsleitung sollte ihm als Kompass dienen. Wie auch immer, in der Zwischenzeit erlebte er, wie viele seiner Mitgefangenen, die bei Fluchtversuchen erwischt worden waren, in Lager 0 gesteckt wurden, welches einem Bunker glich. Viele von ihnen kamen völlig verändert heraus und lebten nicht mehr sehr lange. Dies führte Philemon zurück zur Realität. Aber dieser spezielle Tag im April prägte sich für immer sehr intensiv in seinem Gedächtnis ein. «Hinter dem Lager rannten wir durch ein Feld von Kohlrübensamen, die Hochspannungs- leitung führte uns in Richtung Eichenberg, Dienstädt, Gumperda und Milda, wo wir Wälder anstrebten. Letztendlich haben wir bis zum Morgengrauen in einem Tannenwald gelegen. » «Am nächsten Tag bewegten wir uns bis zum Rand des Waldes und hörten Schüsse von Panzern, die bis Mitternacht andauerten.» «Kurz nach 12 Uhr sahen wir einige Panzer neben einem Kornfeld. Einige von uns steuerten auf sie zu. Es waren Amerikaner. Wir erzählten ihnen, dass sich drei von uns noch im Wald versteckt hielten und fragten, ob wir sie holen könnten. Warum auch immer, es wurde uns verboten. Die Amerikaner wussten nicht genau, wer wir waren und wollten nicht das Risiko eingehen, dass wir Verräter sein könnten.» «Sie brachten uns in die Kirche von Milda, wo bereits das gesamte Dorf versammelt war. Gegen 11 Uhr Abends schlief ich am Altar ein.» «In dieser Nacht wachte ich durch das Geschrei einer Frau auf, die gerade ein Mädchen geboren hatte.» «In der Kirche bekamen wir einige Würstchen und wir setzten unsere Wanderung nach Weimar, Eisenach und Eisfeld fort. In der Nacht mussten wir die Strasse verlassen und schliefen auf einen Bauernhof.» «Letztendlich wurden wir per Auto in eine Kaserne in Frankfurt gebracht. In Wiesbaden nahmen wir den Zug nach Jambers; wir wurden in Frachtcontainer transportiert, in welchen wir unter starker Kälte litten. In unserer Abteilung waren viele unterschiedliche Menschen: Frauen, die freiwillig in Deutschland arbeiteten, aber auch Kinder ...» Philemon Loddewijckx

Namen und Schlagwörter

  • Gefahr
  • Mangelernährung
  • Untertage
  • Produktion

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen.pdf – Loddewijckx