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Thema: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

  1. #1
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    Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    [bJtlLvYE]"GRANULIT"[/b] in Lengenfeld
    Nutzung nach dem Krieg
    Am linken Gölzschhang wurden 1943, unter dem Walkmühlenweg von Strafgefangenen aus einem Zwickauer Gefängnis ein unterirdisches Stollensystem mit vier Längsstollen und drei Querstollen (Produktionshallen) angelegt. Diese unterirdische Hallen wurden nach 1979 noch um einiges erweitert und ausgebaut. In den 1980ern wurden die Stollen durch die NVA zu einem Munitionsdepot ausgebaut und gehörten zum Komplexlager 22 Rothenstein, bei Jena, der früheren U-Verlagerung “Albit”
    In der denkwürdigen Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1998 erzwangen Lengenfelder Bürger nach der Besichtigung des Munitionsdepots inmitten der Stadt die vollständige Räumung des Bunkersystems.
    Schöne Grüße vom Mittelpunkt der Erde !?
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  2. #2
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    [b:S20k5t5b]Die Rüstungsproduktion[/b]

    Es handelte sich um vier Stollen, wovon einer nach Kriegsende gesprengt wurde. Die restlichen drei sind vermauert und haben eine Kontrolltür.
    Die vier Stollen, „Längshallen“ sind durch zwei „Querhallen“ zum Teil verbunden.
    Neben Einsritzpumpen wurden auch sog. Riedel-Anlasser für die gefürchtete Me 262 produziert.
    Der Eingangsbereich hatte eine Größe von 4m Breite und 3m Höhe.
    “Granulit” war Teil der Leng - Werke, (Foto) ein Auslagerungsbetrieb von Junkers.
    Laut Aussagen eines Anwohners, sind die Stollen ca. 350m lang. Die nebenstehende Firma (Leng) hatte bis Kriegsende einen Tarnanstrich (teilweise noch sichtbar) als Schutz gegen Fliegerangriffe. Seit dem Herbst 1943 produzierte der aus Magdeburg verlagerte Pumpenbaubetrieb der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG hier. Junkers führte diese Produktionsstätte als „Leng - Werke“.

    Im Jahre 1943, als durch Bombenangriffe auf West- und Mitteldeutsche Städte, und damit auch auf Rüstungsbetriebe und deren Infrastruktur, die Gefahr von Zerstörung und Ausfällen der Produktion zu groß wurde, verlegten u. a. die Junkers – Werke ihren Magdeburger Betrieb, den Pumpenbau, nach Lengenfeld. Im Sommer des Jahres 1943 wurden die Maschinen der ansässigen Baumwollspinnerei ins benachbarte Falkenstein ausgelagert, und noch im Herbst des Jahres kamen die ersten Spezialmaschinen ins Lengenfelder Werk. Der Betrieb erhielt den Deckname „Leng – Werk“. Etwa 600 Fachkräfte kamen aus Magdeburg mit nach Lengenfeld. Einige von ihnen wurden 1944 in der Nähe des ehemaligen Sportplatzes an der Reichenbacher Straße in so genannten Behelfsheimen und am Eicher Weg in Kleinwohnhäusern untergebracht.
    Vom Kriegsdienst befreite Facharbeiter mit Meistern und Ingenieuren richteten zuerst das Werk mit seinen Speziellen Maschinen ein. Im Laufe folgten dienstverpflichtete Deutsche, Fremdarbeiter mehrerer Nationen, Ostarbeiter und auch Kriegsgefangene. Später waren auch Italiener der „Badoglio – Truppen“ eingesetzt.
    Der Arbeitsplatz für die Arbeiter und Häftlinge befand sich im unteren Bereich (Saal) der Baumwollspinnerei (Lenk – Werk). Man hatte die Fenster vergittert und zur Hälfte verblendet. Der Eingangsbereich war mit einem stählernen Gitter gesichert, welches bei Bedarf herunter gelassen werden konnte. Die Arbeiten für die Einspritzpumpen, wie etwa an Bohrmaschinen, Drehbänken, Fräsen oder Schleifen wurden von den Häftlingen ausgeführt.
    Die so fertig gestellten Teile kamen in Transportkisten in den oberen Saal, hier wurden sie zu Einspritzpumpen für die Flugzeugmotoren zusammen montiert.
    Anfang des Jahres 1945 wurde dann mit der Herstellung des „Riedel – Anlasser“ begonnen.
    Die Leitung der „Leng – Werke“ hatten kaum Einfluss auf den Arbeitshergang und Einteilung der Häftlinge. Sie unterstanden einem Sonderbeauftragten des Reichsluftfahrtministeriums. Es wurde in zwei Schichten von jeweils 12h gearbeitet.
    Bei Fliegeralarm gingen die Arbeiter und die umliegende Bevölkerung in die bereits vorhanden unterirdischen Stollen und Werkhallen. Die Häftlinge sollen im Werk bei herunter gelassener Stahlgittertür verblieben sein. Allerdings berichtet ein Zeitzeuge auch von Häftlingen die sich während der Angriffe im Bunker (Stollen) befunden haben sollen.
    Beim Bombenangriff am 10.04.1945, der dem „Leng – Werk“ galt, kamen ein deutscher und drei Fremdarbeiter ums Leben.
    1943 befanden sich eine ganze Reihe von wichtigen Betrieben in Lengenfeld, die hier interessantesten sind die
    - Fichtel & Sachs AG Schweinfurt und
    - „Leng – Werke“.
    Vor dem Hintergrund der Zunehmenden Luftherrschaft der Alliierten erfolgte auch die Auslagerung des Kupplungs- und Fahrradteilebetriebes Fichtel & Sachs ins Vogtland.
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  3. #3
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    [b:HoxG7V9p]Der Riedel - Anlasser[/b]

    Die JUMO 004 Turbinen der Me 262 wurden mit dem so genannten Riedel – Anlasser angetrieben. Man ist der Meinung, das er häufig Defekte hatte, was aber so nicht stimmte. Es lag mehr an der Ausbildung der Mechaniker. Der Riedelanlasser ist ein kompakter Zweitaktmotor, der im Kegel des Turbineneinlasses der Strahltriebwerke eingebaut war.
    Durch einen mittig eingelassenen Seilzugstarter wurde er angelassen und brachte die Turbine auf Startdrehzahl.
    Nicht mit einem Schwungradanlasser o. ä. zu vergleichen.
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  4. #4
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    [b:sjv1vgDx]Das Gefangenenlager[/b]

    Im Oktober 1944 erfolgte die Einrichtung eines Außenlagers des KZ Flossenbürg durch ca. 800 Häftlinge.
    Die Baracken für das Lager wurden am Walkmühlenweg von Strafgefangenen aus Zwickau
    Aufgebaut. Die „Zuchthäusler“, wie sie genannt wurden, mussten auch die noch vorhandenen unterirdischen Produktionshallen in den Gölzschhang im hinteren Bereich des „Leng – Werkes“ treiben.
    Im Oktober 1944 wurde der hintere Teil des Lagers mit sechs Baracken als Konzentrationslager (Außenlager Nr. 87) eingerichtet. Die Häftlinge kamen mit einem Zug von Reichenbach über Mylau nach Lengenfeld. Ursprünglich sollten die Häftlinge in der Nähe der Walkmühle den Zug verlassen, da jedoch der Übergang über die Gölzsch dort zu schlecht war, fuhr der Zug weiter zur Behelfsbrücke in der Nähe der ehemaligen Bäuerlichen Handelszentrale.
    Das Lager selbst bestand aus Doppellbaracken für das Kz, vier Wachtürmen, Wirtschaftsbaracken, dem sog. Leichenbunker oder –keller, dem Kohlenschuppen, Baracken für die Wachmannschaften, Baracken für Fremdarbeiter verschiedener Nationen und für Spezialisten unter den Fremdarbeitern. Umgeben war das Lager, eigentlich die zwei Lager, das für die Fremdarbeiter und das Kz, von einem Stromführenden Stacheldrahtzaun, an dem Feldgraue SS – Posten mit Hunden patrouillierten.
    Anfang April, (13, -14). 1945 wurde das Lager auf Grund der anrückenden Amerikaner geräumt und in Richtung Schönheide, Eibenstock und weiter auf heute tschechisches Gebiet entlang des Erzgebigskammes geschickt. In Plan (heute TSCH) ereignet sich dann nach den tagelangen Malträtierungen durch die SS – Bewacher in Feldgrauer Uniform nochmals ungeheuerliches. US Amerikanische Flugzeuge beschießen den bedauerlichen Flüchtlingstross und töten fast 50 Häftlinge. Es waren keine militärischen Einheiten in der Nähe. Gedenksteine entlang der gesamten Route erinnern noch heute an diesen Marsch.
    Am 15. April wurde das Lager kontrolliert abgebrannt, da Typhus ausgebrochen war, und der Krankheitsherd so beseitigt werden sollte. Aus den Flammen sollen einige Männer in brennender Kleidung geflohen sein. Möglicherweise waren es Häftlinge die sich vor dem Abmarsch in den Baracken versteckt hatten. Das Brandkommando hatte keine Ahnung, dass sich in den Baracken Menschen befanden, da sie wegen der Gefahr sich anzustecken, diese auch vor der Inbrandsetzung nicht betraten.
    Fundamente und Brandmauern und ein so genannter „Leichenbunker“ des Lagers sind noch erhalten. Das Gelände liegt auf einer heutigen Gartenanlage, und die Gärtner nutzen einige Beton- und Fundament als Umrandung oder andere „nützliche“ Hilfen.
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  5. #5
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    [b:Q4xeI50w]Das Gefecht[/b]

    Oberhalb der Anlage „Granulit“ Lengenfeld kam es am 17.04.1945 noch zum Beschuss der Stadt durch die Amerikaner. Deutsche Sturmgeschütze hatten drei amerikanische Panzer im Göltschtal zwischen Längenfeld und Wolfspfütz abgeschossen. Die Amerikaner forderten daraufhin Verstärkung aus der Luft an und bombardierte einen teil von Lengenfeld. Dabei wurde auch ein deutsches Sturmgeschütz auf dem Windmühlenberg zerstört, das andere entkam, den Weg vom Windmühlenberg hinab ins Tal. Die abgeschossenen Amipanzer standen in Richtung Greiz (Foto) auf der rechten Seite, die heutige Straße dort ist etwas höher. Die Bahnlinie wurde nach der Wende rückgebaut und ein Radweg angelegt.

    Am 11.06. in der lokalen Presse.
    Freie Presse
    ..." Ein passionierter Geschichtsforscher hat bei Bodenuntersuchungen in Lengenfeld scharfe Panzermunition entdeckt................" und weiter "...könnte das Geschoss aus einem Gefecht zum Ende des Zweiten Weltkriegs stammen. Am 17. April soll an jener Stelle ein deutscher Jagdpanzer IV von amerikanischen Bombern beschossen und stark beschädigt worden sein, .........."
    und im Vogtlandanzeiger erfährt man noch
    ....."auf dem Windmühlenberg........"
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  6. #6
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    Hey Axel,

    das ist ja n Klasse-Bericht!!

    Ich habs bis jetzt noch nicht dahin geschafft .

    Die historischen Aufnahmen dazu sind je super!

    Gruß
    Arnim
    Die Zukunft ist auch nicht das, was sie mal war!

  7. #7
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    @ Arnim
    Ich habs bis jetzt noch nicht dahin geschafft

    ist ja keine all zu große sache. aber geschichtlich interessant allemal. wenn du halt mal in der
    nähe bist............
    axel
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  8. #8
    GFW e.V. Avatar von onkelalex
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    Axel Respekt sehr schöner interessanter Bericht. Auch die Historischen Fotos, der Hammer.

    grüße alex
    Das Licht am Ende des Tunnels wurde aus Kostengründen bis auf weiteres abgestellt.

  9. #9
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    ich hab auch noch einen bericht über den hergang des panzergefechtes. hier haben ja die zwei deutschen jagdpanzer die anrückenden amis wohl zwei oder drei tage aufgehalten.
    nur hab ich das gerade bei nem kumpel, wegen einer anderen sache.
    wenn ichs wieder hier hab reich ichs gerne nach. interessant. besonders natürlich wenn man vor ort ist und die genauen stellungen und damit verbundenen schußwinkel und geländesichten anhand hist. bilder nachvollzieht.
    vg a
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  10. #10
    Benutzer Avatar von elexx
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    Re: Anlaga "Granulit" in Lengenfeld

    Prima Bericht, danke!

    Zitat Zitat von Bunker 0
    In der denkwürdigen Nacht vom 5. zum 6. Dezember 19[u:bWGh5IZE]98[/u] erzwangen Lengenfelder Bürger [..]
    Kleiner Tippfehler 8-)

    Weiter als bis vor die verschlossenen Tore hab ichs auch noch nicht geschafft. In einem anderen Forum existierte auch ein Plan der unterirdischen Gänge.

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