Zeitzeugnis
Zeitzeugenaussage Elzbieta Piechocka
Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von Elzbieta Piechocka.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Elzbieta Piechocka
- Rolle
- ehemaliger Zwangsarbeiter
- Ort
- Kahla / Walpersberg
- Zeitraum
- 1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
- Herkunft
- unbekannt
Überlieferung und Kontext
e Piechocka, Elzbieta, Fragebogen vermittelt von der Fundacja "Polsko-Niemieckie
Pojednanie" [Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussôhnung“].
Elzbieta Piechocka
I. Vor der Deportation
1. Wann wurden Sie geboren und wer gehörte zu Ihrer Familie?
Elzbieta Piechocka, geb. am 18.11.1927 in Warszawa.
Die Mutter — Pozlewicz Feliksa.
IL. Deportation
2. Wann und unter welchen Umständen sind Sie Zwangsarbeiterin geworden?
Während des Aufstandes in Wola wurde ich durch die Ukrainer, die zur deutschen Armee
gehörten aus der Obozowa Strasse zur Kirche an der Wolska Strasse mitgenommen. Zwei
Tage später wurden wir durch Deutsche aus dem Westbahnhof in Viehwagen geladen. In
dieser Enge wurden wir nach Pruszköw transportiert und dort in Bahnhofshallen
selektiert.
Am nächsten Tag wurden wir wieder mit einem Viehwagen nach Breslau transportiert und
in diesem Übergangslager blieben wir zwei Tage.
3. Wie sah der Transport nach Kahla aus? Welche Bedingungen herrschten während
des Transportes?
Von Breslau wurden wir ins Lager in Ravensbrück transportiert, in dem wir eine Nacht
verbrachten. Dann führen wir nach Kahla.
Ш. Ankunft in Kahla und im Arbeitslager REIMAHG
4. Können Sie sich erinnern, in welches Lager Sie zuerst gekommen sind? Wurden
Sie weiter transportiert?
Am Anfang war ich im Lager 2, das sich in der Nähe von der Fabrik befand. Drei Tage
später wurden wir in die 3 Kilometer entfernten Lager 4 versetzt.
5. Welche Unterkunft gab es im Lager? Wie war die Unterkunft?
Die Baracken waren lang und innen waren sie in Stuben (Zimmer) geteilt. In einer Stube
waren 9 Doppelbetten (18 Menschen). Zentral stand ein Ofen, mit dem wir heizten.
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6. Gab es in der Baracke genügend Brennmaterial, Decken und andere Sachen? In
welchem Zustand waren diese?
Zum Heizen bekamen wir einen Kohleeimer, der nur für ein paar Stunden reichte. Danach
bildete sich Wasser, welches gefror.
Jeder von uns hatte einen Strohsack und zwei graue und kaputte Decken.
7. Welche Nahrung gab es im Lager? War das Essen abwechslungsreich? Wie und
wann wurde das Essen verteilt?
Immer dienstags und donnerstags bekamen wir zwei Brote für eine Woche und etwas
Marmelade.
Mittags gab es in der Fabrik — verschiedene Suppen: Kohlrübesuppe bzw. Blattkohlsuppe.
Eine Stunde nach dem Mittagsessen hatte man vom Hunger Bauchschmerzen.
IV. Zwangsarbeiter in der REIMAHG
8. Wann und wie begann Ihr Tag? Wie lange brauchten Sie bis zur Arbeitsstelle?
Wie sah der Früh- und Abendappell aus?
Ein Wecksignal gab es um 5 Uhr und wir mussten 3 km zu Fuß laufen. In der Fabrik
mussten wir um 7 Uhr da sein und wir arbeiteten bis 19 Uhr, siebenmal die Woche.
Wochenlang sahen wir kein Tageslicht.
9. Zu welcher Abteilung bei REIMAHG gehörten Sie? Anderten sich in dieser Zeit
die Aufgaben?
Zuerst arbeitete ich an Löten von Kabeln, danach wurde ich zum Nähen von Sitzplanen
für Flugzeuge versetzt.
10. Wie stark war der mit der Arbeit verbundene Stress bzw. Druck?
Stress war niedrig, weil der Meister (alter Deutscher) ein sehr guter Mensch war.
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11. Welchen Eindruck machten die deutschen bzw. ausländischen Brigadiere? Wie
behandelten die ausländischen Vorarbeiter die Zwangsarbeiter aus dem eigenem
Land?
Wie oben.
12. Welche Entlohnung bekamen Sie? Konnten Sie etwas dafür kaufen?
Für ein paar Mark, die ich für die Arbeit bekam, kaufte ich mir eine Hose, weil ich im
Winter nackte Beine hatte.
V. Alltag im Lager
13. Konnten die Zwangsarbeiter persönlichen Kontakt zu den anderen Gefangenen
haben? Konnten Sie sich frei bewegen?
Im Lager durften wir uns frei bewegen.
14. Haben Sie bemerkt, dass manche Gruppen von Zwangsarbeitern besser behandelt
wurden als andere?
Die Ostarbeiter bekamen weniger Brot als die Westarbeiter.
VI. Verhalten von Vorarbeitern, Amtsträgern und Zivilpersonen.
15. Erinnern Sie sich an die Wachleute bzw. Wärter? Welche Nationalitäten hatten
sie? Wie haben sie sich verhalten?
Die Vorarbeiter waren Deutsche, aber ich sah keine Gewalt von deren Seite.
16. Gab es im Lager Denunziationsgefahr von Seiten der anderen Zwangsarbeiter?
Mir ist nichts bekannt.
17. Waren Sie Zeugin von Misshandlungen bzw. eines Mordes? Erinnern Sie sich an
Opfer? Wer waren die Täter?
Nein.
18. Wie haben sich die deutschen Vorarbeiter und Arbeiter Ihnen gegenüber
benommen?
(Keine Antwort)
19. Hatten Sie Kontakt zu Zivilpersonen? Wie benahmen sie sich? Gab es
Tauschhandel mit der Außenwelt?
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Nein.
20. Gab es Ausbrüche aus dem Lager? Welche Strafen gab es dafür?
Mir ist nichts bekannt.
VII. Gesundheitsfiirsorge und Todesfälle
21. Was passierte im Fall von Krankheit bzw. Körperverletzung? Welche Erfahrungen
haben Sie mit der Gesundheitsfürsorge gemacht, besonders mit dem
Krankenhaus?
Wir bekamen medizinische Hilfe.
22. Wissen Sie etwas über Todesfälle im Lager?
Ich weiß nicht.
VIII. Befreiung
23. Haben die Deutschen Sie in den letzten Kriegstagen aus dem Lager evakuiert?
Wenn ja, wie sahen die Marschumstände aus?
Am 1. April 1945 wurden wir aus dem Lager weggescheucht, weil die amerikanische
Front sehr nah war. Wir wurden einen halben Tag und eine Nacht weggetrieben. Wir
übernachteten in den Pausen. Ich blieb mit drei Freundinnen zwei Tage im Wald. Als wir
den Wald verließen, trafen wir einen Polen, der uns zu seinem Bauern mitgenommen hat,
welcher ein Gemeindevorsteher war.
24. Wo wurden Sie befreit? In welchem körperlichen Zustand waren Sie damals?
Wir waren dort bis die Amerikaner am15. April kamen. Wir versuchten ins Lager nach
Kahla zurückkehren. Endlich erreichten wir Kahla, nachdem wir verschiedene Transporte
genutzt hatten. Wir blieben unter amerikanischer Betreuung, bis Ende Juni die Russen
kamen.
IX. Rückkehr in die Heimat
25. Wann kamen Sie nach Polen zurück?
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Ich kehrte am 10.08.1945nach Polen zurück. Das war zwei Tage nach der Beerdigung
meiner Mutter, die gleich nachdem sie zurückkam .... (unterbrochen, D.Antkowiak).
26. Welche Fragen waren für Sie wichtig. Möchten Sie noch etwas dazu sagen?
Keine Antwort.
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Namen und Schlagwörter
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)