Zeitzeugnis
Zeitzeugenaussage Anselmo Roberi
Quellennahe Neu-OCR des in der Komplett-PDF ueberlieferten Berichts von Anselmo Roberi.
Forschungsstand dokumentiert
Forschungsdatensatz
Dokumentierte Angaben
- Person
- Anselmo Roberi
- Rolle
- ehemaliger Zwangsarbeiter
- Ort
- Kahla / Walpersberg
- Zeitraum
- 1944-1945; spaetere Niederschrift oder Befragung
- Herkunft
- unbekannt
Überlieferung und Kontext
Herr Anselmo Roberi, geboren in Bagnasco am 31.03.1913, wohnhaft in Garessio, Via
Federici 14 erzählt folgendes:
Am 27.Juli wurde ich in Bagnasco gefangen genommen und nach Rudolstadt deportiert. Von
da aus wurde ich zur REIMAHG gebracht und zu Bauarbeiten eingesetzt. Unser Capo war ein
stattlicher Zivilist mit einem Arm der uns gewöhnlich einen Schlag mit dem Handrücken ohne
Erbarmen versetzte. Andere Zivilmannschaften begleiteten uns zur Arbeit, in Reihe und Glied
und es war sogar verboten, dass wir die Hände in den Taschen hatten. Sie übergaben uns der
Polizei für die interne Arbeit. Ich musste lange Zeit in der REIMAHG untertage arbeiten, vor
allen Dingen um neue Stollen zu bauen, aber wir mussten auch ein schönes Eingangsportal
mit Backsteinen bauen. Ich wurde auch zum Bau eines Barackenlagers für russische
Gefangene eingesetzt. In der letzten Zeit wurden wir auch von Bombenangriffen betroffen. In
dem Zusammenhang erinnere ich mich an den Tod von Luigi Ingaria aus Bagnasco
(14.02.45), der bei unserer Rückkehr von der Arbeit auf der Straße den Tod fand, nachdem er
etwas Bier getrunken hatte. Bei einer der improvisierten nächtlichen Kontrollen fand man bei
einem aus Alessandria, Jahrgang 1907, festgenommen jedoch in Mailand kurz vor
Weihnachten 1944, Vater von vier Kindern, in der Tasche ein Messer. Der Polizist brachte ihn
um indem er ihn mit diesem Messer sechsmal auf den Kopf einhieb. Des Öfteren bin ich nach
Kahla geschickt worden um bei verschiedenen Familien Holz zu sägen. Dort erhielt ich auch
eine Salbe um ein krankes Bein zu behandeln, ebenso erhielt ich auch einige Kartoffeln. Ein
Tischler näherte sich mir behutsam und sagte mir gutmütig, dass der Krieg bald beendet sei.
Ich wurde aber immer schwächer und verlor dadurch bald mein Augenlicht. Ich wurde dem
„Lager 7“ zugewiesen und dieses war tatsächlich ein ausgesprochenes Todeslager für die
Kranken. Ich wurde von den Amerikanern befreit als mich nach einer kurze Zeit auf dem
Lande, in der Nähe Kahlas, aufhielt. Dort aß ich nur Gras. Die Amerikaner brachten mich
nach Rudolstadt. Dort erhielt ich die beste Behandlung und sie ließen mich dann nach Italien
zurückkehren.
Namen und Schlagwörter
Quellen und Nachweise
- zeitzeugen_komplett.pdf (Original, 845 Seiten)