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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Fiorino Odasso

Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von Fiorino Odasso.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Fiorino Odasso
Rolle
ehemaliger Zwangsarbeiter
Ort
Kahla / Walpersberg
Zeitraum
1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
Herkunft
unbekannt

Überlieferung und Kontext

Herr Fiorino Odasso ist in Garessio am 28.08.1902 geboren, er berichtet folgendes: Die Deutschen kamen am 25.Juli 1944 in Garessio an. Eine Gruppe von ihnen hatte auch in meiner Wohnung Quartier bezogen. Sie führten am 27.Jule abends sehr eigenartige Gespräche. Daraufhin wollte ich mich verstecken, einer von ihnen folgte mir jedoch und nahm mich fest. Mit der Razzia hatte man in der Via Garibaldi begonnen und so befanden sich viele Festgenommene auf der Brücke des Luvio und später zusammen im Hotel Miramonti. Wir wurden nach Kahla gebracht. Unterwegs bildeten wir Garessiner, Landsleute aus unserer näheren Umgebung und etliche Mailänder, die zuvor eine kurze Zeit im Gefängnis San Vittore in Mailand zubringen mussten, eine eigene Gruppe. Nach dreimonatiger Gefangenschaft in Kahla kamen wir in eine andere Unterkunft und zwar in den Rosengarten, am Rande der Stadt Kahla. Von dort aus war es näher zur REIMAHG. Wir arbeiteten alle dort. In meiner freien Zeit nach der Arbeit arbeitete ich bei einer Familie. Es waren zwei alte Leute, die mit der Frau von ihrem jüngsten Sohn und zwei Mädchen von 10 und 6 Jahren zusammenlebten. Alle sechs Söhne von ihnen befanden sich an der Front in Italien. Ich half dort mit in der Landwirtschaft und bekam Kartoffeln und Tee. Da ich etwas deutsch konnte, lehrte ich den zwei Mädchen Worte in garessinisch. Der Lagerführer war ein Kriegsinvalid, er hatte einen Arm verloren. Seine Familie wohnte in Kahla (Frau und sechs Kinder), diese begleiteten ihn öfters in das Lager. Unser Aufseher war ein Deutscher aus Kahla, der ausgezeichnet italienisch schrieb und sprach. Er war mit einer Krankenschwester verheiratet. Ab und zu musste ich mit ihm nach Kahla gehen um die Post zu holen. Uns verband eine feste geheime Freundschaft. Er nahm mich sogar mit in seine Küche und ich konnte dort frühstücken. Als wir in Kahla seinerzeit ankamen, befanden sich dort bereits andere italienische Zwangsarbeiter. Diese arbeiteten im Stollen und ich erlebte, wie dort zwei bis drei starben. Aus unserem Lager, ich kann mich noch genau erinnern, wurden drei Tote auf einem Wagen nach dem Friedhof von Kahla gebracht. Zweimal war ich im Krankenrevier, dort war eine französische Krankenschwester und ein russischer Arzt. Ich begab mich des Öfteren in ein Wirtshaus in Kahla. Die Tochter des Besitzers verweigerte uns den Zutritt, während ihr alter Vater uns oft die Tür mit aller Vorsicht öffnete und uns einließ. Als sich die Amerikaner näherten, brachten uns die Deutschen in ein anderes Lager. Dieses befand sich nicht sehr weit entfernt inmitten von Wäldern. Dort sah ich zum ersten Mal einen Pfarrer, einen sehr strenggläubigen. Wir erhielten von ihm die Kommunion. Genau nach einem Jahr, nachdem wir gefangen genommen wurden, am 28.Juli 1945, kehrten wir über die Schweiz in unsere Heimat zurück.

Namen und Schlagwörter

  • Zeitzeuge
  • Walpersberg
  • Neu-OCR

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)