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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Jan Zaborsky

Erinnerungen aus der Levice-Anthologie ueber Jugend und illegale Kontakte, Partisanentaetigkeit, Gefangennahme im November 1944, Transport ueber Weimar/Morzdorf nach Kleindembach, Zwangsarbeit am Flugplatz, Flucht, weitere Gefangenschaft und Rueckkehr im Juli 1945.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Jan Zaborsky
Rolle
Slowakischer Partisan und Zwangsarbeiter
Ort
Kleindembach / Kahla / Walpersberg
Zeitraum
1944-1945
Herkunft
Slowakei

Überlieferung und Kontext

S. 303 – 314 Erinnerungen von Ján Záborský S. 303: „Bei der Famile Záborský gibt es einen Jungen“ Fünfzehn Kilometer östlich von der Stadt Levice befindet sich in einem Tal unter Štiavnické Gebirge ein kleines Dorf mit 500 Einwohner – Brhlovce. Hier lebt ein armer Schmied und gleichzeitig Landwirt mit dem Name Záborský. Während eines kalten Winters ist am 8. Januar 1927 endlich ein lange erwarteter Junge Jan geboren. Auf Jan hat sich auch seine 4-jährige Schwester Julia sehr gefreut. Sein Vater wusste, wo seine Stelle ist und war die Rechte Hand von dem geehrten Führer der lokalen Kommunisten, dem Jozef Kolár. Jan hat seine Kindheit frei genossen, weil seine Eltern sehr beschäftigt mit der Arbeit waren und deshalb hat seine Schwester Julka auf ihn aufgepasst. Nach dem Abschluss der lokalen Volksschule hat er die nahe liegende Bezirksschule in Bátovce besucht. Er ist meistens zu Fuß hin und zurückgegangen. Als er noch in der Schule war, hat er – wahrscheinlich unbewusst - für die kommunistische Partei Dienst gemacht, wenn er Briefe von dem Vorsitzenden der Partei von Brhlovce nach Bátovce, oder von Kommunisten in Batovce zu Kollar nach Brhlovce gebracht hat. Jetzt geben wir das Wort allein dem Jan Záborsky, der heute schon viele Jahre als Vorsitzender der MNV in Brhlovce und gleichzeitig als Vorsitzender der OV SZPB in Levice tätig ist. S. 303/304: Der Junge Ján und Ladislav Exnár Nach dem Abschluss in der Bezirksschule war kein Geld mehr für das Studium zur Verfügung, ich musste mir eine Arbeit suchen. Ich war ein mutiger Junge und wollte mir selbst eine gute Arbeit suchen. „ Also wenn du willst, gehe ich nach Štiavnica und probier mal dort eine Arbeit zu finden“, hat ihm sein Vater empfohlen. S. 304 – 305: Ich war mit dem Vorschlag meines Vaters einverstanden. Weil wir keine Geheimnisse vor dem Nachbar Kollar hatten, habe ich gleich von ihm eine Aufgabe bekommen: eine vertrauliche Akten /KSS war in dieser Zeit schon ein paar Jahren verboten, das war im Jahr 1942/ für einen Werkstattbesitzer in Banská Štiavnica, der wahrscheinlich auch Mitglied und Funktionär der illegalen stattlichen Organisation war. Ich habe zwar schon früh morgen das Haus verlassen, aber nach Štiavnica kam ich erst am Abend. Als ich schon in Štefultovo war, habe ich noch eine kurze Pause gemacht um wieder Mut zu fassen, wenn ich die Werkstatt in Štiavnica suchen werde. Als ich dort auf der Bank gesessen habe, ist ein Mann zu mir gekommen, der mir sehr vertraut war. Ich habe ihn auf jeden Fall schon in Brhlovce gesehen und ich denke, dass er bei unserem Nachbar Kolár war. Er hat mein Vertrauen bemüht und deshalb habe ich ihm alles erzählt, wonach er gefragt hat: dass ich Sohn von Záborský aus Brhlovce bin, dass ich hier eine Arbeit suchen will und auch, dass ich eine Lieferung von unserem Nachbar Kolar für den Werkstattbesitzer habe. Dann hat er sich auch vorgestellt. Mein Junge, ich war schon bei deinem Vater, wir haben uns in dem Werk auch mit Herrn Kolar getroffen. Ich bin der Exnár. Ich habe auch dich schon gesehen und du mich auch, aber jetzt trage ich den Schnurrbart und die Koteletten, deshalb hast du mich nicht erkannt. Die Polizei sucht nach mir, deshalb habe ich jetzt auch einen anderen Name. Ich heiße Luptak und wie du an meinem Anzug siehst, bin ich ein Förster. Diese zufällige Begegnung mit Herrn Exnár hat mich sehr gefreut. Erst jetzt habe ich mich daran erinnert, dass die Akten eigentlich für Herrn Exnár waren. /“…aber den würdest du nicht finden, weil er sich versteckt, die Akten wird ihm der Werkstattbesitzer bringen…“/ Dann dachte ich mir, dass Herr Exnár auch eine Arbeit für mich finden könnte, vielleicht auch in der Werkstatt. Mit der Zeit war es schon dunkel und kalt geworden. „Es macht keinen Sinn noch jetzt nach Štiavnica zu gehen, weil die Werkstatt schon geschlossen ist und wer weiß, wo der Besitzer Daninger ist.“, hat Exnár gesagt. In letzter Konsequenz ist der Brief für mich – gib es mir und komm mit mir. Hier in Štefultovo habe ich meine Arbeit und du kannst dort bei meinem Bekannten übernachten. Am Morgen kannst du nach Hause gehen. Ich versuche dir eine Arbeit zu besorgen, auch wenn es zurzeit schwierig ist, hat Exnár angeboten. Ich sage dir über Kolár bescheid. So hat meine Zusammenarbeit mit Exnár angefangen. Exnár hat dann für mich, den 15-jährigen Junge aus dem Dorf, in Štiavnice keine Arbeit gefunden. Letztendlich hat mein Vater für mich die Arbeit bei einem Steinbruch in der Nähe von Batovce gefunden. Der Steinbruch hat dem Bürgermeister Homola gehört. Als unreifer Junge habe ich mich zwischen meinen Freunden gerühmt, dass ich Kontakte mit Kommunisten habe und auch einen Revolver von ihnen bekommen habe /wo würde ICH eine Waffe schon herkriegen/, aus der ich während eines Fests schießen habe. Wahrscheinlich hat mich jemand verpfiffen, weil ich einmal im Frühling 1943 auf einem Fest von den Polizisten gesucht wurde. Ich wusste, dass es sich bestimmt um die Waffe handelt und habe den Revolver heimlich meinem Freund gegeben. Die Polizei hat mich durchgesucht, aber nichts gefunden. Auf die Fragen über meine kommunistischen Kontakte habe ich mutig reagiert und habe es geleugnet. Diesmal hatte ich Glück. Ein ernster Vorfall war im Herbst 1943, wenn ich und meine Freunde von der illegalen Flugblattverbreiterung beschuldigt wurden, was sich auf Beweisen begründet hat. Die Flugblätter hat eine Hebamme Vágnerová aus Ungarn gebracht. Ihr war erlaubt die Grenze frei zu überschreiten, weil sie auch in einem Dorf in Ungarn als Hebamme tätig war. In diesem Fall hat mir die Tatsache geholfen, dass ich für den Regierungskommissar gearbeitet habe. Er hat der Polizei gesagt, dass „… mein Angestellter Ján hat damit nichts zu tun…“ und ich wurde denselben Tag entlassen. Weil ich auch wegen Brieflieferungen verdächtig war, hat mich auch eine Finanzüberwachungsgruppe verfolgt. Sie hat mich mehrmals durchsucht aber glücklicherweise haben sie nichts gefunden. S. 306: In der zweiten Hälfte des März 1944 habe ich eine wichtige Aufgabe von Kolár bekommen, der als Vorsitzender der illegalen Organisation tätig war. -Jan, nimm die Axt und einen Korb und gehe in den Wald Richtung Žemberovce. Dort beginnst du zu arbeiten. Aus Žemberovce sollte Exnár kommen, aber jemand hat uns verpfiffen und die Polizei wartet schon auf ihn irgendwo auf dem Weg. Ihr werdet warten bis es dunkel wird und dann kommt ihr hierher. Aber nicht in mein Haus, weil es überwacht wird. Ihr werdet von hinten zu dir gehen. Wir treffen uns alle dann hinten in dem Werk deines Vaters. Ich hatte noch nicht zu arbeiten begonnen und Exnár war schon da. Ich habe mich sehr gefreut als er meinte, dass ich ein mutiger Junge sei, und dass ich sogar schon auch ein Partisan sein könnte. Wir haben uns dann versteckt und ein paar Stunden dort zusammen verbracht. Ich habe die erste politische Schulung bekommen, die mein kommendes Leben wesentlich beeinflusst hat. In dem Werk meines Vaters hat Exnár eine lange Besprechung gehabt. Nächsten Tag hatte Exnár weitere Pflichten und musste uns schon wieder verlassen, aber die Polizisten waren immer noch im Dorf. Dann ist es ihm mit der Hilfe von Julia gelungen. Meine Schwester Julia war schon 20 Jahre alt. Sie hat den Dung aus dem Dorf in einem Wagen hinausgeführt. Sie haben im Wagen zuerst ein sauberes Stroh aufgelegt, dort hat sich Exnár hingelegt und auf ihn haben sie noch eine Decke gelegt und zum Schluss noch viel Stroh mit trockenem Dung. Dann hat die mutige Julia Herrn Exnár im Wagen aus dem Dorf weggebracht. S. 306 – 307: Wie ist von Ján ein Partisan geworden Im August 1944 hat mich mein Vater zu einem Herr Korbela zum helfen zugeschickt. Er war ein Freund von meinem Vater, Kommunist und auch Mitarbeiter von Ladislav Exnár. Spät am Abend sind zu Herr Korbela zwei Russen, Flüchtigen aus dem Konzentrationslager in Österreich angekommen. Sie hatten dabei einen Empfehlungsbrief von einem illegalen Mitarbeiter. Nachdem Korbela den Brief gelesen hat, hat er lange mit den Flüchtigen gesprochen /er könnte auf Russisch sprechen, weil er die Sprache während des ersten Weltkrieges gelernt hat, als er in einem russischen Gefängnis war/ und dann hat er sich auf mich umgedreht: Ján, diese russischen Brüder wollen sich in den Bergen mit den Partisanen treffen. Sie würden es alleine nicht schaffen, denn sie sprechen kein slowakisch. Auf dem Weg können sie bei den deutschen oder unseren Faschisten gefangen werden. Ich kann jetzt nicht das Haus verlassen, aber du kannst. Du bringst sie in das Dorf Sklabina in der Nähe von Martin. Hier, hast du einen Brief für unseren lokalen Mitarbeiter. Wenn ihr in Öffentlichkeit anderer seid, dann sprichst du und unsere russischen Freunde bleiben still. Hier hast du noch zwei hundert Kronen – das wird für den Weg reichen. Ich werde deinem Vater sagen, wo du bist, keine Angst! Früh morgen hat uns Herr Korbela aufgeweckt. Seine Ehefrau hat uns Essen für den Weg vorbereitet und wenn die Sonne ausgegangen ist, waren wir schon ein paar Stunden auf dem Weg nach Banská Štiavnica. Danach sind wir mit dem Zug „Anna“ nach Hronská Dúbrava gefahren. Und dann sind wir eines Umwegs wegen meine Unerfahrenheit durch Banská Bystrica nach Martin gefahren. Da hat uns ein Bahnbedienstete nach Sklabina gerichtet. Dorthin sind wir am Abend angekommen und glücklich war, dass uns niemand kontrolliert hat. In Sklabina haben wir erst eine Pause gemacht. Dabei habe ich erfahren, wo die Person wohnt, der ich die Gäste von Korbela bringen sollte. Sie haben uns herzlich bewirtet. Sie haben für uns das Abendessen gekocht und den Platz für Schlafen eingerichtet. Als ich morgen aufgestanden bin, waren die Russen schon weg. Der Partisanenkommandant hat sie abgeholt als du noch geschlafen hast, wurde mir erzählt. Ich wollte aber nicht mehr nach Hause gehen, sondern wollte hier bleiben. Ich muss doch Partisan werden! Auch Herr Exnár hat es mir gesagt! Ein paar Tagen habe ich einfach im Dorf herumgebummelt – bis der Sonntag 21. August 1944. S. 307/ 308: Dieser Sonntag war in Sklabina einen wichtigen Tag. Auf die Häuser wurden tschechoslowakische Flaggen aufgehängt und der lokale revolutionäre Nationalausschuss hat die Erneuerung der Tschechoslowakischen Republik gefeiert. Das Dorf war voll von den Soldaten aus Martin und Partisanen aus den Bergen. S. 308: Manche Kommandanten haben die Junge und Männer in den Militärischen – oder Partisaneneinheiten eingeordnet. Ich habe mich dabei auch gemeldet – natürlich bei den Partisanen. Ich habe zu den jüngsten gehört, weil ich erst 17 Jahre alt war. Ich wurde zu der Partisaneneinheit des Kapitäns Jozef Pristach zugeordnet. Mit dieser Einheit bin ich dann in den Tal Spanná umgezogen, wo unser Stab war. Da haben wir die Militäruniform gekriegt und eine militärische Schulung absolviert, damit wir kämpfen und die Waffen benutzen lernen. Wir haben natürlich auch eine politische Schulung bekommen, damit wir wusste, wofür wir kämpfen werden. Im September 1944 haben wir ein paar Attacken gegen Deutschen unternommen. Einer der größten Angriffe war gegen eine deutsche motorisierte Kolonne in der Nähe von Vrútky und noch ein paar im Umgebung der Stadt Martin, die damals schon von den deutschen Faschisten okkupiert wurde. Nachdem der Aufstand in den Gebirgen eingedrückt wurde, haben wir unsere Standposition oft verändert. Dort haben wir für uns unterschiedliche Verstecke gebaut, letztes Mal war es Jelenske Gebirge. Am 11. November 1944 bei dem Eintritt ins Dorf Balaze, war ich leicht vor einer Minne auf meinem Bein verletzt. Gleich danach war unsere Gruppe von 10 Personen bei den Deutschen festgenommen und nach Banská Bystrica in ein Gymnasiumgebäude verschleppt. In diesem Gebäude waren schon viele Gefangene. S. 308 – 309: In das Konzentrationslager Im Gebäude mit mindestens 100 Gefangenen haben die Deutsche den Männer individuell verhört und wenn jemand zu den Partisanen gehört hat, wurde er angeblich erschossen. Ich habe zwar die militärische Uniform an aber niemand würde mir glauben, dass ich schon ein Soldat bin, weil ich erst 17 bin. Es ist gerade dunkel geworden und ich habe mich für einen radikalen Schritt entschieden - ich muss jetzt fliehen! Ich habe einen Wachmannes gefragt ob ich aufs Klo gehen darf. Wir waren in der ersten Etage und auf dem Klo gab es ein enges Fenster. Es ist gelungen und ich bin aus dem Fenster auf ein Holzdach gesprungen. Es war wahrscheinlich ganz alt und gefault, weil ich auf einmal durch das Dach unten gefallen bin. Glücklich ist mir nichts passiert. Ich habe mich in einem Holzschuppen befunden, der aber verschlossen war. Soll ich die Tür ausbrechen? Sie würden mich bestimmt hören und mich wieder fangen und erschießen. Dann ist dort auf einmal eine Frau angekommen um etwas Holz abzuholen. Ich habe nicht mehr gewartet und bin gleich weggelaufen. Ich bin ganz schnell wie es möglich war aus der Stadt gelaufen. Später, bei der Stadt Radvaň habe ich mehrere Männer erreicht, die auch wie ich entlaufen sind. Einen von Ihnen habe ich erkannt. Das war ein Bekannter Krnač aus Brhlovce. Weiter sind wir zusammen nach Hause gewandert. Wir sind in der Richtung Zvolen gegangen, weil Krnáč dort eine Familie hatte. Auf dem Weg hatten wir leider nicht so viel Glück und in der Nähe von Budča wurden wir wieder bei den Deutschen gefangen. Sie haben und diesmal in einem Kindergarten gebracht, wo schon andere Gefangene waren. Hier sind wir nicht lange geblieben, weil das Gebäude nicht überwacht war, sind wir durch das Fenster entlaufen. Danach haben wir die Familie von Krnáč besucht. Sie hatte Angst uns zu verstecken und deshalb haben sie uns beraten, wie wir entlang des Flusses den Weg nach Hause finden. Leider hat es hier nicht geklappt. Als wir durch die zerstörte Brücke auf die andere Seite gegangen sind, haben uns die Deutschen wieder gefangen. Sie haben uns dann nach Hronska Dúbrava genommen und danach auch mit anderen Gefangenen nach Štubianske Teplice. Hier haben sie uns in den Waggon gesteckt und irgendwohin geschickt – wo, das wussten wir nicht. Als der Zug in Bratislava gewartet hat, hat uns ein Eisenbahner beraten, dass wenn wir etwa Mut haben, sollten wir dann aus dem Zug ausspringen, weil sie uns in einen Schlachthof fahren! Bei diesen Wörtern haben wir gleich viel Angst bekommen und manche Männer sind sofort aus dem Zug gesprungen. Leider wurden sie sofort alle erschossen und die anderen Gefangenen hatten keinen Mut mehr sie zu folgen. S. 309/ 310: Ich erinnere mich daran, dass wir durch Linz und dann nach Pils gefahren sind. Dann nach Deutschland durch Weimar in ein Lager in Morzdorf, wo vermutlich schon etwa rund 1000 Gefangenen aus der Slowakei waren. S. 310: Hier habe ich ein paar Landeskinder (wohl Landleute, M.B.) getroffen: Veterani, Homola, Bielik, Jezik und anderen. Jeder von uns hat eine Bluse mit einer Marke KG und seiner eigenen Nummer bekommen. (KG – Kriegsgefangener) Meine Nummer war 45 237. Als wir erstes Mal geduscht haben, sind unsere Wertsachen, unsere Kleidung und sogar meine Schuhe verschwunden. Ich musste barfuß gehen, aber später habe ich einen Schlappen gefunden, womit es besser als nichts war. Trotzdem war es schlecht im November in solchen Schuhen zu laufen. Nach ein paar Tagen haben sie uns in ein Lager in Kleidernbach verschleppt. Hier haben sie uns in einer großen Halle einer Fabrik untergebracht. Es war dort kalt, die Fenster waren eingeschlagen, ständiger Luftzug, wenige Betten, deshalb mussten viele Leute auf dem kalten Boden schlafen. Die Nachwirkungen haben sich schon nach ein paar Tagen gezeigt. Viele von uns sind so krank geworden, dass wir unseren Urin nicht mehr halten konnten. Der Gesundheitszustand der Gefangenen, die nicht so körperlich rüstig waren, hat sich jeden Tag verschlechtert. Der Tod war immer häufiger dabei. S. 310 – 311: Flucht aus dem Lager nach einem anderen Lager Ich habe mich jeden Tag schlechter gefühlt und es war mir klar, dass es schon auch um mein Leben geht. Dazu hat mir noch ein Gefangener gesagt, dass sie mich sofort erschießen, wenn sie herausfinden, dass ich ein Partisan war. Deshalb habe ich mich entschieden, dass ich wegzulaufen versuche. Zur Arbeit auf dem Flughafen sind wir jeden Tag mit dem Zug gefahren. Ein Mal als wir nach Kleindembach angekommen sind, habe ich mich hinter einem Waggon versteckt und dann bin ich gleich rein in einen anderen Zug gesprungen. Es war ganz dunkel also niemand mich gesehen. Ich könnte endlich ausatmen als sich der Zug bewegt hat, nur dass – in der selber Zeit ist ein deutschen Soldat eingetreten. Ich habe mich ganz hinten versteckt und wegen der Dunkelheit könnte er mich nicht sehen. Er hat dort auf den Treppen gestanden und auf dem Rücken hat er eine Maschinenpistole getragen. Er hat aus dem Zug draußen geschaut. Ich könnte nicht mehr darauf warten, dass er mich bemerkt und erschießt. Ich habe ihn von hinten auf dem Hals gefangen und habe ihn ganz toll gedrückt. Nach einem Augenblick habe ich ihn auf dem Boden tot fallen gelassen. Danach hat mein Herz noch ein paar Minuten stark geschlagen und mir war es noch ganz übel davon, was ich gemacht habe und normalerweise nie machen würde. Solche Taten macht der Krieg! Der Zug ist weiter die ganze Nacht und dann den nächsten Tag mit kürzeren Pausen gefahren. Am Abend war ich schon ohne Geduld. Es war mir schon kalt. Ich war müde, durstig und hungrig. Auf der nächsten Haltestelle bin ich ausgestiegen. Gleich danach hat mich das Überwachungsteam festgenommen und in ein Lager geschickt. Dort habe ich erfahren, dass ich es mit dem Zug nach Köln am Rhein in einen Gefangenenlager geschafft habe. Es war in einer Stadt Dujzdorf in der Nähe von Rhein. Hier habe ich bei etwa weniger tödlichen Bedienungen den Januar und erste zwei Woche des Februars verbracht. In dem Lager waren meistens Gefangene aus Frankreich, weniger aus England und Russland und gar keine aus der Slowakei. Es war eine industriellere Region, deshalb wurde dieses Gebiet ganz oft bombardiert. Ab und zu hat eine Bombe auch unser Lager getroffen. Deshalb sind wir dort zwischen den Gebäuden, wie kleine erschrockene Mäuse gelaufen. In solchem Chaos habe ich einen Polen kennengelernt. Nach ein paar Tagen hat die Evakuation des Lagers angefangen, weil die Front sich genähert hat. Wir, die Gefangene und die deutsche Armee haben uns zurückgetreten, wenn wir auf einmal mit amerikanischen Bombern überfallen wurden. In diesem Chaos sind alle auf die Seite gelaufen und ich mit dem Polen bin in den Krater der Bombe gesprungen. Es war ganz angenehm, als wir auf dem nach der Explosion noch warmen Boden gelegen haben. Wir haben bis die Kolonne weggegangen ist gewartet – dann waren wir wieder frei. S. 311/312: Aus dem befreienden Lager nach französischen Armee Nach ein paar Stunden von gewaltigen Feuer und Schießerei sind die ersten französischen Tanke angekommen. Glücklicherweise war in der Armee ein Mann aus der Slowakei, der dem Kommandant erklärt hat, wer wir sind und was wir dort machen. Dann haben sie und hinten auf dem Tank hingesetzt und wir sind so ziemlich lange weiter gefahren um die faschistische deutsche Armee zu verfolgen. Erst wenn wir eine kleine Stadt in der Nähe von der belgischen Grenze erreicht haben, haben sie uns zu dem französischen Kommando gebracht. Sie haben uns sehr gut behandelt und nach ein paar Tagen haben sie mit uns einen Bericht geschrieben. Wir haben es auch untergeschrieben, deshalb erinnere mich an das Datum – es war 27. Februar 1945. S. 312: Eine Woche später haben sie uns wieder gerufen und wir mussten wieder etwas unterschreiben. Gleich danach mussten wir die französische Uniform anziehen. Sie haben uns in die militärische Einheit eingerückt, die der General de Gaule noch im North Afrika errichtet hat. Es gab dort viele Männer aus Marokko, aber die Offiziere waren ausschließlich nur Franzosen. So bin ich in den letzten 10 Wochen des Krieges ein französischer Soldat geworden. Während dieser Tage habe ich mit dem Freund von mir, dem Polen, viele gefährliche Momente erlebt, wobei wir viel Glück hatten. Ich wurde zwar gar nicht verletzt, aber der Polen schon. Er wurde im Bein geschossen und dann nach einem polnischen Krankenhaus gebracht. Dann habe ich ihn nie wiedergesehen. Leider habe ich seine Adresse nicht gezeichnet. Der letzte Tag des Krieges habe ich in einer Stadt „Steton“ verbracht – ich bin aber nicht sicher ob die Stadt genau so heißt. Es gab dort noch viele deutschen SS Einheiten die auch nach der deutschen Kapitulation nicht aufgegeben wollten. Noch am 15. Mai haben wir eine Einheit in einem Wald liquidiert. Viele Leute sind dort grundlos gestorben und die Gefangenen wollten noch entlaufen. Da waren echt die hartköpfigen Fanatischen des Hitlersfaschismus! S. 313: Endlich Frieden Endlich haben wir auch den Augenblick der friedlichen Stimmung erlebt. Überall könnte man Singen, Lachen und Musik hören. Die Soldaten haben mit einander und sogar mit den friedlichen Deutschen umfangen, getanzt, sich geküsst und einfach gute Laune gehabt. In der friedlichen Stimmung musste ich zwischen den französischen Soldaten noch ein Monat verbringen. Erst nach einem halben Monat in Juni wurde unsere Einheit in einer Stadt entlassen. Das Kommando hat manche Soldaten, besonders die ältere entlassen, und wir die jungen und ausländischen Soldaten mussten immer noch bleiben. Es gab dort jungen Franzosen, Marokkanern und Männern aus östlichen und nördlichen Europa. Ich damit gar nicht zufrieden, weil schon lange Zeit nach dem Krieg war und ich war immer noch nicht zu Hause. Meine Eltern haben bestimmt gedacht, dass ich schon tot sein muss, wie die alle die noch nicht nach Hause angekommen sind. Ich wollte schon nach Hause gehen aber sie haben es mir nicht erlaubt. Ich musste noch ein Monat dort bleiben. Ich habe dort einen Offizier getroffen, der zufällig aus Tschechien stamm. Dann wurde ich wieder zu meiner Einheit geschickt. Ich habe als ein persönlicher Fahrer gearbeitet. Damals hat es niemand interessiert, dass ich keinen Führerschein besitze. Später habe ich erfahren, dass nicht weit von der Stadt wo ich tätig war, haben sich schon vielen Leuten versammelt. Es gab dort viele Leuten aus Tschechen und aus der Slowakei. Ich habe dort manche auch gekannt, wie zum Beispiel: Orovnický aus Kozárovce, und Ondri3koi4 aus Žemberovce. S. 313-314: Rückkehr in die befreiende Heimat Erst am 15. Juli 1945 sind in der Kaserne tschechoslowakische Offiziere angekommen. Sie haben uns von der Armee abgemeldet und wir könnten endlich nach Hause gehen. Danach bin ich allein in die Kaserne gegangen, wo sich die Leute versammelt haben. Als ich dort angekommen bin, haben sie sich schon für die Reise nach Tschechoslowakei vorbereitet. Wir sind mit den militärischen Autos auf dem Bahnhof gefahren. Dann sind wir mit dem Zug südlich zu den schweizerischen Grenzen gefahren. Bei dem Bodamsee hat uns die amerikanische Armee von den Französen abgeholt. Hier haben wir etwa 2 Tagen verbracht. Es war sehr heiß und so haben wir auch in dem See gebadet. Am dritten Tag haben uns die Amerikanern auf die Reise vorbereit und wir so sind wir wieder mit dem Zug nach Ulm – Passau – Linz gefahren. Weiter könnten wir mit dem Zug nicht fahren weil die Eisen zerstört waren. Deshalb mussten wir dort noch einen Tag auf einem ungarischen Schiff warten. Die Pause haben wir mit Baden in Donau verbracht. Dabei bin ich beinahe ums Leben gekommen. Ein Wasserwirbel hat mich unter das Wasser gezogen und ich könnte nicht mehr nach oben schwimmen. Mein Leben hat mir einen Rudo aus der westlichen Slowakei gerettet. Das ungarische Schiff hat uns bis Melk gefahren, wo uns die Russen abgeholt haben. Hier sind wir ein paar Tagen geblieben. Wir haben auch das schreckliche faschistische Lager besucht. Es war schon zerstört. Dann sind wir mit dem Zug nach Wien gefahren und weiter sollten wir schon allein gehen, weil die Eisenbahnen ganz zerstört waren. Das waren noch rund 100 Kilometer nach Bratislava. In Bratislava haben wir bei dem Repatriirensamt die Formalitäten erledigt und gleich auch das Geld für die Heimreise nach Brhlovce bekommen. Zum Schluss will ich noch sagen, dass es mir eine Ehre ist, dass die Einwohner unser Dorf mich auf die führende Position unseres Dorfes ausgewählt haben, damit wir mit freier Arbeit unser damals so armes Dorf in einem reichen sozialistischen Dorf verändern. /Verarbeitet von: Juraj Cervenak/

Namen und Schlagwörter

  • Slowakei
  • Partisanen
  • Kleindembach
  • Walpersberg
  • Kahla
  • Zwangsarbeit

Quellen und Nachweise

  1. Bojovali za slobodu a pokrok, Levice 1985