Hallo,
anbei ein Artikel aus der lokalen Presse.
Wie man sieht, war in der Zeit des WWII jede greifbare Möglichkeit der Rüstungsproduktion genutzt.
Gruß
Arnim
Hallo,
anbei ein Artikel aus der lokalen Presse.
Wie man sieht, war in der Zeit des WWII jede greifbare Möglichkeit der Rüstungsproduktion genutzt.
Gruß
Arnim
Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!
Noch einmal den Text:
[b:kt3h9tJu]Neustädter Unternehmen hat 1944/45 wohl seinerzeit modernste Flugtechnik mitgebaut[/b]
[i:kt3h9tJu]Überraschender Fund: Unternehmer Theodor Schönfeldt (rechts) und Hausmeister Mario Heinrich zeigen eine mit Gewebe überspannte Holz-Metall-Konstruktion, die als Querruder der Me 163, dem ersten zur Einsatzreife gelangten Raketenflugzeug der Welt, identifiziert wurde.
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Die ehemalige Neustädter Möbelfabrik Adolf Wildt KG hat Ende 1944 und Anfang 1945 unter der Geschäftsführung von Hermann Wächter anscheinend am Bau seinerzeit modernster Flugtechnik mitgewirkt.
Neustadt. Darauf lassen Flugzeugteile schließen, die bereits im Mai bei Arbeiten auf dem ehemaligen Gelände des Spezialmöbelbauers Schönefeldt, bis 1990 VEB Neustädter Möbelwerke, davor Wildt, an der Triptiser Straße 8 bis 12 entdeckt wurden.
Über die Möbelfabrik war schon immer bekannt, dass sie im Zweiten Weltkrieg Militärlastensegler fertigte. Ein Gebäude auf dem Gelände wird "Fliegerhalle" genannt. Sehr gut erhaltene Firmenunterlagen aus den 1940er Jahren, die der Unternehmer Theodor Schönefeldt auf dem Dachboden eines seiner Gebäude an der Triptiser Straße fand, belegen, dass der Neustädter Betrieb in regem Geschäft mit Dornier und Junkers stand, die seinerzeit Rüstungsbetriebe und Spitzentechnologieunternehmen waren. 1950 hatten die in Liquidation stehenden Dornier-Werke der schon verstaatlichten Neustädter Möbelfabrik in einem Schreiben zur Bereinigung von Altforderungen bescheinigt, ihr 3375,55 Reichsmark aus Wächters Zeiten zu schulden und zwar für "Lieferung von Materialien bzw. Teilen zur Herstellung von Flugzeugen".
"Ich wollte schon immer mal wissen, warum dieser Anbau Fliegerhalle heißt", sagt Schönefeldt. So habe er den Kospodaer Hausmeisterdienstleister Mario Heinrich beauftragt, in dem Gebäude aufzuräumen bzw. gezielt nach Spuren mit einen Bezug zur Nutzung als "Fliegerhalle" zu suchen. In einem Obergeschoss, das nur über eine Leiter zugänglich gewesen sei, fand Heinrich dann drei verstaubte Bauteile, die sich als Flugzeugsteuerklappen erwiesen.
Eine Klappe ist scheinbar fertiggestellt und mit Stoff bespannt. Diese Art Stoff sei, bemalt mit militärischen Motiven, auch auf Karussell-Holzrahmen aufgezogen worden, berichtet der Pößnecker Unternehmensberater Ulrich Weibler, der nach einer neuen Nutzung für das Gelände Triptiser Straße 8 bis 12 sucht. Die beiden übrigen Steuerklappen scheinen unfertig. Alle drei Holz-Metall-Konstruktionen sind so schwer, dass ihre Zuordnung zu einem Lastensegler von Anfang an kaum vorstellbar gewesen sei, so Weibler.
Außerdem kam eine rätselhafte Vorrichtung zum Vorschein. Es handelt sich um eine mehrere Meter lange, nicht sehr breite, aber schwere Holzplatte, die mit vielen kleinen Holzklötzchen bestückt ist. Zwar vermuteten Schönefeldt und Weibler, dass das Werkzeug der Herstellung eines Flugzeugflügels gedient haben könnte, näher zuordnen konnten sie das Teil aber nicht.
So fragte Schönefeldt beim Dornier Museum für Luft- und Raumfahrt in Friedrichshafen nach. Dort empfahl man den 94-jährigen Oberingenieur Franz Selinger aus Ulm, ein Fachmann für Flugtechnologie des Zweiten Weltkrieges. Dieser schaute gemeinsam mit seinem 69-jährigen Sohn Dipl.-Ing. Peter F. Selinger, Segelflughistoriker aus Stuttgart, im Juli in Neustadt vorbei.
Selinger senior hat die mit Gewebe überspannte Holz-Metall-Konstruktion noch vor Ort als Querruder der raketengetriebenen Messerschmitt 163 eingeordnet. Die Me 163 war das erste zur Einsatzreife gelangte Raketenflugzeug der Welt. Als Abfangjäger konstruiert, erreichte eine Variante dieses Flugzeuges 1941 während eines Testflugs als erste Maschine überhaupt eine Geschwindigkeit von über 1000 km/h und hielt den Rekord von 1003,67 km/h bis 1947.
Die Zuordnung der beiden unfertigen Holz-Metall-Konstruktionen erleichterten ihre erhaltenen und noch entzifferbaren Typenschildchen: Es handelt sich, Selinger senior zufolge, um Querruder für die Flügel des Düsenjägers Heinkel 162. Dieses Flugzeug wurde ab Herbst 1944 entwickelt und die Devise lautete, Metall möglichst durch Holz zu ersetzen. Die Bauteile sollten trotzdem höchsten Geschwindigkeiten standhalten. Die He 162 soll bis zu 850 km/h erreicht haben.
Weder bei der Me 163 noch bei der He 162 war die Entwicklung 1945 vollendet: In beiden Fällen kamen bis Ende des Krieges mehr Piloten durch technisch bedingte Unfälle als durch den Feind ums Leben.
Dennoch scheint die Adolf Wildt KG eine Produktionsstätte für strahlgetriebene Fluggeräte, also für Vorläufer der heutigen überwiegend zivilen Flieger mit Strahltriebwerken gewesen zu sein, so Schönefeldt und Weibler. Den Eindruck, dass der Neustädter Betrieb nach heutigem Verständnis ein Hightech-Zulieferer war, verstärkt die Erklärung für die längliche Holzplatte: Sie könnte der Produktion der Flügel für die Gotha 242 gedient haben, eines 1941 bis 1944 gebauten Militärlastenseglers. Eventuell war es aber Werkzeug für einen Nurflügler. Bekannteste Nurflügelflugzeuge sind die amerikanischen Tarnkappenbomber. Sollte sich Letzteres bestätigen, "wären an diesem Standort in Neustadt/Orla Teile eines der bis heute modernsten Flugzeugarten gebaut worden", so Weibler.
Selinger senior hat mittlerweile Fachliteratur ausgemacht, die die "Firma Hermann Wächter" als Hersteller von Holzbauteilen für die He 162 bestätigt. In einem vor drei Jahren erschienenen Buch des Luftwaffenhistorikers Manfred Griehl wird von einem "Fertigungskreis Thüringen" und hierin von einem Produktionsbereich namens "Organisation Wächter" gesprochen.
Diese wird auch in einer "Forschungsarbeit DDR 25" über das Neustädter Möbelwerk als Teil des einstigen Möbelkombinates mit Sitz in Zeulenroda erwähnt, die 1973/1974 von der damaligen Klasse 10b der Polytechnischen Oberschule "Dr. Theodor Neubauer" Neustadt gefertigt wurde. "Während des II. Weltkrieges leitete Wächter" also der Geschäftsführer Hermann Wächter "das Organisationsbüro Wächter (mit etwa 100 Beschäftigten), das 35 Möbelfabriken umfasste und im Auftrag der Firma Junkers (Flugzeugwerke Dessau) Flugzeugteile produzierte." Die Arbeit, in Kopie im Archiv des Neustädter Historikers Robert Mailbeck erhalten, behauptet unter anderem noch, dass Flugzeugteile nach England immerhin Kriegsgegner Nazi-Deutschlands exportiert worden seien. 1948 wurde der Betrieb enteignet.
Wann genau in den 1940ern die Flugzeugteile dorthin kamen, wo sie jetzt aufgefunden wurden, und wer sie wohl bewusst versteckt hat, ist mit den vorhandenen Fakten nicht nachvollziehbar. Möglicherweise, vermutet Weibler, wurden sie 1945 nur aus Furcht vor irgendwelchen ungünstigen Konsequenzen verheimlicht und dann vergessen.
Marius Koity / 19.09.10 / OTZ
Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!
Sehr interessant. Dazu passt auch der Fund des Flügeltanks einer ME 163 im Walpersberg. Eventuell passen da einige Sachen zusammen.
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"Allen die Welt und jedem die Sonne"
... Manchmal gibt es Hoffnung für die Welt ...
lohnt sich da eventuell weiteres nachforschen bzw anfragen?
Ich denke schon ;-)
Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!
ich habe gestern schon eine qualifizierte Anfrage geschrieben
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"Allen die Welt und jedem die Sonne"
... Manchmal gibt es Hoffnung für die Welt ...
Hier noch ein Folgebeitrag:
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Rätsel um alte Flugzeugteile in ehemaliger Möbelfabrik Neustadt[/b][/size]
Den Schritt in die Vergangenheit wagte Ernst Wächter, weil diese gegenwärtig geworden ist durch den überraschenden Fund von Flugzeugteilen aus den Jahren 1944/1945 in einer Halle der einst von seinem Großvater geführten Neustädter Möbelfabrik Hermann Wächter.
Neustadt. "Die russische Kommandantur hat veranlaßt, daß die Wohnungen des Herrn Hermann Wächter sen. sowie Hermann Wächter jun. bis zum 15.3.1946 geräumt werden müssen", lautet der erste Satz eines mit "Neustadt (Orla), den 14. März 1946" datierten Aushangs. Im zweiten wird ausgeführt: "Weiterhin wurde bestimmt, daß die Familienmitglieder den Betrieb nicht mehr betreten dürfen."
"Daran habe ich mich bis heute gehalten", sagte der 73-jährige Ernst Wächter am 30. September auf dem ehemaligen Möbelfabrik-Gelände an der Triptiser Straße in Neustadt und lachte. Erstmals seit dem 15. März 1946 hatte er das Grundstück betreten, dass er als Kind mit seinem Vater und Großvater überstürzt verlassen musste. Der Unternehmer Theodor Schönefeldt, dem das Gelände heute gehört, und Unternehmensberater Ulrich Weibler haben Ernst Wächter und seine Frau Heidemarie gern empfangen.
Den Schritt in die Vergangenheit wagte Ernst Wächter, weil diese gegenwärtig geworden ist durch den überraschenden Fund von Flugzeugteilen aus den Jahren 1944/1945 in einer Halle des einst von seinem Großvater geführten Werkes (OTZ vom 18. September). "Das hat mich nie gekümmert", erläuterte er seinen Bezug zur "Möbel-Fabrik Adolf Wildt Inh. Adolf Wildt u. Herm. Wächter", wie sich die Firma in den 1930ern auf einem schmucken Briefkopf vorstellte. "Ich habe nie das Bedürfnis gehabt, das Gelände wieder zu betreten."
Doch nach dem OTZ-Bericht vom 18. September sei er wiederholt gefragt worden, wie das denn mit seinem Vater und Großvater so war. Und so will der seit 1961 in Riesa lebende Diplom-Ingenieur, der sein Berufsleben in der Stahlindustrie verbracht und es dort zum Forschungsabteilungsleiter gebracht hatte, die Geschichte aufklären helfen.
Er will alles, was er noch weiß, mal aufschreiben. Das habe er auch dem Neustädter Bürgermeister Arthur Hoffmann versprochen. Er will nachschauen, was er noch an Fotos und Unterlagen hat. Wobei er viel Papier erst vor ein paar Jahren vernichtet habe.
Hoffmann beobachtet das Geschehen, gab er gestern gegenüber OTZ zu verstehen. Für irgendwelche Initiativen der Stadt sei es aber noch zu früh.
* Das Gebäude in der Triptiser Straße in Neustadt, das bis zum Umzug ins Gewerbegebiet Molbitz die Möbelfirma Theodor Schönefeldt beherbergte.
"Es gab zwei Hermann Wächter", stellte Ernst Wächter klar. Den Senior, der 1876 bis 1959 lebte und die Möbelfabrik leitete, bis er es nicht mehr durfte. Und den Junior, 1909 geboren und 1991 verstorben, der "nur Mitarbeiter" im Werk des Vaters, wohl aber an den "Flugzeuggeschichten" beteiligt gewesen sei.
Der Senior habe nach der Enteignung einige Zeit als Druckereivertreter seinen Lebensunterhalt verdient. Der Junior sei später über zwei Jahrzehnte bis in die 1980er hinein Geschäftsführer der Einkaufs- und Liefergenossenschaft des Bauhandwerks in Neustadt gewesen und als solcher noch vielen Leuten in Erinnerung.
Während des Zweiten Weltkrieges war die Möbelfabrik jedenfalls auch ein Rüstungsbetrieb. Nachdem Nazi-Deutschland niedergeschlagen war, kam die Rechnung dafür.
Die Sowjets hätten 1945 zuerst Hermann Wächter den Älteren inhaftiert, sagt Ernst Wächter. Sein Großvater sei dann plötzlich, "wegen seines fortgeschrittenen Alters", freigelassen worden. Grund zur Freude gab es jedoch nicht.
Denn am 3. Januar 1946 sei Hermann Wächter der Jüngere für den Älteren geholt worden. Erst am 7. April 1955 sei er wieder frei gewesen. Die Zeit dazwischen habe er in sowjetischen Speziallagern (ehemaligen Konzentrationslagern), mit Zwangsarbeit in der UdSSR selbst und zuletzt in Bautzen verbracht. 1995 sei der 1946 von den Sowjets zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilte Hermann Wächter junior von Russland rehabilitiert worden.
Über die "Organisation Wächter" seines Großvaters sagt Ernst Wächter, dass es lediglich ein Arbeitgeberverband in der mitteldeutschen Holzindustrie gewesen sei. Insgesamt 44 Firmen haben diesem Kartell angehört, zeigen Original-Unterlagen aus den 1940er Jahren eines privaten Besitzers auf. Die sind Schönefeldt nach dem OTZ-Bericht vom 18. September zur Auswertung überlassen worden. "Auf wundersame Weise ergeben sich plötzlich bisher unbekannte Materialien", kommentiert Weibler.
Die "Fliegerhalle" auf dem Gelände der Möbelfabrik habe nie etwas mit Flugzeugen zu tun gehabt, meint Ernst Wächter. Das sei seinen Erinnerungen zufolge eine Holztrocknungshalle gewesen. Und im Werk seien keine Flugzeugteile gebaut, sondern nur solche repariert worden, die "im Einsatz" zu Schaden gekommen seien. Dem widersprechen jedoch vorhandene Unterlagen.
Schönefeldt und Weibler sind gespannt darauf, was Ernst Wächter noch in seinem Archiv findet. Sie rechnen auch mit weiteren Akten und Zeitzeugenaussagen. Ein Geschichtsverein habe sich mit der Bitte gemeldet, seine Forschungsergebnisse mit den neuen Erkenntnissen aus Neustadt abgleichen zu dürfen.
Weibler hat beobachtet, dass bereits "Legendenbildung" stattfinde. Und Schönefeldt berichtet, dass just am Wochenende 18./19. September auf einem ehemaligen Fabriksgelände im Bereich Schleizer Straße in Neustadt eingebrochen worden sei. Anderen Hinweisen zufolge wird in diesem Zusammenhang ein älterer Heimatforscher nur des Hausfriedensbruchs verdächtigt.
Vor der Fabrik seines Großvaters wollte sich Ernst Wächter nicht fotografieren lassen. Nur beim Blättern in alten Akten im ehemaligen Büro Schönefeldts duldete er es, abgelichtet zu werden. Das Möbelfabriks-Kapitel in seinem Leben habe er 1946 abgeschlossen, sagt Ernst Wächter.
Trotzdem scheint ihm Großvaters Werk nicht egal zu sein. Kurz bevor er sich von Schönefeldt verabschiedete, beschied er dem niedersächsischen Unternehmer: "Ich rechne es Ihnen hoch an, dass Sie das Grundstück gepflegt haben."
Marius Koity / 08.10.10 / OTZ
Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!
Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!
und der "geschichtsverein" sind wir?
gibts da schon neue erkenntnisse oder antworten?
Eben erst gelesen.
Nein eine Antwort kam noch nicht. Die freundlichste Art und Weise, dass dann in einen Zeitungsartikel zu verarbeiten ist es aber auch nicht. Vor allem mit der Formulierung. Naja muss jeder selber wissen, ob er Hilfe annimmt ...
Wenn ich beim nächsten Besuch im Bundesarchiv mal Zeit habe, suche ich mal das Verlagerungsschreiben für die Firma raus, wenn es vorhanden ist.
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"Allen die Welt und jedem die Sonne"
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