Im Rahmen der Vortragsreihe des Geschichts- und Forschungsverein Walpersberg e.V. referieren Markus Gleichmann und Ronny Dörfer zur Verlagerung der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt nach Thüringen. Der Vortrag beginnt am kommenden Sonnabend, den 10.12. um 15 Uhr im Dokumentationszentrum Walpersberg in der Dorfstraße 7, 07768 Großeutersdorf. Anmeldungen werden im Internet unter www.walpersberg.com oder per Tel.: 036424 / 784616 empfohlen.
Die Physikalisch-Technische Reichsanstalt wurde im Deutschen Kaiserreich 1887 gegründet und sollte ein Bindeglied zwischen der wissenschaftlichen Forschung und der Wirtschaft bilden. Weitere Aufgaben folgten mit der Oberaufsicht aller Eich- und Prüfämter auf dem Gebieten der Optik, Elektrizität, Mechanik und Metallkunde. Bis zum Beginn avancierte das Institut zusätzlich zum Zentrum der physikalischen Forschung und des metrologischen Prüfwesens. 1923 wurde die Reichsanstalt für Maß und Gewicht ebenfalls eingegliedert und die PTR war so der Unterbringungsort für alle Normale z.B. dem „Urmeter“.
Mit der Berufung des Hochfrequenzphysikers Prof. Esau – mit Lehrstuhl in Jena – als Präsidenten der PTR 1939 wurde ein treuer Nationalsozialist zum Umbau als „Zentralorgan der wissenschaftlichen Unterstützung der deutschen Wirtschaft für die Landesverteidigung“ beauftragt. In der Kriegszeit wuchs die Anzahl der Wehrmachtsaufträge rasant an.
Bei den Bombenangriffen auf Berlin 1943 wurden einige Anlagen der PTR stark zerstört, so dass der Plan gefasst wurde die Reichsanstalt ins noch relativ sichere Thüringen zu verlagern. Als Zielorte wurden Weida, Zeulenroda, Ronneburg und Ilmenau gewählt.
Der relativ neue Bereich der Kernphysik, Abteilung V der PTR, kam in das ostthüringische Ronneburg. Dr. Carl-Friedrich Weiß, Abteilungsleiter, war u.a. für die Vergabe der Reichsradiumreserve verantwortlich, die nun in einem Bergstollen bei Ronneburg lagerte.
Nach dem Krieg entwickelte sich aus der PTR in der BRD die Physikalisch-Technische Bundesanstalt und in der DDR das Deutsche Amt für Maß und Gewicht.
Die Geschichte der PTR, speziell des Abschnittes der Verlagerung nach Thüringen beleuchten die Mitglieder des Walpersbergvereins und Autoren des Buches „Geheimnisvolles Thüringen“, Markus Gleichmann und Ronny Dörfer, die in Archiven dazu recherchierten. So konnten Sie auch Hinweise auf Zuarbeit für die Rakete V2 (A4), Planungen für eine Schwerwasseranlage in Weida und eine Verlagerung unter die Erde finden.
Bild 1: Lederwerke Dix in Weida, Verlagerungsort der PTR, Quelle: PTB Braunschweig


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