Zeitzeugnis
Irena Koper - gemeinsamer Bericht mit Zdzislaw Koper
Gemeinsamer Bericht von Irena und Zdzislaw Koper über Deportation, Lager, Arbeit und Befreiung.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Irena Koper
- Rolle
- Zwangsarbeiterin
- Herkunft
- Polen
Überlieferung und Kontext
Irena und Zdzislaw Koper berichten folgendes:
In das Lager von Kahla gelangten wir nach dem Warschauer Aufstand. Transportiert wurden
wir von der SS in brutaler Art in Viehwaggons. Wir befanden uns in Breslau, bei Berlin und
Erfurt in Durchgangslagern. Wir wurden bewacht, um mit der deutschen Bevölkerung keinen
Kontakt aufzunehmen. Übrigens fürchteten die Deutschen Kontakte mit Polen. In das Lager
Kahla gelangten wir am 2.XI.1944. Mein Mann und ich kamen in das Lager I gemeinsam mit
Bürgern der Sowjetunion. Während mein Mann bei der Firma „Ing. Kämmerer
Bauunternehmen Erfurt“ beim Bau einer Betonbrücke arbeitete, war ich bei der Firma Otto
Quade, Eisenbahn – Tief – Beton und Straßenbau, beschäftigt. Das Wohnlager I wurde von
Deutschen, Flamen und Ukrainern, besonders brutalen Menschen bewacht. Zur Arbeit führten
uns Kolonnenführer, Deutsche in Zivil. Auf dem Bau wurden wir von Arbeitern, Meistern
und SA bewacht, die zeitweilig Mitglieder der Hitlerjugend zur Hilfe hatten. Manchmal
benutzte man auch Hunde. Das gesamte Gebiet der REIMAHG wurde von SS streng bewacht.
Die meisten Menschen starben vor Schwäche infolge schlechter Ernährung, durch Schläge
und Quälereien. In Kahla bestand keine Organisierte Widerstandsbewegung. Die Polen
organisierten sich spontan, sprachen ihr Verhalten ab, langsames Arbeiten (so genanntes
Schneckensystem). Einige Tage vor Ankunft der Alliierten trieb man uns nachts aus den
Baracken, die von Wachen umstellt waren und jagte uns in Richtung Pößneck. Wir wurden
geschlagen und gestoßen. Besonders in den Morgenstunden, in der Nähe von Pößneck,
wurden die Gefangenen ganz schrecklich behandelt. Einerseits war aber eine
Disziplinlockerung der Deutschen zu bemerken, andererseits verstärkten die übrig
gebliebenen Wächter ihren Sadismus. Unter anderem wurde auch mein Mann stark
geschlagen. Mehrere von uns fielen in einen Graben, und man drohte uns mit Erschießung. In
Pößneck wurden wir von Fliegeralarm überrascht. Die Wachen schossen und aus den
Flugzeugen wurde Zurückgeschossen. Die Verwirrung ausnutzend, flohen mein Mann und ich
vom Transport und gelangten in das Dorf Grobengereut? , Siedlung Henkelshof, wohin kurz
darauf die Alliierten kamen. Der Hofeigentümer, der Deutsche Henkel, ermöglichte uns einen
mehrwöchigen Aufenthalt. Die übrigen Polen des Transportes wurden in Pößneck in ein
Übergangslager aufgenommen. Nach dem Potsdamer Abkommen und der Besetzung
Thüringens durch die Rote Armee kehrten wir mit anderen Polen aus dem Lager Willplecken
am 18.VIII.1945 in unser Land zurück.
Quellen und Nachweise
Für diesen öffentlichen Datensatz sind derzeit keine einzeln ausweisbaren Quellen hinterlegt.