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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage K. I. Bogdanow

Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von K. I. Bogdanow.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
K. I. Bogdanow
Rolle
ehemaliger Zwangsarbeiter
Ort
Kahla / Walpersberg
Zeitraum
1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
Herkunft
unbekannt

Überlieferung und Kontext

e Bogdanov, К. I., Fragebogen vermittelt von der Belorusskij Respublikanskij Fond „Vzaimoponimanie i Primirenie“ [Belarussischen republikanischen Stiftung "Verständigung und Aussühnung"]. Богданов К. И. Bogdanov, К. [. (geschrieben mit —a) Ich bin am 22.März 1929 geboren, im Dorf/ Siedlung Глуша in der Obl. Mogilev. Am 4. Juni 1944 wurde unsere Siedlung von Freiwilligen der ROA umzingelt und ich wurde mit einem Zug aus Bobruisk nach Deutschland gebracht und kam am 6. Juni in Erfurt an. Ich kam in Quarantäne und dann ins Lager Freienorla bei Kahla. Ich habe Ende Juni angefangen zu arbeiten. Welches Lager es genau war weiß ich nicht, ich war dort bis zum Ende des Krieges. Die Lebensbedingungen waren eben wie in einem Lager. Es gab einen Ofen zur Beheizung, Decken waren auch da. Wir haben keine Kleidung von den Deutschen erhalten, nur Holzschuhe. Das Essen im Lager war schlecht, und auf der Arbeit auch. Der Arbeitstag begann normal, wir wurden durch Polizei zur Arbeit gebracht, es waren vielleicht 4 bis 5 Kilometer. Appelle gab es nicht. Die Tagesnorm bestimmte der Meister — geh zum Meister, und der schreibt auf, was du zu machen hast. Unser Meister hat seine Arbeit getan und war nicht schlecht. Bezahlt wurden wir nicht. Ich habe keine andere Arbeit als diese erledigt. Mit der Heimat oder Insassen anderer Lager hatten wir keinen Kontakt. Alle wurden gleich behandelt. Mit Arbeitern anderer Nationalität hatten wir keinen Kontakt. Es gab keine Familien und auch keine Wachen in unserem Lager. Ich habe keine Ahnung, ob es Denunzianten unter den Arbeitern gab, vielleicht gab es sie nicht, und ich weiß auch nichts Genaues über Unterschlagungen. Im Lager selbst gab es keine Morde oder brutale körperliche Taten. Über Regeln und „Richter“ weiß ich nichts. Deutsche Arbeiter gab es im Lager nicht, die Verwaltung behandelte uns normal. Mit der Zivilbevölkerung hatten wir keinen Kontakt und es gab auch keinen Austausch. An Bestrafungen beteiligten sich die Zivilisten nicht. Was Hilfe angeht — die Deutschen waren nicht mit den Arbeitern verbunden. Fluchtversuche aus dem Lager gab es nicht. In Orlamünde gab es ein Lazarett, dort war ich einen Monat und ein Arzt kam einmal wöchentlich und behandelte Wunde am Fuß mit den Händen — Salben und Medikamente gab es nicht. Dort waren auch Feldschere und Sanitäter. Es gab auch eine Baracke für ganz besonders schwache Arbeiter. Als ich in Orlamünde im Lazarett war, habe ich einmal die Tür aufgemacht und da ging ein Polizist mit Hund. Er forderte mich auf eine Schüssel zu bringen und gab mir die Schüssel voller Suppe — die war so gut, dass ich sie nicht vergessen kann. Was die Sterblichkeit angeht, so weiß ich von zwei toten Leuten aber sonst nichts Genaueres. Ich habe in Kahla zwei Tage gearbeitet, aber wann das war weiß ich nicht. Wir waren 30 bis 40 Leute und haben Erdlöcher gegraben um Tote zu beerdigen. Diese wurden einfach hineingeworfen (Massengräber). Sie waren schon ganz grün und verfault und die Läuse waren so groß, dass mir schlecht wurde und ich bin umgefallen. Der Meister schrie und jagte mich weg und ich wurde nicht mehr in Kahla eingesetzt. In den letzten Kriegstagen wurde unser Lager unter Waffen evakuiert. Wir sollten zu Fuß gehen unter der Drohung, erschossen zu werden — die Leute sind weggelaufen und haben sich gerettet wie sie konnten. Wir waren auf amerikanischem Gebiet, und die Amerikaner haben uns an die sowjetische Regierung geschickt nach Wolkenhain, wo wir 2 Woche in Quarantäne waren. Ich war in sehr schlechter physischer Verfassung. Ob jemand vom Lagerpersonal verhaftet wurde weiß ich nicht mehr. Im Oktober 1945 kehrte ich in die Heimat zurück. Zuhause in meiner Siedlung herrschte Hunger. Ich arbeitete später in der MTS (Traktorenstation). Zu Hause war meine Mutter und meine zehnjährige Schwester. Ich stelle mir vor wie das Werk heute aussieht...

Namen und Schlagwörter

  • Zeitzeuge
  • Walpersberg
  • Neu-OCR

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)