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Zeitzeugnis

Zeitzeugenaussage Camille Buyck

Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von Camille Buyck.

Forschungsstand dokumentiert

Forschungsdatensatz

Dokumentierte Angaben

Person
Camille Buyck
Rolle
ehemaliger Zwangsarbeiter
Ort
Kahla / Walpersberg
Zeitraum
1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
Herkunft
unbekannt

Überlieferung und Kontext

«Der Tabak rettete mein Leben in Kahla.» Camille Buyck Nachdem ich Andre Cools heute Morgen in Wingene besucht habe, ging ich am Nachmittag zu Camille Buyck nach Tielt. Es ist nicht das erste Mal, dass Camille über seine Zeit in Kahla spricht; vor einer Weile hat er es auch für eine Schularbeit eines Nachbarsjungen getan. «Als ich 18 war, bekam ich eine Evokation für Zwangsarbeit in Deutschland, Richtung Kiel.» «Ich hatte einen Freund, der zwei Jahre jünger war als ich und der freiwillig in Frankreich arbeitete. Er hatte die Krätze als er wiederkam. Ich verbrachte viel Zeit mit ihm, blieb über Nacht und bekam die Krätze von ihm.» «Der Doktor, der die medizinischen Kontrollen für den Arbeitsdienst durchführte, gab mir eine Creme und wichtiger, einen Monat Verzögerung. Einen Monat später, sollte ich wiederkommen. Ich wusste, dass meine Krätze verheilt war, aber bevor ich in das Büro des Doktors ging, kratzte ich mich blutrot. Und wieder, wurde meine Abfahrt für einen Monat aufgeschoben.» «Fast einen Monat später, ein paar Tage vor meiner Abreise, ging ich in den Untergrund. Zwei Jahre lang habe ich mich versteckt. Während des Tages arbeitete ich meistens für Bauern und in der Nacht blieb ich hier und da bei einer Familie. Jeden Samstag ging ich nach Hause, um meine Sachen zu waschen.» «Am 4. August 1944 arbeitete ich für einen Bauer; wir mussten Weizen ernten. Wir mussten auch auf einem Feld ernten, das in der Nähe der Straße lag. Zuerst sagte ich, dass ich das wegen dein Risiko nicht machen wolle, aber der Bauer überzeugte mich es zu tun. Ich hätte es besser nicht getan.» «Es kamen ein Deutscher und ein Faschist über die Straße. Sie fragten nach meinem Namen. Mein Name ist Buyck, aber ich sagte ihnen dass es Biebuyck wäre. Natürlich konnten sie keinen Biebuyck auf ihrer Liste finden. Der Deutsche wollte es dabei belassen und mich gehen lassen, aber der Faschist war damit nicht einverstanden.» «Sie brachten mich nach Tielt; am nächsten Tag zur Kommandantur und dann weiter nach Roeselaere, wo ich für acht Tage blieb.» «Der Tabak rettete mein Leben.» «Meine Familie brachte mit einen Koffer mit Kleidung und zwölf Kilo Tabak. Der Tabak war eine Mischung aus richtigem Tabak und getrockneten, geschlagenen Blättern. Der Tabak machte für mich den Unterschied; ich konnte für ihn in Deutschland extra Essen bekommen.» «Von Roeselaere wurden wir nach Etterbeek gebracht, wo wir auf einen Zug kamen. Jedoch hatte unser Zug in Schaarbeek einen Unfall. » «In der Umgebung von Leuven liefen drei Männer weg; zwei von ihnen entkamen und einer wurde eingefangen. Der letztere floh in Kahla wieder. Ungefähr zwei Monate später brachten ihn die Deutschen zurück. Die Nazis hatten die Möglichkeit ihn zu fangen als er in einem Container den Rhein überqueren wollte. Er lebte eine Weile in Buchenwald, danach brachten sie ihn zurück ins Lager E. Es sah nicht sehr gut aus, Fleischstücke waren aus seinen Beinen herausgeschnitten worden.» «Über Weimar - wo wir ein paar Stunden still standen - kamen wir mittags in Kahla an. » «Es war der 12. August 1944.» «Wir mussten in der Hitze mit unserem Gepäck zum Lager E marschieren. Bei unserer Ankunft hielt ein Deutscher eine Rede. Er fing an zusammen zufassen, was im Lager verboten war. Schließlich war so ziemlich alles verboten; bei einer Verletzung der Regeln würde die Todesstrafe folgen. » Camille arbeitete dort an vielen verschiedenen Orten. «Ich machte alle Arten von Arbeiten; einige von ihnen nur für ein paar Tage.» «Für einige Zeit musste ich Wände zusammen mit den Russen bauen.» «Ich half auch mit ein anderes Lager, auf der anderen Seite der Saale, zu bauen. Wir mussten um 4 Uhr morgens aufstehen. Nach einem zweistündigen Marsch kamen wir an unserem Arbeitsplatz an; jeden Tag überquerten wir zweimal die Brücke über die Saale. Am Mittag konnten wir uns etwas ausruhen (eine Viertelstunden), aber wir bekamen kein Essen. Um etwa 18 Uhr waren wir mit unserer Arbeit für diesen Tag fertig.» «Wenn die Wache der Meinung war, dass unsere Arbeit nicht richtig gemacht wurde, riss er ein Stück aus unserer Essensmarke, was bedeutete, dass man nur die Hälfte des Essens bekam.» «Um den Neujahrstag übergaben sie mich für eine Weile an das Lager 7. Dort machte ich auch verschiedene Arbeiten.» «Ungefähr drei Nächte lang musste ich Löcher auf der Spitze des Walpersberges bohren und auch einen Tag an der Startbahn arbeiten.» Camille Buyck «Der Tabak rettete mein Leben.» «Im Lager 7 verlor ich meine letzten 50 Grasrun Tabak. Mit diesen 50 Gramm kaufte ich einen Sack Kartoffeln von dem Lieferanten, der das Essen ins Lager E brachte. Ich und ein anderer Mann versteckten den Sack in unserer Baracke. Eines nachts verschwanden die Kartoffeln. Es hatte den Anschein, dass die Deutschen sie gefunden hatten und wir mussten zum Lagerführer. Wir erzählten ihm, dass wir sie mit Tabak gekauft hatten, aber er glaubte mir zuerst nicht. Wir hatten Angst vor der Strafe. Schließlich glaubte er uns. Wir konnten gehen, sahen unsere Kartoffeln jedoch nie wieder. Wir mussten ihn auch warnen, wenn dieser Lieferant zurück ins Lager kam. Durch Erfahrungen, haben wir so etwas als Gefangene nicht gemacht; die anderen waren Freiwillige. Wem hätten sie wohl eher geglaubt? » Tabak war wie Gold in Kahla. «Nach meinen ersten sechs Monaten in Kahla, hatte ich immer noch kein Gewicht verloren. Ich kaufte die Rationen der Russen mit Tabak. Ich weiß nicht wovon diese Leute gelebt haben, denn für ein kleines Stück Tabak gaben sie ihr ganzes Essen weg.» «Aber in den letzen drei Monaten hatte ich keinen Tabak mehr. So konnte ich kein Essen extra bekommen. Diese drei Monate waren sehr hart für mich und ich verlor viel an Gewicht; wir bekamen nur 150 Gramm Brot am Tag.» Camille wog etwa 70 Kilo bei seiner Abreise in Deutschland. Einen Monat nach seiner Befreiung wog er 49 Kilo. «In Kahla gab es eine ungeheure Läuseplage, die in den letzten Monaten schlimmer wurde. Wenn ich meinen Schal hingelegt hatte, bewegte er sich wegen der Läuse. » «An einem Sonntagmorgen wurde das ganze Lager E entlaust. Wir mussten zu Fuß zu dem russischen Lager gehen und die Kleider, die wir immer noch in unserem Besitz hatten, mitnehmen. In diesem Lager mussten wir uns zuerst waschen, danach bekamen wir eine Kreolin-Behandlung . Es war eine schmerzhafte Erfahrung. Die Kleidung kam in einen Ofen und als sie wieder heraus kam wurde sie auf den Haufen geworfen, woraus jeder seine eigenen Sachen heraussuchen musste.» Als der Krieg immer länger und länger andauerte, wurden die Lebensumstände in Kahla jeden Tag schlimmer. Am Anfang hatten die Zwangsarbeiter immer noch ein Minimum an Freiheit, mit der es jedoch schnell vorbei war. Die Essensrationen, die ausgegeben worden, wurde immer kleiner und ihnen ging der Tabak, den sie von zu Hause mitgebracht hatten, aus. Wenn es zu Gesundheitspflege kam, war das Lager mit Läusen überschwemmt, mehr und mehr wurden krank und tot liegengelassen, und zu dem nahm der Arbeitsdruck zu. «Besonders in den letzten drei Monaten starben viele im Lager E: manchmal mehr als 25 am Tag.» «Die Körper wurden jeden Tag von Lastwagen abgeholt und Gerüchten zu folge wurden sie in Massengräbern oder auch in den Wäldern vergraben.» Camille Buyck «Der Tabak rettete mein Leben.» Das Ende war nahe... «Am 14. April wurden wir von den Amerikanern befreit.» «Um den 11. April herum musste jeder das Lager verlassen. Wir gingen in Kolonnen. Es war dunkel und kein einziges Licht brannte. Wir sahen die Möglichkeit zu entkommen und verbrachten die Nacht in einem Kanal.» «Am nächsten Tag gingen wir in Richtung der Schüsse; wir gingen den ganzen Tag und am Abend kamen wir in einer Hütte an, gefüllt mit Stroh, wo wir uns hinlegten um zu schlafen.» «In dieser Nacht war eine gewaltige Schlacht. Im Tageslicht sahen wir viele Menschen auf der Straße und wir gingen hinunter um zu schauen was passierte. Die amerikanische Armee hatte das Dorf überwältigt. Sie gaben uns etwas zu essen.» «Wir sechs liefen drei Tage lang, am zweiten Tag erfuhren wir, dass es einen Sammelpunkt in Erfurt gab, in den Kasernen die wir am dritten Tag erreichten. Wir wurden dort in Gruppen mit je 30 Mann aufgeteilt.» «Ein paar Tage später erzählten sie uns, dass diejenigen , die im Lager E gewesen sind, früher nach Hause konnten. Jedoch sahen wir vor uns die französischen Zwangsarbeiter gehen.» «Dann waren wir an der Reihe; wir gingen in Kolonnen mit 110 Lkws, die uns nach Koblenz brachten, wo wir den Rhein überquerten und mit einem Viehwaggon nach Verviers gebracht wurden, wo wir Fahrscheine nach Brüssel bekamen.» «Bei der Ankunft in Brüssel sah ich einen Schriftzug mit „Helfen sie repatriieren". Ich ging dort hinunter und jemand brachte mich mit seinem Lkw von Roeselaere nach Hause.» «Am 13. Mai 1945 kam ich endlich zu Hause, in Tielt, an.» Einen Monat nach der Befreiung wog Camille 49 Kilo. Er blieb für weitere vier bis fünf Monate zu Hause, bevor er wieder zur Arbeit gehen und sein Leben wieder aufnehmen konnte. Camille Buyck

Namen und Schlagwörter

  • Zeitzeuge
  • Walpersberg
  • Neu-OCR

Quellen und Nachweise

  1. zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)