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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Stefan Buri

Erinnerungsbericht aus der Levice-Anthologie ueber Jugend und antifaschistische Praegung, Teilnahme am Slowakischen Nationalaufstand, Gefangennahme, Transport ueber Bad Sulza, Zwangsarbeit im Raum Kleindembach/Kahla/Walpersberg, Lageralltag, Flucht beziehungsweise Rueckkehr im April/Mai 1945 und Nachkriegsleben.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Stefan Buri
Rolle
Slowakischer Aufstandsteilnehmer und Zwangsarbeiter
Ort
Kleindembach / Walpersberg / Kahla
Zeitraum
1944-1945
Herkunft
Slowakei

Überlieferung und Kontext

I. Gefangener NR. 530980 222-223: Jahre der Jugendzeit Der Antifaschist Stefan Búri ist in Nová Baňa in einer Arbeiterwohngemeinde aufgewachsen, wo er schon seit der Jugendzeit fortschrittlich erzogen wurde. Das Leben wurde damals in diesem Neumontanlandkreis in der bürgerlichen Tschechoslowakischen Republik charakterisiert, als ein Landkreis mit steigender Arbeitslosigkeit. In den kritischen Jahren 1929 – 33 gab es in diesem Landkreis rund 3.000 Arbeitslose, deren Rechte die kommunistische Partei unermüdlich unterstützt hat, trotzdem sie fortwährend von einem bürgerlich – staatlichen Apparat verfolgt wurden. Neumontankommunisten setzten auch nach dem Niedergang der Tschechoslowakischen Republik ihre anti-staatlichen und illegalen Aktivitäten fort. Sie hatten die schweren Bedingungen, das unmenschliche Gesicht des Faschismus kritisiert und die arbeitenden Leute für den Hauptkampf konspiriert (eher vorzubereiten), der letztendlich im slowakischen Nationalaufstand (SNP) gegipfelt hat. In dem kritischen Zeitraum, im so genannten slowakischen Staat existierten in unserem Landkreis zwei Gruppen. Eine Gruppe war klerikal-faschistisch und hatte die amtliche Macht. Diese Gruppe wurde von den Karrieremachern und den Leuten repräsentiert, die vom Polizeiapparat unterstützt wurden. Zu dieser Gruppe gehörten auch kleine fanatische deutsche Minderheiten in den Dörfern Velke Pole und Pila. Diese Minderheiten wurden vor allem von dem faschistischen Rundfunk und von der deutschen faschistischen Propaganda beeinflusst. Im Dorf Handlova gab es auch einen großen faschistischen Einfluss auf die deutschen Minderheiten. Die andere Gruppe hat die progressive Politik der kommunistischen Partei unterstützt. Diese Gruppe bestand aus Proletariat aus Lanickygruppe aus Hodrus, Handlova, aus der Fabrikarbeiterschaft in Dolne Hamre, aus dem Maschinenbau in Vyhne, aus der Glasfabrik in Handlova und aus den Holzfällern aus Zarnovica. Die illegale Parteiführung zusammen mit anderen illegalen Gruppen organisierten geheime Versammlungen, wo sie sich informieren und auch formieren konnten- im Sinn des Anti-Faschismus. Sie kontrollierten die Ergebnisse der geheimen Aufgaben, verteilten neue Aufgaben wie zum Beispiel – Vorbereitung der Flugblätter und der illegalen Presse, aber auch löten Anleiten die neuen Leute in die Arbeit der illegalen Gruppe. In dieser widerspruchsvollen Umwelt hat auch Stefan Buri seine politische Einstellung auf der richtigen Seite entwickelt. Er ist am 30. Juli 1918 in Nová Bana in einer armen Familie geboren. Hier hat er auch seine nicht leichte Kindheit mit seiner Mutter verbracht. Sein erster und beliebtester Lehrer war Frantisek Sobek. Herr Sobek war aus Tschechien, was der kleine Junge damals nicht gewusst hat. Er hat sich dann mit ihm unerwartet bei der dramatischen Flucht aus dem Konzentrationslager getroffen. Nach dem Schulabschluss hat er mit der Arbeit als Lehrling bei dem Maler Ferdinand Pittner begonnnen. Nach der Ausbildung hat er in verschiedenen Städten gearbeitet, wie zum Beispiel in Zarnovica oder Martin. Es gab damals wenig Arbeit, weil die Leute nur wenig Geld für das Malern ihrer Wohnungen hatten. Die Arbeitsgeber haben die Beschäftigten schlecht bezahlt und im Winter, wenn es keine Arbeit gab, wurden die Beschäftigten entlassen. Diese Erfahrung hat auch der junge Stefan Búri gemacht. Der heranwachsende Stefan hörte schon bei seiner Ausbildung von den älteren Mitarbeitern über Sowjetunion, wo die Arbeiterklasse das Land führte. Er hat sich daran erinnert, wie Jozef Hlavaca die Bewunderung und Liebe zu dem sowjetischen Land gezeigt und beschrieben hat. Auch deswegen ist das erste sozialistische Land zu seinem Ideal geworden. S. 223/ 224: Im September 1935, als er erst 17 Jahre alt war, hat er sich in einer montanistischen Verbindung der Freunde der UdSSR eingeschrieben. 224-225: Das ist bei einer öffentlichen Vereinbarung passiert. Hier hat auch eine Vorlesung von dem damaligen Abgeordnete Vladimir Clementis aus der KSČ ( Kommunistische Partei der Tschechoslowakei ) stattgefunden. Diese Legimitation mit der Nummer 30 697 und Datum 1.1.1936 hat für Stefan sehr viel bedeutet. Diesen Ausweis hatte er immer dabei, als eine Erinnerung und aus Ehrfurcht an das erste sozialistische Land. Er trägt und schätzt ihn immer noch und wenn es schlechte Zeiten gibt, schöpft er daraus Kraft und Glaube an den Sieg der Arbeiterswahrheit und Sozialismusankunft. Kein Wunder, dass er den Ausweis als sein Schatz bis heute schätzt. Im Grundlagemilitärdienst hat er von 1.3.1939 bis 15.7.1939 in Dolný Kubín teilgenommen. Der Dient war kürzer, weil er ein Familienversorger war /er hatte Mutter und Schwester/ und wurde früher entlassen. Als er im Jahr 1941 mit Bozena Trgova, einem Mädchen aus einer aufgeklärten proletarischen Familie, verheiratet wurde, suchte er einen dauerhaften Lebensort. Er musste dann noch zwei Jahre in anderen Städten arbeiten, zum Beispiel, ein Jahr musste er nach Partizanske / damals Batovany/, dann nach Senica nad Myjavou, Hlboky und endlich im November 1943 hat er eine Stelle auf dem Bahnhof Ziar nad Hronom bekommen. Er war zwar wegen der Arbeit immer unterwegs und selten zu Hause, aber wenn Feiertag oder Sonntag war, ist er immer nach Hause nach Nová Bana gekommen. Er hat unterschiedliche Aufgaben von der Verbindung bekommen wie zum Beispiel Plakate kleben, Parteipresse und Parteimaterial austeilen. Diese Aktivitäten hat er auch während des slowakischen Staates illegal betrieben. Damals war er kein echtes Parteimitglied und deshalb war er nicht verdächtig und wurde von der staatlichen Polizei nicht verfolgt. Das hat er als Vorteil ausgenutzt und hat als eine Verbindung zwischen den alten Mitgliedern operiert, die damals verfolgt wurden. Es ging hauptsächlich um die Verbindung zwischen Herr Stefan Holy älter, Jan Šoly, František Holy, Štefan Tužinsky und Jozef Moravsky. Er hat mit solchen illegalen Aktivitäten nur bis Anfang des slowakischen Nationalaufstands (SNP) geholfen. II. Slowakischer National Aufstand Er hat im 24. August 1944 einen Einrückungsbefehl bekommen und ist gleich in Zvolen in einer Kaserne bei Malá Stanica (Kleiner Bahnhof) eingerückt. Nach der Ausstattung und Ausrüstung wurde seine Militäreinheit „Korund IV“ genannt und in die Lokalität Podkriváň – Pstruša abgeordnet. Ihre Aufgabe war die Richtung nach Lučenec zu sichern, weil das Kommando einen Anschlag von den deutschen Militäreinheiten aus Ungarn erwartet hat. Stefan Búri erinnert sich an die Namen der Kommandanten: Kapitän Hlucháň, Kapitän Oškvarok, der Oberleutnant Špála und der Oberleutnant Rudolf Strmeň. In dieser Gegend ist die Militäreinheit bis zum 12. September geblieben, aber zu dem erwarteten Anschlag ist es nicht gekommen. Auf der anderen Seite gab es schon in den anderen Gegenden, wie im Norden oder im Westen, Schlachten. Deswegen hat sich das Kommando entschieden, dass diese Einheit nach Westen geschickt werden muss. Da waren die Einheiten vor den starken deutschen Nazieinheiten zurückgewichen und benötigten Hilfe. Seit dieser Zeit hat Stefan Búri in einer Marschkolonne unter dem Befehl von dem Oberleutnant Rudolf Strmeň angehört. Die Einheit wurde gleich nach der Entladung des Transports in Handlova im 18. September von den deutschen Bombern bombardiert. Die Soldaten hatten keine Luftabwehr, und deshalb mussten sie sich einfach in unterschiedlichen Orten verstecken. Stefan Búri hat die Bombardierung noch mit ein paar Freunden auf dem Friedhof zwischen den Graben überlebt. Während der Bombardierung sind viele unserer Soldaten, aber auch Arbeiter aus dem Krankenhaus gestorben, weil die Naziflieger auch das Krankenhaus rücksichtslos bombardiert haben, obwohl das Krankenhaus nach internationalen Regeln kennzeichnet war. S. 225/226: Zwischen den Getöteten hat Stefan Búri einen Bekannten, Herrn Török aus Nova Bana wiedererkannt. Er hat danach seine körperlichen Überreste mit deren anderen Leuten auf den Friedhof mitgebracht. S. 226 – 227: Nach dem Ende des Luftangriffs ist der Oberstleutnant Markus vorbeigekommen und hat unmittelbar diese nach dem Angriff geschwächte Einheit wieder für den Kampf formiert. Die Deutschen haben nämlich in Handlova irgendwohin aus den Bergen Velky und Maly Grič entgegengebrandet. Die schwache und nur kurzfristig aufgestellte Einheit konnte den deutschen Angriff nicht stoppen und abwenden. Um ehrlich zu sein, hat das Kommando seine Aufgaben nicht gut erledigt. Die Einheit von Búri unter dem Oberleutnant Strmeň hat sich in den Ort Janova Lehota zurückgezogen und wurde nach Kunešov, danach durch Lúčky und Kremnica nach Tajov geschickt. Die Einheit wurde dann endlich nach Čremošné geschickt, wo die härtesten Schlachten stattfanden. Ende Oktober hat das Kommando die Einheit nach Hron bei Horná und Dolná Mičina geschickt, wo die aufständischen Einheiten unter dem Drück der feindlichen Einheiten Schritt für Schritt ihre Kampfstellungen verloren haben. Die Einheit mit Buri hat sich eine Nacht von Mičina durch Banská Bystrica, Senica, Selce nach Kališt verschoben und dort in einem Tal übernachtet. In dieser Zeit haben die deutschen Flugeinheiten die vorweichenden Wege der aufständischen Soldaten jeden Tag bombardiert, damit sie sich nicht einfach zurückziehen können. Die faschistischen Militäreinheiten sind langsam in den Bergen fortgeschritten. Man könnte schon von Španna Dolina aus Geschützfeuer und Minenfeuer hören. Die aufständischen Einheiten konnten dem faschistischen Druck nicht weiter standhalten. Ein Chaos brach aus. Manche Einheiten zogen sich kopflos in Richtung Kolište zurück. Der Kommandant Strmeň hat vom Anfang seine Kampfeinheit in der Kampfposition gehalten. Dabei hat der Kommandant zu Buri gesagt, dass er das Essen vorbereiten solle. Buri ist in die Küche gegangen und hat das Fleisch von einer Kuh geschnitten. Er hat mit dem Kochen angefangen. Er hat sich so konzentriert, dass er gar nicht gemerkt hat, dass seine Kampfeinheit weitergezogen ist und ihn vergessen hat. Dann sind andere Soldaten aus den anderen Kampfeinheiten vorbei gekommen und haben ihm gesagt, dass er auch weiterziehen solle, weil die deutsche Einheiten schon ganz in der Nähe waren. Nach ein paar Minuten hat er kein Feuer mehr gehört und ist nach draußen gegangen. Jetzt hatte er wirklich die erste deutsche Soldaten 100 Meter entfernt gesehen und da hinter den Panzerwagen. Es war ihm gleich klar, dass er los musste. Er wollte die deutschen Soldaten irgendwie aufhalten und deshalb hat er im Ofen ein paar Granaten rein gemacht, damit sie sich in ein paar Minuten verheizen und explodieren würden. So ist es auch passiert. Die Granaten haben eine große Explosion ausgelöst und Buri hat für seine Flucht noch Zeit gewonnen. Buri ist im Regen in Richtung nach Kalište gelaufen. Da waren die Häuser schon voll von den Soldaten auf der Flucht und deshalb musste Buri im Holzschuppen schlafen. Er hat gehofft, dass er dort seine Kampfeinheit findet. Hier waren schon alle Soldaten gemischt. Die Verpflegung und auch Munitionsversorgung war nicht mehr zur Verfügung. Meistens haben die Kommandanten die Soldaten entlassen, damit sie sich selbst retten können. Seine Kampfeinheit hat auch nicht mehr existiert. Was macht er jetzt? Das Land hier kennt er nicht, die Leute auch nicht, was wird er machen? Er hat sich entschieden in die Štiavnické Gebirge zu gehen. Dort hat eine Partisaneneinheit Sitno unter Ladislav Exnár operiert. Mit den Partisaneneinheiten haben in einer engen Kooperation auch die illegalen Neumontanorganisationen gearbeitet. Deshalb hat Buri gehofft, dass er dort seine Bekannte finden könnte. Diese Idee haben mit ihm auch zwei Landammänner (vermutlich Kreislandsleute, M.B.) geteilt. Ihre Namen waren František Beranec, Jozef Lehotsky und später noch ein junger Soldat Filondcok aus Banská Hodruša. Sie hatten keine Landkarte, keinen Kompass. Sie haben sich meistens an der Sonne orientiert – Richtung Süden. S. 227/ 228: Sie haben sich nicht die Wege zu nutzen getraut. Sie sind durch die Wälder und Wiese gewandert, damit sie sich verstecken könnten. Mit der Angst vor deutschen Soldaten sind sie auch kleiner Dörfer herumgegangen. Wenn sie unbedingt in ein Dorf gehen mussten, war das nur während der Nacht. Sie waren oft ganz durchnässt und ausgehungert und trotzdem hatten sie nur selten etwas zum Essen von den Leuten bekommen. Die Leute hatten Angst zu helfen. Angst vor den Deutschen. S. 228 – 229: Sie haben es nicht ins Sitnianske Gebirge geschafft. Einer Nacht haben sie ihre Bekleidung bei dem Feuer in einem Wald in der Nähe von Badin getrocknet. Das Feuer konnte man aus weiter Entfernung gut sehen. Als sie sich bei dem Feuer entspannet haben, wurden sie von den deutschen Soldaten umstellt und festgenommen. Die Soldaten haben die beiden nach Badin gebracht und haben sie in der Schule zwei Tagen gefangen gehalten. Dann haben die Soldaten ihre Gefangenen nach Kremnica und nach ein paar Tagen nach Horna Stubna transportiert. Da wurden sie in der Nacht vom 13. zum 14. Oktober 1944 in unbekannten Waggons verladen. Die Gruppe wurde nach Deutschland in ein Konzentrationslager geschickt, worüber sie damals noch keine Ahnung hatten. Jetzt schauen wir mal, wie die junge Ehefrau von Stefan Buri in Nová Bana gelebt hat. Als sie noch ledig war, hat sie auch mit neumontanistischen Kommunisten mitgearbeitet. Ihr Onkel, Karol Dolinsky, hat sie unter die Kommunisten gebracht. Das wussten auch die heimatlichen Faschisten und deshalb haben sie ihr oft eine unangenehme Weile verursacht. Als Stefan Buri in SNP (slowakischer Nationalaufstand) eingerückt ist, hat seine Ehefrau einige von seinen Aufgaben übernommen. Meistens hat sie unterschiedliche Nachrichten von Herrn Šály in einen heimlichen Briefkasten in einem Wald. Frau Šály wusste auch nichts über die heimlichen Aktivitäten von den beiden. Es war nicht so, dass Herr Šály ihr nicht vertraut hat, sondern, dass er sie nicht in Gefahr bringen wollte. Es gab eine Regel zwischen den heimlichen illegalen Kommunisten und zwar, wenn jemand etwas nicht unbedingt wissen muss, sagen sie es nicht. Für Frau Buri war der Tag 13. Oktober ein unheimlich schwerer Tag. Es war gut so, dass sie nicht gewusst hat, dass ihr Ehemann – in Gefangenschaft in ein deutsches Konzentrationslager geschickt wurde, woraus eine Rückkehr mehr als unvorstellbar war. Den 13. Oktober 1944 hat Frau Buri ihre zweite Tochter Beata zur Welt gebracht. Sie hat Beata zu Hause geboren, weil die Arbeiterinnen nicht im Krankenhaus gebären durften. Am Nachmittag desselben Tages sind in die Wohnung Faschisten angekommen. Wahrscheinlich wegen Verrates. In einem Bett war die schon lange Zeit schwer kranke Mutter und in dem zweiten Bett die müde Gebärerin. Die gewalttätigen Faschisten haben die hilflosen Frauen angeschrien und die ganze Wohnung durchsucht. Glücklicherweise haben sie nichts Verdächtiges gefunden. Frau Buri hat auch trotz dieser Durchsuchung weiter in den illegalen Kreisen gearbeitet. Sie hat weiter die heimlichen Nachrichten von Herrn Šály in den Wald gebracht. Sie hat sich immer als ein Mann verkleidet und ist durch ihren Garten in den Wald gegangen. Im Februar hat sie sich mit ihren illegalen Aktivitäten fast in Lebensgefahr gebracht. Wie immer nach der Zustellung hat sie sich im Schuppen umgezogen, ihre schmutzigen warmen Hausschuhe angezogen und erst dann ist sie in die Wohnung eingetreten. Da ist sie erstarrt. Im Zimmer waren Deutsche! „ Wir haben eine Nachricht bekommen, dass ihre Wohnung ein Partisan besuchen sollte. Wer ist das!? Wo ist er!?“ Natürlich hat sie “nichts gewusst“. Sie haben die ganze Wohnung durchsucht und trotzdem nichts gefunden. Dann hat ihr ihre schwer kranke Mutter einen Zettel von dem Sohn von Herrn Šály gegeben. Dort war geschrieben: „Gehe nicht mehr, sie sind auf der Spur, Fero wurde festgenommen!“ S. 229/ 230: III. Nr. 53 980 in der Todesfabrik Ein trauriger Weg hat angefangen. Eigentlich war er nur die erste Stunde traurig. Dann war der Weg furchtbar und schrecklich. S. 230-231: In dem vollen bahnamtlichen rinden (Holz?) Waggon mussten die Gefangenen auch ihre körperlichen Bedürfnisse tun und deshalb ist die Luft mit der Zeit fast nicht atembar geworden. Manche Gefangene sind krank geworden, manche haben gefiebert und geschrieen und manche geschimpft. Mit der Zeit waren sie immer hungriger und besonders durstig. Viele Männer wollten während der Nacht aus dem Waggon entwischen, herausspringen aber sie hatten keine Chance, weil es von innen keine Möglichkeit gab den Waggon zu öffnen. Die Deutschen haben die Waggons erst in Österreich in der Nähe von Wien öffnen lassen. Dann haben sie den armen Gefangenen altes Brot rein geworfen und haben dabei Hohn lachend gesagt, dass es von dem Präsident Tiso käme. Dann ist der Transport durch České Budejovice Richtung Deutschland weitergefahren. Die Gefangenen sind dann auf dem Bahnhof in der Nähe eines vorübergehenden Konzentrationslager Bad Schultz (vermutlich das große Kriegsgefangenenlager IXC Bad Sulza, M.B.) ausgestiegen. Das war eine so genannte Transitstation, wo die Gefangenen nach einer „Insekt“- Reinigung und Registration in andere Lagern geliefert wurden. Sogar schon hier sind manche Männer ums Leben gekommen, weil sie Stunden lang in der Nacht nackt, schwach und krank stehen mussten. Letztendlich haben sie die Entwesung gekriegt, aber dann haben sie verstanden dass es nur eine sinnlose Formalität war. Sie mussten sich ausziehen und alle zusammen duschen. Die Dusche war mal ganz heiß und mal ganz kalt. Dann sind sie zurückgekommen und all ihre Wertsachen waren weg. Falls sie etwas dagegen sagen sollten, haben sie sofort einen Schlag gekriegt. Danach wurden sie in einen Raum geschickt wo sie schlafen sollten. Es gab dort Dreistockbetten und der Raum war das komplette Gegenteil der Entwesung. Dieser Raum war ganz schmutzig und voller Insekten. Wer zufällig noch keine Läuse gehabt hat, würde sie hier bestimmt bald bekommen. Später gab es noch ein Gerücht, dass als hier eine russische Einheit gefangen war, in diesem Wohnheim eine Typhusepidemie ausgebrochen war. Die nächsten Tage haben die Deutschen die Gefangenen geimpft. Es sollte gegen Typhus sein. Aber die Bedingungen waren dabei schrecklich – die Geräte waren nicht sterilisiert, die Haut wurde vorher auch nicht desinfiziert – einfach die hygienischen Bedingungen waren gar nicht gegeben. Das war noch schlechter als sie nicht vakziniert wurden. Jeder Gefangene wurde für eine Kartothek fotografiert und hat eine Nummer bekommen. Sie haben ihre Namen verloren. Sie hatten nur eine Nummer, die sie als Sklaven bezeichnet hat. Sklaven ohne Wert. Die Gefangenen des SNP waren in den Augen der Aufpasser nur „alles Hunderpartián“ (im Original S. 231 – vermutlich „Partisanenhunde“, vielleicht auch eine Art „Pidgin-Slowakisch der Wachsoldaten, M.B.) und so haben sie die Gefangenen auch behandelt und ihr Schicksaal beeinflusst. Nach zwei Wochen in dem Lager mit einer schrecklichen Verpflegung, die diese Bezeichnung nicht haben sollte (überkochte Rübe, schwarze Kaffee ohne Zucker), wurden rund 1400 Gefangenen in ein Lager in die Stadt Kleidembach (sic!, erst mit n, handschrftl. Zweiter Bogen, M.B.) transportiert. Die Deutschen haben sie hier in einem Gebäude, das damals Porzellanfabrik war, untergebracht. In einer kleinen Halle mussten 300 Männer schlafen. Es gab dort keine Betten, deshalb mussten sie die selbst aus den alten Holzplatten herstellen. Auf den „Holzbetten“ haben sie noch ein schimmliges Stroh hingelegt, damit es nicht so hart ist. Es gab aber nicht genug von den Holzplatten und Stroh und deshalb mussten manche Männer auf dem nassen Boden schlafen. Manche Fenster und Türe waren kaputt. Das haben sie auch mit den Holzplatten repariert. Die Mauern waren auch nass und zum Abdecken hatten sie nur eine dünne Decke. Man könnte nichts über die menschliche Ehrwürdigkeit (verm. Menschenwürde, M.B.) sagen. Wie konnten die Gefangenen hier übernachten, könnte man fragen. Haben sie überhaupt geschlafen? Ja, sie haben. Nicht schlafen bedeutete schneller sterben. Eigentlich hatten sie mit Einschlafen keine Probleme nach dem ganzen Tag. Jeden Tag mussten sie schon um 4 aufstehen. Zum Frühstücken haben sie nur 50 Gramm Brot mit 20 Gramm Marmelade bekommen und dazu noch eine schwarze Tasse Kaffee. Das war eigentlich auch das Mittagsessen, weil sie bis Abends nicht mehr etwas zum Essen bekommen haben. S. 231/ 232: Nach dem Frühstücken sind sie zum Bahnhof marschiert und dann mit dem Zug nach Orlamund, von wo aus sie weiter zu Fuß zum Flughafenbau gegangen sind. S. 232-233: Die Zwangsarbeiter haben dort oftmals bis 19 Uhr bei künstlicher Beleuchtung gearbeitet, bis ein feindlicher Flugangriff gemeldet wurde. Zur Mittagspause haben sie gekochtes Wasser, was Tee sein sollte, bekommen. Manche haben es gar nicht getrunken, weil es ein Gerücht gab, dass man davon krank werden soll. Manche Männer sind davon wirklich krank geworden und gestorben. Nach 19 Uhr sind sie wieder zurückgekehrt. Vor dem Lager hat immer eine lange Kontrolle stattgefunden. Dort wurden die Gefangenen gezählt. Wenn jemand zufällig so müde war, dass er nicht richtig in der Reihe stehen könnte oder vor Kälte am ganzen Körper gezittert hat, wurde er sofort mit dem Stock oder Flinte geschlagen. Es war schlecht wenn es einen Desertationsfall gab. Im Winter war es glückicherweise selten. Manchmal ist es aber passiert, dass jemand plötzlich während der Arbeit pinkeln müsste und ist kurz zum Busch gelaufen und da vor Erschöpfung gestorben. Das hat man nicht immer gemerkt. Wenn später bei der Kontrolle eine Nummer gefehlt hat, mussten alle seine Gruppemitglieder die ganze Nacht draußen stehen. Zum Abendbrot haben sie nur eine Rübensuppe mit Kohlblättern und dazu manchmal eine Kartoffel bekommen. Zeit für das Abendbrot war rund 8 – 9 Uhr am Abend. Sie mussten dann gleich um 22 Uhr ins Bett gehen. Das heißt, dass sie nur 6 Stunde für Schlafen und Entspannung hatten. Viele Männer sind am Abend einfach ins Bett gefallen. Sie waren ganz schrecklich müde, erschöpft, verfroren, und nass. Sie haben sich gar nicht umgezogen und sind gleich so ins Bett gegangen. Sie haben sich nur mit einer dünnen Decke zugedeckt und sind bei dem Lärm, Krächzen, und schrecklichen Geräuschen der Sterbenden gleich eingeschlafen. Das war aber nicht alles. Im Bett hatten sie noch tausende Läuse die sie ganz toll gebissen haben. Trotzdem sind sie vor Erschöpfung gleich eingeschlafen – davon manche für immer. Hygiene gab es überhaupt nicht. Sie haben sich nicht gewaschen und die Wäsche auch nicht. Sie hätten sich sehr gerne nach dem ganzen Tag etwas Wasser ins Gesicht gespritzt, aber es gab keine Möglichkeit. Eines Tages ist dort Bauchtyphus ausgebrochen und hat die Gefangene massenweise getötet. Bei dieser Situation sind im Ende des Dezembers jeden Tag 10 bis 15 Gefangenen gestorben und im Januar sogar rund 20. Die nackten menschlichen Überreste wurden wie Holzpaletten auf einen Wagen geschmissen, und auf den Friedhof transportiert. In einer Ecke haben sie die Leichen in einem Massengrabe begraben. Erst eine Leichenschicht, dann eine Kalkschicht und so weiter bis die Grube voll war. Was für eine Arbeit haben die Gefangenen im Flughafenbau gemacht? Ein neuer militärischer Flughafen wurde auf einem Gipfel gebaut. Die Gefangenen mussten den Wald roden und dann eine gerade Fläche bauen. Unter diesem Gipfel sollte ein Großlager für Waffen entstehen, die die tausende Gefangenen ausgegraben haben. Dort sollte auch die Raketengeschosse V-1 und V-2 konstruiert werden. Auf dem Flughafenbau haben jeden Tag tausende Gefangenen aus den verschiedenen Ländern gearbeitet: Russen, Polen, Franzosen, und viele andere. Die slowakischen Gruppe, in der hat auch Stefan Búri gearbeitet, war neben der russischen Gruppe tätigt. Diese Wirklichkeit hatte zwei Vorteile. Sie haben sich gut verstanden und haben sich einander oft geholfen. Sie haben die Kanäle ausgegraben und dann Rohrleitungen verlegt. Sie haben auch Stromkabel eingesetzt, aber auch betoniert und kleine Gebäude gebaut. Stefan Búri hatte Glück als er einem Elektriker zugewiesen wurde. Búri hat mit ihm an einer elektrischen Leitung gearbeitet. Der Elektrikermeister war ein sehr guter Man mit einem großen Herz. Er hat oft sein Essen mit Búri geteilt. Búri ist auch deswegen gesünder geworden und hat ihm vielleicht auch sein Leben gerettet. Der Meister hat ihn auch oft in eine gute Stimmung gebracht, wenn er über das baldige Kriegsende gesprochen hat. Bei dem Meister hat sich der physische und auch körperliche Gesundheitszustand von Búri stark verbessert. Der Meister sagte, dass sie bald heimgehen, weil der Krieg bald beendet sein würde. Búri hat damals schon viele deutsche Wörter verstanden, die man oft benutzt hat. S. 234-235: Die folgende Geschichte hat die beiden guten Freunde für immer getrennt. Einen Tag während einer Pause hat ein Gefangener, Holuško, Štefan Búri gefragt, ob er von ihm sein Taschenmesser ausleihen könne. Ein Taschenmesser war in einem Lager eine wirklich unentbehrliche Sache. Deshalb war Búri neugierig, wofür braucht der Holuško das Messer. Holuško hat ihm verraten, dass er im Wald nicht weit von hier ein Kaninchen gefunden hat und er will es schinden (wohl eher: „schlachten“). Stefan hat ihm sein Taschenmesser nicht geliehen, sondern ist mit ihm gegangen. Natürlich wollte Stefan sein Messer nicht verlieren, aber er war auch neugierig. Er hat doch schon eine lange Zeit kein Fleisch gegessen. So ist er mit Holuško ins Tal gelaufen. Als sie das Kaninchen geschunden und in zwei Hälften zerrissen haben, damit sie es besser verstecken können, ist dort ein Wachmann angekommen. Er hat sie angeschrieen und hat während des Laufens auch in Luft geschossen. Er dachte, dass sie abhauen wollten. Als der Wachmann mit anderen Soldaten die beiden festgenommen hat, wurden sie gewalttätig geschlagen und ins Lager gebracht. Sie haben sie so präsentiert, als ob sie weglaufen wollten und für die Flucht noch Essen besorgen haben. Lagerwachmänner haben gleich mit der Ermittlung angefangen. Dafür haben sie einen Dolmetscher, Herrn Hulira aus Martin (in der Slowakei) besorgt. Er war auch ein Gefangener und hat gut Deutsch gesprochen. Erst wollten die Deutschen die beiden vor allen als ein Beispiel erschießen lassen, damit alle wissen was passiert, wenn jemand weglaufen würde. Dann hat sich zum Glück herausgestellt, dass sie sehr gute Arbeitern sind, und haben auch dies Mal den ganzen Tag fleißig gearbeitet, und dass sie das Kaninchen nicht gestohlen haben sondern schon tot gefunden haben und nur was essen wollten. Also glücklicherweise hat keine Hinrichtung stattgefunden. Großen Verdienst daran hatte der Dolmetscher aber besonders der Arbeitsgruppenführer, der bezeugt hat, dass sie beiden fleißige Arbeitern sind, was man nicht über alle Gefangenen sagen kann. Also, es wäre schade, wenn die beide erschossen wurden. Im Endeffekt haben Búri und Holuško nicht nur ihre Leben retten können sondern auch etwas von dem Kaninchen übrig gehabt, was sie dann mit anderen Freunden zusammen gegessen haben. Leider waren die Lagerwachmänner noch nicht ganz zufrieden und haben sie am Abend nach der Arbeit wieder ausgeschimpft und noch geschlagen. Dann hat Búri mit Holuško in der Dunkelheit im Keller beendet. Sie mussten 14 Tage lang im Gefängnis bleiben, wo sie nur wenig Essen bekommen haben, weil sie nicht gearbeitet haben. Man kann aber nicht sagen, dass es denen, die nicht im Gefängnis waren besser gehen würde. Immer nur schimpfen, schlagen, arbeiten – das war mehr als was sie zum essen bekommen haben. Viele Gefangene wurden erschossen, weil sie vor Erschöpfung nicht mehr arbeiten konnten. Sie waren nicht mehr wertvoll. Viele sind einfach während des Schlafens in der Nacht gestorben. Die Gefangenen haben es erst am Morgen gemerkt, wenn sie aus dem Bett nicht aufgestanden sind. So sind auch Rudolf Filoncok aus Banska Hondrusa, Holecka aus Hronske Klecany, Jozef Bakaj aus Nová Baňa, Emil Šmondrk aus Velká Lehota und viele andere gestorben. Das Leid kann man nicht beschreiben. Die Wachmänner haben die Hölle mit ihrer Rohheit noch potenziert. Die Deutschen haben die Gefangenen sogar auch in den Schlafräumen geschlagen und ab und zu auch erschossen. Stefan Búri erinnert sich daran, als ein Gefangener Gabriel Tichý bei einer solchen Schießerei in einen Schlafraum einen Schock gekriegt hat und als ob er tot war auf dem Boden gefallen ist. Er wurde dann in einem Behandlungsraum transportiert und dort aufgeweckt. Die Gefangenen wussten darüber nichts und dachten, dass der Wachmann ihm erschossen und ermordet hat. Wegen Objektivität muss man auch das sagen, dass es unter den einheimischen Einwohnern viele Leute gab, die gegen die unmenschliche Behandlung waren und wenn es nur ein bisschen möglich war, haben sie ihnen etwas zum Essen gegeben. Viele Gefangenen erinnern sich an Herr Ernst Först, die Familie Schultze und andere die ihre Gefühle nicht verloren haben und ihnen freundlich geholfen haben. Natürlich war es nur wenig und selten und konnte nicht den Tausenden Gefangenen das Leben retten. S. 235/ 236: Nach der 14 – Tage langer Bestrafung im Keller sind die beiden Gefangenen so kraftlos geworden, dass sie die schwere Arbeit auf dem Flughafenbau nicht mehr schaffen konnten. S. 236-237: Sie wurden dann auf eine andere Baustelle in der Nähe von der Stadt Pößneck (gebracht?). Dort haben sie Häuser aus dem Holz für die evakuierten Deutschen gebaut. Nicht weit von diesem Ort war ein Schuttabladeplatz, auf dem der Abfall aus dem Krankenhaus gebracht wurde. Aus diesem übel stinkenden Ort ist für die Gefangenen ein Verpflegungsdepot geworden und war oft von ihnen besucht. Sie haben dort während ihrer Mittagspause oft etwas Kleines zu Essen gefunden, wie zum Beispiel ein Stückchen schimmliges Brot, Kartoffeln, Möhren – eine einfach die Speise für den hungrigen Gefangenen. Eines Tages haben sie dort einen erschossenen Hund gefunden. Sie haben ihn zertrennt und heimlich in einem Eimer gekocht. Die ganze Gruppe von 32 Männern hat etwas davon gegessen. Als sie so geschmaust haben, ist der Hautwachmann der Gruppe vorbei gegangen. Es hat ihm nicht gefallen, weil das Fleisch von dem Hund und alle Überreste krank sein könnten und falls die Männer erkranken wurden und gestorben wären, wäre es für den verantwortlichen Wachmann sehr schlecht. Die Kommandanten könnten sagen, dass er nicht gut aufgepasst hat und die menschliche Arbeitskraft nur so verschwendet hat. Das wäre gar nicht gut für ihn. Deswegen hat er Besuche von diesem Ort untergesagt. Falls jemand den Platz wieder besuchen sollte, würde er erschossen. Der Hunger ist aber ein schlechter Berater. Ein oder zwei Tage sind sie nicht dorthin gegangen, aber dann, wenn sie so unheimlich hungrig waren und wussten, dass sie dort sicherlich etwas finden können, haben sie sich getraut dorthin wiederhinzugehen. Sie dachten, ihnen drohe täglich die Erschießung oder Hinrichtung, also warum sollten wir es nicht riskieren und probieren. Eines tragischen Tages haben drei Gefangene den Schuttabladeplatz besucht und etwas zum Essen gesucht. Es war Búri, Pružinský und noch einer. Als sie sich da durchgegraben haben, haben sie Schüsse gehört. Gleich danach ist Jan Pružinský auf den Boden gefallen. Er war tot. Der Wachmann hat ihn in den Rücken geschossen. Búri und der andere haben sich gleich auf den Boden hingelegt und haben gewartet, überzeugt, dass sie hier wie der Hund ums Leben kommen. Im selben Moment hat ein anderer Wachmann ohne Arm, der etwas Gefühle hatte, zu dem mit der Waffe geschrien: Nicht schießen!!! Er hat wirklich mit schießen aufgehört. Trotzdem ist er ärgerlich gleich dorthin geeilt und hat die beiden Gefangenen erbarmungslos mit der Waffe geschlagen und ausgeschimpft. Dann hat er sie wieder zur Arbeit geschickt und erst am Abend nach der Arbeit konnten sie ihren toten Freund vom Schuttablageplatz abholen. Der Wachmann brauchte den toten Körper für seinen Ober als Beweis, dass der Gefangene nicht weglaufen hat lassen. Im Lager wurden sie bei dem Lagerkommando wieder verhört und wieder furchtbar geschlagen. Danach wurden sie wieder ins Gefängnis geschickt. Sie wären da bestimmt gestorben, wenn ein alter französischer Deutscher, der sie überwacht hat, nicht ab und zu etwas zu Essen gebracht hätte. Man sollte auch sagen, dass manche Gefangene aus der Slowakei auch als Hilfeköche gearbeitet haben. Leider kann man nicht sagen, dass sie all den Kranken oder Gefangenen mehr Essen gaben und damit helfen hätten können. Wenn ein Kranker oder Gefangener um mehr Suppe gebeten hat (die kranken und auch gefangenen Leute haben nur Halbportion zum Essen bekommen), waren die Köche unfreundlich und manchmal sogar aggressiv. S. 237/238: IV. Flucht aus der Gefangenschaft und qualvolle wandern nach Hause Nach vielen Tagen des Leidens ist endlich der Frühling 1945 gekommen, der für die Gefangenen bedeutete, dass die Tagestemperatur langsam steigt und angenehmer wird. Die Grausamkeit der Wachmänner war immer noch furchtbar und häufig. Man könnte denken, dass die Wachmänner den verlorenen Krieg rächen wollten und sie deswegen noch mehr geschlagen. Der Krieg war für die Faschisten und ihre Verbündeten so gut wie verloren. Im April wurde in Kleidembach (wieder eigentlich „Kleidenbach, Bogen beim n handschr. Ergänzt, M.B.) mit der Lagerliquidation begonnen. Die zerstörte und sowieso überlastete Eisenbahn durfte nicht mehr für Gefangenentransport benutzt werden. Deshalb, die die noch laufen konnten, wurden in Kolonnen gesammelt und sind irgendwohin marschiert. Die anderen, die nicht mehr gehen konnten sind im Lager unter der Aufsicht des Volksturms geblieben. S. 238-239: Angeblich hat sich dem Lager die US- Armee genähert und deswegen sind auch die Wachmänner vor Angst mit den Gefangenen geflüchtet. Das war eigentlich gut für den Rest, der im Lager geblieben ist. Endlich keine Schläge und Beschimpfungen mehr. Stefan Búri wurde in die letzte Kolonne eingeordnet, die das Lager am 13. April 1945 verlassen hat. Die Kolonne sollte westwärts nach Tschechien – Österreich wandern. Auf dem Weg, den die Gefangenen absolviert haben, haben viele menschliche Überreste gelegen. Es war schrecklich. Ein Gefangener, der so krank oder müde war, dass er nicht weiter marschieren konnte, wurde einfach erschossen. Die anderen Gefangenen mussten ihn dann aus dem Weg räumen, damit er nicht im Weg geblieben ist. Dann konnte die Kolonne weiter gehen. Am Abend sind sie in der Stadt Hof angekommen. Da wurden sie in vielen kleinen Scheunen untergebracht. Sie waren dort eingesperrt und vor der Tür hat ein Wachmann gewartet. Am morgen, zu ihrer Überraschung mussten sie nicht früh aufstehen und weiter marschieren. Etwas war los. Manche Gefangene dachten, dass die Deutschen nicht wüssten, in welche Richtung sie weiter gehen sollten. Es gab Gerüche, dass die Befreiungsarmee angeblich schon auf dem Weg war und zwar von Osten und sogar auch von Westen. Die Nahrung war hier wie immer schlecht und schwach. Es war nur ein paar Kartoffeln pro Tag. Manche Männer haben in den Scheunen sogar Gerste gegessen. Zumindest konnten sie sich ausruhen und ihren Körper ein wenig Erholung gönnen. Hier war das alles im Augenblick am Ende. Sie waren nicht mehr Gefangene. Die amerikanischen Flugzeuge haben alles zu bombardieren begonnen. Im Endeffekt war nicht nur die ganze Stadt zerstört, sondern auch viele Gefangene sind dabei gestorben. Auf der anderen Seite hat diese Bombardierung den Männern die Flucht ermöglicht. Eben so war es bei der Gruppe von Búri. Die Wachmänner haben sich während der Bombardierung wahrscheinlich im Keller versteckt, was den Gefangenen die Flucht ermöglicht hat. Sie sind aus der Scheune ausgebrochen, Gerste und sogar das Fressen für Schweine (gekochte Kartoffeln gemischt mit Gerste) mitgenommen und sind weggelaufen. Búri und die Gruppe sind durch die Stadt in den Wald gelaufen. Manche haben sich dann in kleine Gruppen getrennt und manche wie Búri sind allein weiter gelaufen. Am Ende der Stadt hat er ein Stück Brot gefunden und hat sich danach gleich im Wald versteckt. Er ist dort bis zur Dunkelheit geblieben. Erst dann hat er sich getraut weiter zu gehen und sich ein bisschen orientieren zu beginnen. In der Nähe von ihm war ein zerstörtes Flugzeug halb im Boden begraben. Er hat sich diesem langsam genähert, ob er da vielleicht etwas zum Essen finden würde. An diesem Beispiel kann man merken, wie es auf jemanden wirkt, der sich so lange ausgehungert hat. Er hat gar nicht gedacht, ob da jemand noch liegen könnte. Aber es war leer und er hat auch nichts zum Essen gefunden. Als er weiter ging, entdeckte er auf einem Feld ein paar Kartoffeln. Er hat sich sehr gefreut. Er hat die Kartoffeln gesammelt und ist wieder in den Wald gegangen, wo er das Feuer gemacht hat und die Kartoffeln gebraten hat. Als die Kartoffeln so gut gerochen haben, konnte er nicht mehr warten und hat die alle gegessen. Gleich danach hat er Bauchschmerzen gekriegt, ob es zu heiß war, oder noch nicht fertig, dass wusste er nicht. Gleich danach hatte er einen Durchfall bekommen. S. 239/ 240: Er hat sich selbst ausgeschimpft wegen seiner Ungeduld, aber dann dachte er, dass etwas Gerste die Schmerzen lindern könnten. So hat er Gerste gekocht und gegessen. Nach einer halbe Stunde war es schon besser, aber Bauchschmerzen hatte er immer noch. Er war aber trotzdem froh, dass er keinen Durchfall mehr hatte. S. 240-241: Den nächsten Morgen hat er vor der Frage gestanden: Wohin sollte ich jetzt? Er wusste nur, dass die Tschechoslowakei in der Richtung Osten liegt. Es war aber nicht so leicht die richtige Richtung zu finden. Manchmal war es den ganzen Tag bewölkt und er konnte gar nicht nach der Sonne gehen. Dann durfte er nicht durch die Städte gehen. Er musste sich oft verstecken, und deshalb hat er ab und zu seine Orientierung verloren. Einmal hat er nach einem langen Tag bemerkt, dass er schon einmal an derselben Stelle war. Dann hatte er aber das Glück, einen Schuttabladeplatz einer Stadt gefunden zu haben. Durchforsten eines Schuttabladeplatzes war er schon gewöhnt. Er war wieder so hungrig, dass er nach Essen gesucht hat. Erst hat er ein Glas mit etwas Marmelade gefunden. Als er die Marmelade ganz abgelegt hat, hat er da nur so spaziert und weiter nach etwa zum Essen gesucht. Auf einmal hat er eine Autolandkarte gefunden. So hat er sich schon lange Zeit nicht gefreut. „Jetzt werde ich mich nicht mehr verlaufen“, dachte er sich. Er hat die Stadt Ölßnitz, in der er war, auf der Landkarte gefunden und wusste jetzt in welche Richtung er weiterziehen musste. Auf dem Weg nach Hause war er immer mehr überzeugt, dass es zum Kriegsende langsam, aber bestimmt kommt. Das war in der zweiten Hälfte des Aprils. Auf dem Weg gab es immer mehr Gruppen von Gefangenen und viele davon waren schon ohne die Wachleute. Die sind wahrscheinlich schon irgendwohin geflüchtet. Dann hatte Búri auch mehr Mut die Wege zu verwenden. Damit konnte er viel Zeit sparen, weil er sich nicht mehr abseits der Wege verlaufen hat. Als er das erste Mal einen deutschen Soldat getroffen hat, hat er gesagt, dass seine Kolonne bombardiert wurde und er die Kolonne verloren hatte, aber jetzt suchte er nach ihr. Er hat zwar viele deutsche Wörter gelernt, trotzdem musste er noch seine Hände für die Vereinfachung der Konversation benutzen. Bei den nächsten Begegnungen mit den Deutschen hat er nicht darauf gewartet, dass sie fragen wer er ist und wo er herkommt. Er hat selbst als erster gefragt, weil es vertrauenswürdig gewirkt hat: „Bitte, Reise nach Ölßnitz? Nach der Stadt Ölsnitz wieder: Reise nach Adorf?“ …Reise nach Aš…? Einmal, als er vor einem großen Haus eine Pause gemacht hat, ist aus der Tür ein deutscher Offizier gekommen und hat Búri nach vielerlei Dinge gefragt. Als der Offizier bemerkt hat, dass ihm Búri alles versteht, hat er auf Tschechisch zu sprechen begonnen. Er wahrscheinlich ein Tscheche, der irgendwie in die deutsche Armee eingezogen worden ist. Er hat ihm Brot, Kaffee, und auch drei Zigaretten geschenkt. Er war wahrscheinlich kein Faschist, oder er hat sich nach dem Krieg umorientiert. Endlich hat er die erste Tschechoslowakische Republik erreicht. Trotzdem war es nirgendwo gekennzeichnet, weil dieser Teil Hitlers Reich angegliedert war. Er hat es aber gewusst, dass Aš eine slowakische Stadt war und in letzer Konsequenz war es auch auf der Landkarte genau so. Vielleicht hat das Stadtschild ein „bewusster“ Deutscher weggenommen, weil es die Vorkriegsgrenze demonstriert hat. Darauf könnte ein bewusster Faschist natürlich nicht schauen ohne Schuld zu fühlen, dass er den Führer insultiert. In Aš wurde er wieder von Deutschen kontrolliert, aber der Offizier hat ihn gleich wieder gehen lassen. Vielleicht hat er zu denen gehört, die schon langsam gewusst haben, wie viel Schlechtes und Trauriges sie in dem Krieg verursacht haben – und vor allem unnötig. Er hat vor der Stadt Cheb bei einem militärischen Flughafen wieder eine dramatische Bombardierung überlebt. Er hat es unbeschadet in einem Betonschacht überlebt. Kriegsbestürzung im Krieg war für ihn häufig und schon normal. Er hatte wieder Hunger und ist gleich nach der Bombardierung aus dem Schachte rausgegangen. Er ist in ein militärisches Haus gegangen und hat dort um Essen gebeten. Die Überlebenden haben ihm gerne etwas geschenkt. Weiter ist er durch Ždanov, Velké Hledsebe, Chodová Planá, Černošin, Stríbro gewandert, durch die die Grenzen von Hitler geziehen haben, und dann weiter nach Pils. Vor dieser großen westtschechischen Stadt hat er eine Stadt Krimice erreicht. Gleich nachdem es zu regnen begonnen hat, ist er angekommen. Er wollte hier übernachten. S. 242-243: Diese Stadt wird Štefan Búri nie vergessen. Nach der Lagerhölle hat er sich wieder als ein Mensch zwischen den Leuten gefühlt. Er ist in die Schule reingegangen, weil er wusste, dass die Schulen jetzt eine andere Rolle spielten und zwar als Herberge für die, die nach Hause wandern, Fluchtlinge, Evakuierte und Soldaten. An der Tür war ein Schild mit dem Name František Šebek. So hat auch sein erster Lehrer geheißen! War das nur Zufall? Oder ist es wirklich er? „Ich prüfe es“, dachte er sich. Er hat verängstigt an die Tür geklopft, aber sein Herz hat ihm ganz spürbar geklopft. Und - wirklich! Die Tür hat sein Lieblingslehrer geöffnet. Natürlich hat der Lehrer ihn nicht wiedererkannt. Er hat nur einen schmutzigen dünnen behaarten Gefangenen gesehen und nicht seinen Schüler. Es hat aber nur ein paar Sätze gebraucht und er war gleich herzlich bei ihm und seiner Familien willkommen. Sie haben ihm gleich einen Platz bei dem Tisch und viel zum Essen angeboten. Sie haben ihm auch Übernachtung angeboten, aber dieses Angebot hat er dankbar abgelehnt, und zwar wegen seinem hygienischen Zustand und es wäre auch für die ganze Familie gefährlich falls das Haus während der Nacht von den fanatischen Nazis durchsucht und er gefunden wurde wäre. Er hat lieber in der Herberge übernachtet, wo viele ihm ähnliche Leute waren. Den nächsten Tag hat er wieder bei dieser netten Familie verbracht. Sie haben an die Stadt Nová Baňa gedacht, die sie sehr gerne hatten. Sie mussten die Stadt bei der Slowakischen Staatsentstehung unter schlechten Umständen gegen ihren Willen verlassen. Trotzdem hat sich die Familie an die Slowakei im guten Sinn erinnert. Sie hatten viele schöne Erinnerungen an die Arbeit, Freunde, Schüler und an das Haus, das sie dort gebaut haben. Sie haben auch über den slowakischen Aufstand (SNP) gesprochen. Weiter ist unser damaliger Gefangener durch die Städte Nepomuk, Bistná, Sedlice und Pinek gewandert. Als er sich vor der Stadt Pinek entspannt hat, sind ungefähr 7 Autos mit den slowakischen Autokennzeichen vorbeigefahren. Er hat manche Leute im Auto erkannt. Da waren die damaligen Regierungsmitglieder mit Dr. Tiso. „Jetzt sind sie aber fertig mit regieren“, dachte er sich. Wie viel Schlechtigkeit habt ihr dahinten gelassen! Er hat vermutet, dass sie nach Österreich vor der sowjetischen Armee flüchten. Nach der Pause ist er nach Tábor fortgefahren. Er war schon außer Gefahr und hat sich wieder als Mensch gefüllt – besonders nach dem Besuch der Familie Šebek – es konnte jetzt nicht mehr nach dem Essen auf dem Schuttabladeplatz suchen. Er hatte aber einen großen Hunger und deshalb hat er ums Essen gebettelt, was er auch nicht gerne gemacht hat. Auf einer Seite war es ihm peinlich aber auf der anderen Seite wusste er, dass er zu Hause Ehefrau und Kinder hat und wollte natürlich nicht wegen Hunger sterben. Manche Leute waren nicht so nett aber trotzdem haben sie ihm etwas zum Essen gegeben und andere waren ganz lieb und gastfreundlich. Auch schlafen im Heuschober hat ihm nicht gefallen und darum hat er die Leute auch gebeten. Er wollte mindestens im Schuppen schlafen, aber auf der anderen Seite würde er nicht im Haus schlafen wie bei der Familie Šebek. Manche hatten Angst vor den Deutschen, manche waren mehr gastfreundlich. Es gab auch solche Fälle, wenn der Hauswirt dagegen war aber seine Söhne haben ihn davon überzeugt, weil sie auch schon im Lager waren und wussten wie schwer es sein kann. Als er dachte, dass seine Reise schon problemlos weitergeht, hat er auf dem Weg nach Písek auf einer Brücke durch Vltava eine deutsche Überwachungsrotte getroffen. Er musste mit ihnen in ihre Unterkunft in ein Gasthaus gehen. Hier hat er traurig gesessen, auf sein Schicksal gewartet und hat sich gedacht: „Sag niemals hopp, wenn du noch nicht springst!“ Aber am Ende hatte er doch Glück. Ein deutscher Soldat, der perfekt Tschechisch gesprochen hat, hat ihn bemitleidet, dass er auch aus der Stadt Hodonin ist und ist schon auch vom Krieg genervt. Dieses Mitleid hat ihm noch Mut gegeben. Dann ist aber ein bewusster deutscher Offizier angekommen und hat angeordnet, dass Búri mit anderen Soldaten in den Wagen nach Tábor muss, wo er vor das Kommando genommen wird. S. 243/ 244: Die Soldaten hatten keine Lust ihn festzuhalten und so ist er in der Stadt Tábor weggelaufen. Er hat dann den Weg aus der Stadt gesucht, wenn eine alte Frau ihn angesprochen hat. Sie hat gefragt, wo er herkommt und was sucht er. Er hat ihr die Wahrheit erzählt. Dann hat die nette alte Frau an einem Fenster geklopft und eine Frau hat es geöffnet. Die alte Frau sagte, „ Maria, gib mir ein Brotlaib!“ S. 244-245: Er hat sich überrascht bedankt und hat das Brot unter den Mantel versteckt. Dann ist er etwas ängstlich aus der Stadt weggegangen. Er war jetzt unsicher und ein bisschen erschrocken, weil er eine erneute Gefangennahme nicht erwartet hatte. Deswegen hat er nächste Nacht nicht um eine Übernachtung gebeten, sondern hat in einem Heuschober draußen geschlafen. Früh morgen ist er aufgestanden und in der Richtung Chýnov weitergezogen. Er hat in Richtung Geschützdonnern, das Tosen der Flugzeuge und allgemein Trubel gehört. Das alles hat bedeutet, dass er sich der Front nähert. Bei dieser Situation hat er das Dorf Kozmice erreicht. Eigentlich war er nicht mehr allein, weil er schon vorher einen Landsmann, Dominik Tužinsky aus Nová Baňa getroffen hatte und ist mit ihm weiter gewandert. In Kozmice haben sie einen netten Mann Jozef Sláviček aus Tschechien kennengelernt. Dieser gute Mann hatte in Kozmice einen kleinen Laden und hat auch auf ein paar eigenen kleinen Feldern gearbeitet. Er hat sie in seinem Haus versteckt und sie konnten bei ihm zwei Wochen bleiben. Er hat damit jeden Tag riskiert, wenn die Deutschen sie da finden würden. Sie durften hinten in einem kleinen aber sauberen Abstellraum bleiben, sich dort waschen, sogar auch rasieren. Sie haben von ihm neue saubere Hemden bekommen. Sie waren für das alles sehr dankbar und haben ihm und den ganzen Familie immer gerne geholfen. Einfach wie zu Hause. Die Hausfrau hat sie einmal gefragt, ob sie besondere Wünsche bezüglich des Essens haben, worauf Búri ängstlich gesagt hat, dass er schon seit einem Jahr keinen Schafkäsenocken gegessen hat. „Und können sie den Schafkäse vorbereiten?“, hat die Hausfrau gefragt. „Ich könnte es gerne probieren“ hat Búri gesagt. Nocken mit dem Käse und Spirkel /Sie hatten keinen Schafkäse/ hat der ganzen Familie sehr geschmeckt. In so einer guten Stimmung haben Búri und Tužinký die letzten schönen Tage bei dieser netten Familie verbracht. Nur ab und zu hatten sie ein bisschen Angst, ob die Faschisten sie nicht im letzten Moment fangen und erschießen, wie es in vielen Fällen passiert ist. Dann haben sie noch ein großes Ereignis erlebt, als durch das Dorf eine Volksmusikband gezogen, gespielt und gesungen hat. Alle haben mitgesungen und auf den Häusern die Tschechoslowakische Flagge aufgestellt. Die Leute haben sich sehr gefreut. Auf der Straße war auf einmal auch die Volksmiliz, die die Kollaborateure festnehmen wollte. Nach dem neunten Mai haben Štefan Búri und Dominik Tužinsky die sorgsame Familie verlassen und sind weiter in der Richtung Ost in die Slowakei gewandert. Búri hat mit dieser tschechischen Familie noch viele Jahre Briefe geschrieben – bis Herr Sláviček gestorben hat. Dann sind die damaligen Gefangenen durch Jihlava gegangen, wo sie neue Schuhe und Verpflegung bekommen haben. Danach sind sie weiter Richtung Brün gewandert. Nach dem Kriegsende waren die Wege schon nicht mehr so gefährlich wie vorher, aber ab und zu gab es immer noch bewaffnete faschistische Einheiten, die sich in den Wäldern versteckt haben und die Leuten bedroht haben. Aber die Situation war immer besser und besser auch wegen immer mehr Volksmilizen. Auf dem Weg nach Hause haben sich die Mitgefangenen aus den verschiedenen Konzentrationslagern manchmal getroffen. Búri erinnert sich besonders an seinen Freund, Aloiz Korenek aus Halenkovo bei Vsetín, aus der Todesfabrik, mit dem schreibt er immer noch viele Briefe. Der Fußmarsch war in Brün beendet, weil sie weiter mit dem Zug gefahren sind. Sie haben den w angeschaut, wie schnell es sich zu der Heimat nähert – sie waren gleich in Břeclav. Hier wurden sie von den sowjetischen Soldaten herzlich willkommen und verpflegt. Dann sind sie weiter durch Kúty in die Stadt Trnava gefahren, woran erinnert sich Búri bitter. In der Nähe von dem Bahnhof sind sie in ein Haus gegangen und haben um Wasser gebeten, weil auf dem Bahnhof keines war und sie lange nichts getrunken hatten. Zu ihrer negativen Überraschung wurden sie aus dem Haus geschmissen – diese Familie hat der Krieg bestimmt schwer getroffen. S. 245/246: Den letzten Teil mit dem Zug sind sie nach Nitra gefahren. Sie sind dann in einem rumänischen Militärfahrzeug nach Levice mitgefahren. S. 246-247: Die Eisenbahn von Levice nach Nová Baňa war immer noch nicht repariet, deshalb musste Búri dieses letzte Gebiet mit einem Pferdegespann, das für Postlieferung angesetzt war, fahren. Letztendlich ist er am 16. Mai 1945 zu Hause angekommen. Er hat die Tür seiner Wohnung geöffnet und war ganz glücklich, dass er seine Familie in Ordnung gefunden und wieder getroffen hat, dass er die ganzen schlechten und schweren Zeiten überlebt hat, dass der Faschismus endlich gefallen ist, hauptsächlich mit dem Verdienst der Sowjetunion – des großen, starken sozialistischen Landes, das er schon seit seiner Kinderzeit bewundert hat. Der letzte schlechte Moment war vielleicht, als er seine eigene Küche betrat und seine Ehefrau ihn im ersten Moment nicht erkannt hat– sie konnte auf den ersten Blick den überalterten, verelendeten Mann nicht gleich erkennen – aber die Zeit hat alles schnell geheilt. S. 246-247: V. Schaffen von der freigestellte Heimat (wohl eher etwa: „Beim Aufbau der befreiten Heimat? M.B.) Wenn Búri etwas Zeit mit seiner Ehefrau und Kindern verbracht hat, hat er als erste Person Jozef Moravský besucht. Herr Moravský war ein Vorsitzender in der lokalen Organisation KSS (kommunistische Partei der Slowakei) in Nová Baňa. Als Búri noch im Konzentrationslager war, hat er in schwierigsten Zeiten oft gedacht, dass wenn er das alles überlebt, wird er gleich die Arbeiterpartei in Nová Baňa besuchen. Er hat schon als Student dort mitgeholfen und jetzt war er überzeugt, dass nur die kommunistische Partei die Faschismuswiederholung verhindern kann. Sein alter Traum hat sich schnell nach der Heimkehr erfüllt und er ist am 17. Mai 1945 Mitglied der KSS geworden. Seine gutwilligen Garanten waren die alten neumontanen Kommunisten – Štefan Holý, älter, war Mitglied seit dem 1924 und Štefan Tužinský, Mitglied seit dem Jahr 1932, für die er noch als Minderjähriger in ČSR und dann noch öfter in dem Slowakischen Staat gearbeitet hat. Als er sich nach sechs Wochen körperlich erholt hat, begann er seine Arbeit. Er hat als Arbeiter beim Eisenbahnwiederaufbau Svätý Kríž – heute Žiar nad Hronom gearbeitet. Er hat dort bis 17.7.1945 gearbeitet und dann wurde nach Levice versetzt. Hier hat er bei Gebäudewiederaufbau und dann bei der Gebäudeerhaltung gearbeitet. Auf der neuen Stelle hat er sich schnell durchgesetzt und hat das Vertrauen der Oberen gewonnen, besonders bei Parteiorganen. Also in einer kurzen Zeit war er in den Bezirksausschuss der KSS in Levice gewählt. Damals war KSS in Levice von dem Hauptsekretär Anton Štrbik geführt. Im Februar 1948 hat er sich eifrig bei der Organisierung der Volksmiliz in Levice engagiert. Im Jahr 1949 war er abberufen, damit er sich ausschließlich für politische Interessen konzentrieren konnte. Er hat dann sechs Monate an einer Schulung in der Hauptpolitischen Schule in Harmonia teilgenommen. Nach der erfolgreichen Schulung ist er Hauptsekretär des Bezirksausschusses KSS in Levice geworden. / Man muss noch bemerken, dass er noch vor seiner politischen Karriere in 1946 mit seiner Familie nach Levice umgezogen ist. Er wurde schon im Jahr 1950 nach Bratislava versetzt und wurde mit einer wichtigen Aufgabe beim ersten Anstaltsausschuss der KSS beauftragt. Das Vertrauen der Partei hat er immer geschätzt und gab immer sein Bestes, abgesehen davon, dass seine Gesundheit nach der Zeit im Lager nicht besonders gut war. Häufige Reisen, unregelmäßige Ernährung und wenig Entspannung verschlechterten seinen Gesundheitszustand. Er ist krank geworden. Deshalb hat er einen Antrag auf Entlassung von dieser Arbeitsfunktion gestellt, damit er nach Levice zurückkehren konnte und dort sein Gesundheitszustand verbessern konnte. S. 247/248: Als er wieder gesund war, wurde er im Jahr 1953 mit der Führung des dritten Ausschuss ONV Levice beauftragt. S. 248-249: In dieser Funktion war er bis zur nächsten Wahl im Jahr 1954 tätigt. Dann wurde er für die Mitgliedschaft im Vorsizt ONV und gleichzeitig zum Vizevorsitzenden in ONV ausgewählt. In der Zeit hatte er wieder zu viel Arbeit, war oft unterwegs und hat sich auch nicht gesund ernährt. Deshalb hat er mit dieser Funktion nach dieser Wahlperiode im Jahr 1957 aufgehört und hat weiter mehrere Jahre als Meister im Eisenbahnaufbau und gleichzeitig als Vorsitzender bei der KSS in Levice gearbeitet. Nach ein paar Jahren ist sein Gesundheitszustand wieder schlechter geworden und im Jahr 1963 musste er seinen Magen operieren lassen. Nach der Rekonvaleszenz hat sich seine Gesundheit verbessert und er könnte noch weitere sechs Jahren im Eisenbahnaufbau und in der Politik arbeiten. Die Politikkrise im Jahr 1968 hat sein marxistisches internationales Denken nicht erschüttert und er hat weiter seine Organisation erfolgreich geführt. Beweis dafür war, dass er im Jahr 1969 von OV KSS als Mitglied der Überprüfungskommission in ZO Eisenbahndepot Levice delegiert wurde. Im Jahr 1969 hat sich seine Gesundheit plötzlich wieder verschlechtert, was aufgrund der nervlichen Anspannung wegen des schweren Jahr 1969 passiert ist. Er musste im Mai 1969 sogar zwei Mal operiert werden. Am 1.8. 1971 ist er ein invalider Pensionär geworden. Trotzdem war er immer weiter politisch tätigt. Als seine Gesundheit wieder besser war, hat er in einer höheren Funktion als Generalsekretär bei ZO SZPB in Levice weiter gearbeitet. Diese Sektion war mit 250 Mitgliedern die größte, nicht nur in Levice sondern auch in den breiteren Rahmen. Er war sehr fleißig und stolz auf diese Funktion, was auch beweisen kann, dass nach ein paar Jahren in dieser Funktion fast alle Mitglieder der Organisation, ihre Schwierigkeiten, oder Gesundheitszustände gekannt hat. Zudem hat er schon viele Jahre bei einer Organisation für Tschechoslowakische – sowjetische Freundschaft gearbeitet. Jetzt, wenn er schon nicht mehr politisch tätig ist, sondern er die Zeit zu Hause bei seiner Familie genießt, sieht er, dass das alles was er und seine Mitarbeitern geschafft haben, sehr wichtig für die nächste Generationen war. Er ist sicher, dass seine Arbeit nicht vergeblich war, dass auch trotz der Feinde, die auch zwischen uns leben und ihre Abgeneigtheit, schreiten wir siegreich zu dem Ziel des Kommunismus. Er muss oft an die Vergangenheit im Kleindenbach, wo die Leute heutzutage in Frieden und Ruhe leben, denken - wo er damals solche furchtbaren Situationen erlebt hat, wo tausende Soldaten gestorben sind – darüber wissen die jungen Leute heutzutage nur sehr wenig. Hoffentlich erinnern sie sich manchmal daran, wenn man über die Delegationen der Gefangenen spricht, wenn sie das große Grabmal der tausenden Soldaten besuchen. Auf der höchsten Seite sieht man auch die Grenze, wo ein Grab für 178 Soldaten steht. Ein Grab mit dem Rufzeichen – als er „die Grenze des Friedens und Sozialismus bewachen würde. Auszeichnung und Belobigung Bei den wichtigsten Gedenktagen dekoriert die Brust von Štefan Búri 13 Prämierungen – Medaillen vor allem für die „Aktive Tätigkeit in SNP“, „ Für das Verdienst im Aufbau“ oder „ Für aufopferungsvolle Arbeit für Sozialismus“. Außerdem, hat er noch 14 Anerkennungen und 4 Plaketten – zusammen 31 Beweise über eine Person, die nicht grundlos gelebt hat. /Verarbeitet von: Juraj Červenák/ Bild auf Seite mit Fotographien zwischen S. 146 und 147 (Rückseite)

Namen und Schlagwörter

  • Slowakei
  • Slowakischer Nationalaufstand
  • Kleindembach
  • Walpersberg
  • Kahla
  • Zwangsarbeit

Quellen und Nachweise

  1. Bojovali za slobodu a pokrok, Levice 1985