Zwei Jahrzehnte ehrenamtliches Engagement für Erinnerung, Forschung und Verständigung
Großeutersdorf, 5. November 2025 – Vor genau 20 Jahren, am 5. November 2005, wurde der Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V. (GFW) gegründet. Aus einer kleinen Initiative engagierter Heimatforscher ist eine feste Größe der regionalen Erinnerungsarbeit und ein anerkannter Partner in der internationalen Gedenkkultur geworden.
Von der Initiative zum Verein
2006 begannen die Mitglieder mit dem Aufbau eines Dokumentationszentrums im ehemaligen Konsum von Großeutersdorf, das 2008 eröffnet wurde. Mit dem Kauf des ehemaligen Militärgeländes am Walpersberg im Jahr 2007 sicherte der Verein die Grundlage für seine langfristige Arbeit. Seitdem widmen sich die Mitglieder – vollständig ehrenamtlich – der Forschung, Dokumentation und Vermittlung der REIMAHG-Geschichte.
Forschung, Erinnerung und internationale Begegnung
Die 2012 neu gestaltete Dauerausstellung im Dokumentationszentrum bietet Besucherinnen und Besuchern heute einen fundierten Überblick über das ehemalige NS-Rüstungswerk und das Schicksal der dort eingesetzten Zwangsarbeiter. Ergänzt wird sie durch Vorträge, Publikationen und digitale Projekte.
Der Verein veröffentlichte mit „Düsenjäger über dem Walpersberg“ (2009), „Geheimnisvolles Thüringen“ (2011) und dem mehrsprachigen Bildband „Reimahg-Werke Lachs“ (2013) zentrale Werke zur Untertageverlagerung der Rüstungsproduktion in Thüringen. Die Walpersberg-Journale (2015 und 2016) vertieften diese Forschung durch aktuelle Beiträge und regionale Zeitzeugnisse.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit der italienischen Gemeinde Castelnovo ne’ Monti. Eine gemeinsame Fahrt 2015 – mit Beteiligung der Stadtgesellschaft Kahla, der damaligen Bürgermeisterin und Schülerinnen und Schülern der Regelschule – bildete den Ausgangspunkt intensiver Kontakte. Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft, die 2023 in einer offiziellen Städtepartnerschaft mündete. Sie zeigt, wie Erinnerungskultur Brücken über Generationen und Grenzen hinweg bauen kann.
Die 2020 gestartete Wanderausstellung „Nebenan – Zwangsarbeit in Thüringen“, die in mehreren italienischen Städten gezeigt wurde, steht beispielhaft für diese europäische Zusammenarbeit.
Führungen mit großem Interesse
Seit der Gründung bietet der Verein Führungen am Walpersberg an, die stetig wachsende Resonanz erfahren. Viele Termine sind frühzeitig ausgebucht, daher wird eine Vorreservierung empfohlen. Sonderführungen für Gruppen finden regelmäßig statt.
Für die nächste öffentliche Führung am 6. Dezember ab 9:00 Uhr im ehemaligen Militärgelände sind noch Plätze frei. Anmeldung über die Vereinswebseite.
Zwischen Denkmalschutz und Naturschutz
Alle Vereinsaktivitäten – vom Erhalt des Geländes über Forschungsarbeit bis hin zu den Besucherführungen – werden ehrenamtlich getragen. Große Teile der Anlagen stehen unter Naturschutz, da sie unter anderem der streng geschützten „Kleinen Hufeisennase“ als Winterquartier dienen. Trotz dieser Einschränkungen setzt sich der Verein dafür ein, Teile der Stollen künftig wieder zugänglich zu machen.
Neue Impulse für Gedenken und Verständigung
Ein sichtbares Zeichen dieser Haltung ist die Friedensglocke, die 2025 am Walpersberg aufgestellt wurde. Sie erinnert an die Befreiung der Lager und steht für Frieden, Freiheit und Versöhnung.
Blick nach vorn
Das Erreichte der vergangenen 20 Jahre ist zugleich Verpflichtung. Führungen, Vorträge, Recherchen und die Pflege des Geländes erfordern hohes Engagement. Der Verein freut sich über neue Mitglieder, die sich in diese Arbeit einbringen möchten.
„Allen Mitgliedern, die in den vergangenen 20 Jahren geforscht, gebaut oder organisiert haben, gilt mein herzlicher Dank“, sagt Franziska Lange, Vorsitzende des GFW. „Mit der weiteren Aufwertung des ehemaligen Militärgeländes und neuen Projekten liegt noch viel Arbeit vor uns – aber auch die Chance, das Erreichte zu sichern und weiterzuentwickeln.“